Eschen leiden unter Pilzbefall

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Die kranken Eschen auf St. Bartholomä am Königssee treiben dem Waldschutz-Experten Ludwig Straßer von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Sorgenfalten auf die Stirn.

Königssee - Die Tage der rund 80 bis 100 Jahre alten Eschenallee auf der Halbinsel St. Bartholomä am Königssee sind gezählt:

Ein Pilz mit dem Namen „Falsches Weißes Stängelbecherchen“ hat die Bäume befallen und das so genannte „Eschentriebsterben“ ausgelöst. Die Folge: Tote Triebe, lichte Kronen, abgestorbene Äste und eine verminderte Standfestigkeit. Um die Gäste des viel besuchten Ausflugszieles im Nationalpark Berchtesgaden vor herab fallenden Ästen zu schützen, musste Dr. Roland Baier, Leiter der Unteren Forst- und Jagdbehörde, nach Rücksprache mit der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft eine traurige Entscheidung fällen: Die kranken Eschen müssen weg.

„Es ist wirklich ein Jammer, aber zum Schutz der Besucher unbedingt erforderlich“. Das Bedauern über die unausweichlichen Maßnahmen steht Dr. Baier ins Gesicht geschrieben. Schon der Blick eines ungeübten Urlaubsgastes in die Kronenbereiche der Eschen auf St. Bartholomä lässt deutlich werden, dass hier etwas nicht stimmen kann. „Der Baum schaut irgendwie gerupft aus, krank und welk“, stellt ein Urlauber aus Stuttgart betroffen fest. Und ergänzt: „Wenn das so weiter geht, dann muss man ja direkt Angst haben, dass da mal ein dürrer Ast runterfällt“. Genau dies ist auch die Sorge von Dr. Baier, der aufgrund der Verkehrssicherungspflicht der Nationalparkverwaltung an diesem viel begangenen Weg zu der unpopulären Maßnahme greifen muss. In Kürze werden die befallenen Eschen in unmittelbarer Wegnähe von einer Spezialfirma als Hochstämme in vier bis acht Metern Höhe gekappt. „Die einzige Alternative wäre gewesen, die Bäume in Bodennähe zu fällen“, erläutert Dr. Michael Vogel, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden. „Doch dann wäre wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tierarten verloren gegangen. Starkes, stehendes Laubtotholz ist auch im Nationalpark Berchtesgaden selten.“ Nach Auskunft des Biologen werden sich Fledermäuse, Spechte, Bilche und Käuze über die neuen Wohnstätten in dem stehenden Eschen-Totholz freuen. Über einen würdigen Ersatz für die alten Eschen hat Dr. Baier bereits nachgedacht: „Da uns der beliebte Rundweg auf St. Bartholomä sehr am Herzen liegt, werden wir im nächsten Frühling für jede gefällte Esche andere standortangepasste Laubbaumarten nachpflanzen.“

Das „Eschentriebsterben“ trat im Jahr 2009 erstmals im Nationalpark und in umliegenden Waldgebieten auf. Anfänglich waren nur junge Eschen betroffen, seit diesem Jahr gibt es einen massiven Befall an Altbäumen. Experten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft haben in den letzten Monaten regelmäßig krankheitsverdächtiges Pflanzenmaterial aus dem Bestand entnommen und im Labor auf den Verursacher des Eschentriebsterbens hin untersucht. Als Schaderreger wurde auch auf St. Bartholomä eindeutig das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ identifiziert. Dieser Pilz infiziert im Sommer die grünen Blätter der Esche und dringt über die Blattstiele in Äste und Holzgewebe ein. Durch das Absterben der befallenen Blätter kommt es zu einer Verlichtung der Krone und zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Vitalität des gesamten Baumes. Der geschwächte Baum ist dann anfällig für weitere Erkrankungen. So wurde an den Eschen auf St. Bartholomä zusätzlich der Hallimasch gefunden: ein weiterer Pilz, der das Kambium (Wachstumsschicht) des Baumes und das Wurzelwerk zerstört und damit die Nährstoffversorgung des Baumes blockiert. Dieser doppelte Pilzbefall führt unweigerlich zum Absterben ganzer Bäume. Wirksame Maßnahmen gegen Hallimasch und Stängelbecherchen gibt es nicht, die Fällung kranker Bäume ist die bislang einzig wirksame Methode, um Gefährdungen von Waldbesuchern zu verhindern.

Woher kommt der Pilz mit dem seltsamen Namen, der Eschen in Nord- und Mitteleuropa zunehmend schädigt und zahlreichen Bäumen langfristig den Garaus macht? Bereits Mitte der 1990er Jahre beobachteten Forstexperten vor allem in baltischen Staaten und Polen Schäden an der Esche. Im Jahr 2002 traten die Symptome des so genannten "Eschentriebsterbens" im Nordosten Deutschlands auf, 2008 wurden auch in Bayern erste Schadflächen gemeldet. Heute ist das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ auch im Landkreis Berchtesgadener Land angekommen. „Vermutlich werden nach und nach auch viele akut befallene Eschen an Straßen, öffentlichen Plätzen oder an bebauten Grundstücken außerhalb des Nationalparks gefällt werden müssen“, fasst Dr. Baier in einer traurigen Prognose zusammen.

Scheiter

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