Die Rampe kommt!

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Wegen Denkmalschutzes wird beim Hauptportal des Berchtesgadener Bahnhofs wohl keine behindertengerechte Zufahrt möglich sein. Vor allem die schweren Holztüren seien ein Hindernis.

Berchtesgaden - Nach Jahren ergebnisloser Mühen erhält der Berchtesgadener Bahnhof nun endlich einen behindertengerechten Aufgang. Es gibt aber auch einen faden Beigeschmack!

Über Jahre hinweg war eine fehlende Rampe am Berchtesgadener Bahnhof Thema: Für jene aber, die Zutritt erhalten wollten und die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, war die Situation alles andere als zufriedenstellend. Die Behindertenbeauftragte des Berchtesgadener Landes, Hannelore Bohm, setzte sich über Jahre hinweg ein. Immer wieder wurden ihre Anträge, eine Rampe mit direktem Zugang zum Bahnhof zu bauen, abgewiesen. Nun scheint es, als stellte sich ein Erfolg ein. Mit fahlem Beigeschmack, den die Deutsche Bahn beisteuert.

Neue Rampe für Bahnhof

Helmuth Zöpfel ist der Leiter des Bahnhofsmanagements Oberbayern und auf Einladung der Behindertenbeauftragten Bohm in Berchtesgaden vor Ort. Er soll sich das Gelände rund um den Bahnhof ansehen, gemeinsam mit Marktbürgermeister Franz Rasp, und gibt sich zunächst unaufgeklärt: Erst seit wenigen Wochen wisse er um die Notwendigkeit einer behindertengerechten Rampe am Bahnhof in Berchtesgaden Bescheid. Stöhnen bei den Anwesenden. Denn: Die Sache ist ein alter Hut. Bohm kennt die Thematik seit über fünf Jahren, solange ist sie Behindertenbeauftragte und auch Johann Wick, Verkehrsexperte aus dem Landratsamt Berchtesgadener Land, bestätigt, dass die Angelegenheit schon seit vielen Jahren Thema ist, die Deutsche Bahn davon also Kenntnis hatte.

Noch vergangenen November bestätigte Franz Lindemair, leitender Pressebeauftragter der Region Bayern bei der Deutschen Bahn, dass die allgemeinen Prioritäten woanders lägen angesichts über 1000 in Bayern vorhandener Bahnhöfe. Und dass es deshalb so schnell auch keine Rampe geben werde: „Das begründet sich damit, dass auf die drei Stufen, wo eine Rampe möglich erscheint, eine schwere Holztür folgt“, so die damalige Aussage. Diese könne ohne teure technische Zusatzinstallationen nicht automatisch geöffnet werden. Zur Folge hatte dies, dass Rollstuhlfahrer bislang per Hinweis über das Bahnhofsgelände dirigiert wurden: Ein Schild, angebracht von der Deutschen Bahn, verweist darauf, dass man eine Wegstrecke von 300 Metern um das Bahnhofsgebäude zurücklegen müsse, um überhaupt erst bei der Wartehalle mit dem angeschlossenen Gleisbereich anzukommen.

„Ein Unding“, so die Reaktion seitens der Behindertenvertreter im Talkessel. Ein Zustand, der so nicht tragbar sei. Zumal ja die Reisenden, die am hiesigen Bahnhof ankommen und abfahren, nach Bahn-Information immer zahlreicher würden. Deshalb plädierten die Betroffenen regelmäßig - mit Nachdruck - für eine Rampe, so wie sie bereits bei umliegenden Geschäften im gleichen Gebäudetrakt mehrfach umgesetzt wurde. Helmuth Zöpfel, der Bahnhofsmanagement Leiter, weiß davon aber nichts, trotzdem gibt er sich offen und zugänglich. Wohl auch deshalb, weil zahlreiche Beschwerden von Bahnhofsgästen bei der Deutschen Bahn aufgeschlagen sind, die Thematik mehrfach presseseitig behandelt wurde und man sich beim Unternehmen nicht die Blöße geben möchte, gesichtslos dazustehen. Zöpfel sagt also Dinge wie „ein barrierefreier Zugang ist nun möglich“. Plötzlich.

Aber immerhin. Seine Worte wurden mit Wohlwollen aufgenommen. Nicht direkt beim Hauptportal des Bahnhofs, der unter Denkmalschutz steht, soll die Rampe entstehen. Dafür ein Stück weiter rechts, bei einem Durchgang, der ausreichend Fläche bietet, eine behindertengerechte Auffahrt zu ermöglichen. Diese könne zwar nicht die geforderten sechs Prozent Steigung aufweisen. Dann würde sie zu lang ausfallen. „Wichtig ist, dass wir überhaupt eine Rampe haben“, sagt Hannelore Bohm. Und auch Bürgermeister Franz Rasp pflichtet ihr bei: „Bei uns in den Bergen wird man immer mit Anstiegen konfrontiert sein“. Wer denn die Kosten trage, sollte die Auffahrt realisiert werden? Zöpfel: „Nachdem sich der Markt Berchtesgaden bereiterklärt hat, die Bahnhofstoiletten zu sanieren, werden wir die Rampe bezahlen“.

Leider, und das weiß Behindertenbeauftragte Hannelore Bohm auch, ist der fehlende Aufgang nicht das einzige Manko an der Zug-Haltestation: Noch in diesem Jahr werden die ersten, bislang nicht existenten behindertengerechten Toiletten installiert werden und selbst beim Thema Rollbänder für Koffer klagen Reisende über funktionslose Technik. „Wir wissen darüber Bescheid“, so ein Bahn-Mitarbeiter. Techniker seien beauftragt, demnächst soll auch dieses Problem aus der Welt geschafft werden. Bis wann das Rampen-Vorhaben denn in die Realität umgesetzt werden könne? „Wir haben es uns für heuer zum Ziel gesetzt“, so Zöpfel. Inklusive einer sinnvoll umgesetzten Beschilderung, die jedem Ankommenden und Abreisenden ins Auge sticht.

Was er jetzt noch brauche, sei eine Unterschrift von Hannelore Bohm. Die Unterlagen werden der Behindertenbeauftragten zugestellt, in den nächsten Tagen. Wenn die Signatur der Deutschen Bahn vorliegt, könne man beginnen.

kp

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