Erhöhte Jodtabletten-Nachfrage in Apotheken

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Berchtesgaden - Mehrere Apotheken bestätigen hohe Verkaufszahlen seit der Atom-Katastrophe in Japan. Doch die vorbeugende Einnahme von Jod könnte auch schädliche Folgen haben.

In Japan ist die Nachfrage nach Jodtabletten angesichts der dramatischen Ereignisse hoch. Aber auch in Deutschland steigt die Angst vor einer radioaktiven Verseuchung, obwohl diese – nach Expertenmeinung – unbegründet ist. Auf Anfrage der Heimatzeitung bestätigten auch die Apotheken in Berchtesgaden, Bischofswiesen und Schönau am Königssee eine zunehmende Nachfrage nach Jodtabletten.

Dr. Werner Vietze aus Berchtesgaden, Arzt für Allgemeinmedizin, erkennt keinen Handlungsbedarf, im Gegenteil: Eine vorbeugende Einnahme jener besagten Jodtabletten könnte sogar gesundheitsschädliche Auswirkungen mit sich bringen. Alle befragten Apotheken raten von einer vorsorglichen Einnahme von Jodtabletten ab. So etwa auch Hans-Peter Wolters von der Apotheke am Marktplatz in Berchtesgaden. Eine Nachfrage nach Jodtabletten gab es zwar, allerdings diese erst bestellt werden. Apotheker Florian Schmidt von der Antonius Apotheke sagte auf Anfrage, dass derzeit eine Lieferzeit von zwei Wochen vorherrsche: „Die Tabletten sind vergriffen“.

Allerdings, und darauf legen alle Befragten großen Wert, gebe es auch keinerlei Anlass, nun verstärkt zum Jod zu greifen. Im Falle eines Reaktor-Störfalles im unmittelbaren Umkreis sei dies zwar sinnvoll, nicht aber in der augenblicklichen Situation, 9000 Kilometer von Japan entfernt. Im Fall der Fälle würde eine einmalige Einnahme einer entsprechenden Jodtablette ausreichen. Das Jod würde dann von der Schilddrüse aufgenommen und direkt in das Hormon Thyroxin eingebaut. Damit würde die Schilddrüse blockiert sein, radioaktives Jod könnte nicht mehr aufgenommen werden. Hinzu kommt: Die Radioaktivität des Jods klingt wegen der kurzen Halbwertszeit relativ zügig ab. Bei Jod-133 ist die Radioaktivität nach einem Tag zur Hälfte abgeklungen. Jod-131 hat hingegen eine Halbwertszeit von acht Tage.

Hans-Peter Wolters von der Marktplatz-Apotheke sagt, dass eine vorbeugende Einnahme nichts bringe, eine Schilddrüsenüberfunktion könne eine unmittelbare Folge sein. Dieser Ansicht ist man auch in der St. Georg-Apotheke in Bischofswiesen: „Eine prophylaktische Einnahme ergibt keinen Sinn“. „Menschen ab 45 Jahren sollen diese Tablette nicht mehr einnehmen“, sagt Wolters von der Marktplatz-Apotheke. Dies bestätigt auch Apotheker Florian Schmidt, „wir hatten bereits einige Kunden vor Ort, die sich nach Jodtabletten erkundigt haben“. Ab einem Alter von 45 Jahren würde man allerdings davon abraten, „wir dürften die Tabletten gar nicht verkaufen, Deutschland ist ein Jodmangelgebiet“.

„Zwei bis drei Nachfragen“ verzeichnete man bislang bei der Bischofswiesen Panorama Apotheke. In der Grünstein Apotheke in Schönau am Königssee habe sich noch kein einziger Kunde nach der „Pille“, um die derzeit viel Hysterie herrscht, erkundigt. „Jodtabletten sollen erst dann genommen werden, wenn es behördenseitig eine direkte Aufforderung gibt“, sagt Apotheker Florian Schmidt. „Das Produkt ist nicht verschreibungspflichtig.“ Abraten könne er zwar, den Hinweis geben, dass eine Einnahme auf eigenes Risiko erfolge. Dr. Werner Vietze, der Allgemeinmediziner, beschwichtigt, sagt, dass in Deutschland überhaupt kein Handlungsbedarf bestehe.

Mehr Hysterie, kein Nutzen.

kp

Rubriklistenbild: © kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser