"Die Letzten werden die Ersten sein!"

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Berchtesgaden – Der Paukenschlag folgte am Ende einer Ära: Mit 23 Abitur-Einser-Schnitten verabschiedet sich der letzte G9-Jahrgang am Gymnasium Berchtesgaden.

 Das entspricht einer Quote von über 43 Prozent des Gesamtjahrgangs. Die sechs Jahrgangsbesten, die für ihre Leistungen gesondert gewürdigt wurden, hatten einen Schnitt von 6,6. Zwei 1,0-, zwei 1,1- sowie zwei 1,2-Schnitte. „Jetzt seid Ihr an Eurem Ziel angelangt“, sagte Schulleiter Otto Kamplade, der die 53 Abiturienten und Abiturientinnen in der Aula des Gymnasiums feierlich vor Eltern, Verwandten und Freunden verabschiedete.

Wie es jetzt weitergehe? „Das liegt ganz an Euch“, sagte Kamplade. „Ihr bestimmt nun den Kurs und haltet das Steuer in der Hand.“ Die Stimmung ist gelöst, endlich ist es vorbei. 13 lange Schuljahre, Höhen und Tiefen, ein Auf und Ab. Doch es scheint so, als sei jener Abitur-Jahrgang einer gewesen, bei dem die Hochs überwogen. Fast die Hälfte derjenigen, die zum Abitur angetreten waren, schlossen mit einem Einser-Schnitt ab. „Das hat es so noch nie gegeben“, sagte Klassenleiter Heinz Schulmayr in seiner Rede während der Entlassungsfeier Ende vergangener Woche.

Das Gymnasium sei in vielen Momenten ein Schonraum gewesen, auch ein Experimentierraum – für Emotionen, aber auch für ein soziales Miteinander. „Es wurde viel kommuniziert, philosophiert, musiziert, artikuliert, kreiert“, sagte Schulmayr, der eine Reihe an Ehrengästen begrüßte, darunter den stellvertretenden Landrat Helmut Fürle, Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und den ehemaligen stellvertretenden Schulleiter des Gymnasiums Berchtesgaden, Bernd Amschler, aktuell Schulleiter am Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein.

Schulmayr bedankte sich beim Abitur-Jahrgang dafür, „dass Ihr mich so stressfrei auf der letzten Berlin-Abschlussreise begleitet habt“ – trotz kleinerer Auseinandersetzungen, im Schlafanzug geführt. Der stellvertretende Landrat Helmut Fürle beglückwünschte die Absolventen und Absolventinnen zu ihrem bestandenen Abitur: „Ihr seid jetzt im Besitz des höchsten deutschen Schulabschlusses“.

Die Zeichen stünden gut, die Chancen auf einen ertragreichen Beruf seien so gut wie lange nicht. „Die Entscheidung treffen Sie alleine.“ Der nun folgende Lebensweg sei geprägt von Eigenverantwortung. „Dafür wünsche ich Euch viel Mut, Zielstrebigkeit, Selbstvertrauen und Kraft“, so Fürle. Bürgermeister Rasp gratulierte zum „hervorragenden Abschneiden“ und riet dazu, das, für was man sich im Folgenden entscheide, „gescheit zu machen“. Er wisse aus eigener Erfahrung, dass die Schulzeit oft geprägt war durch das „Minimalprinzip“. Drei Dinge, riet Rasp, sollten die Abiturienten und Abiturientinnen berücksichtigen: „Macht alles mit ganzem Herzen, seid offen für Neues und habt Mut und Zuversicht. Dann werd‘ des scho‘“, so Rasp. Freuen würde er sich, wenn er nach dem Studium, nach Auslandsaufenthalten und Berufsausbildungen erneut den einen oder anderen in der Heimat begrüßen dürfte.

Einen sehenswerten Auftritt lieferten die Damen aus dem Elternbeirat um Vorsitzende Heike Mechelhoff, die sich das Motto „Abikalypse“ zum Anlass genommen hatten, ein mit Buchstabentafeln umrahmtes Schauspiel auf die Bühne zu bringen. Eine Freude sei es gewesen, „Euch die letzten Tage mit Fröhlichkeit und Leichtigkeit durch das Schulhaus laufen zu sehen“, sagte Schulleiter Otto Kamplade. „Mit einem Schlag ändert sich heute alles.“ Von nun an stehe man alleine auf der Kommandobrücke, im besten Fall erhalte man Ratschläge von Außenstehenden. Wo es allerdings langgehe, „entscheidet Ihr ganz alleine.“

Die Aufgabe von nun an sei es selbstständig herauszufinden, was richtig und was falsch ist. „Sagt ja zum Ortswechsel“, so der Ratschlag des Schulleiters. „Sagt ja zur Politik und zur Wissenschaft – denn nur der Erkennende stellt Behauptungen auf und versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen.“ Die schwierigste Erkenntnis dürfte jene sein: „Ihr dürft jetzt alles, könnt aber nicht alles tun.“ Denn auch der Tag eines Abiturienten habe nur 24 Stunden.

Durch die Abiturrede führten Magdalena Widmann und Fabian Kronowetter. Nicht etwa mit jenen Erkenntnissen großer Philosophen, die sich bereits unzählige Male bewährt hatten, sondern ganz nach jenem Fußballspieler, der der Welt ebenso „großartige Einsichten“ brachte – Lukas Podolski: „Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel.“ Ganz nach dem Motto „Rein das Ding, fertig und ab nach Hause“, habe man nun sein Abitur absolviert. Doch so einfach war es dann doch nicht. Lukas Podolski hatte auch dafür einen weisen Spruch parat: „Wir hatten die Hose voll, doch bei mir, da lief’s flüssig.“ So scheint es, die Ergebnisse belegen es. Zu einer harmonischen Gemeinschaft habe man sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt, ein Miteinander aus 53 Personen. „Doppelpass alleine? Vergiss es“, sagt Podolski dazu.

So war es auch der musikalische Rahmen der Entlassungsfeier, der nur im Gemeinsamen, unter Musiklehrer Markus Hanke, so umzusetzen war. Ob Unterstufenchor, Beiträge des Leistungskurses Musik oder der große, abschließende „Halleluja“-Chor aller Abiturienten und Abiturientinnen – im Zusammenspiel funktioniert es einfach doppelt gut.

kp/red

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