„Der Erhalt der Kehlsteinstraße war nie in Gefahr“

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"Hier arbeiten wir", zeigt Forstbetriebsleiter Daniel Müller.

Berchtesgaden – „Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass man uns für unser Vorgehen loben würde“, sagt Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebes Berchtesgaden.

Loben für die Sanierung eines Teiles jener historischen, in die Kritik geratenen Straßen am Kehlstein - 1,75 Kilometer, 181.000 Euro Instandsetzungskosten. Die nun abgetragenen Straßenteile waren versetzt mit teils giftigen Bestandteilen, die in teerhaltigen Straßenbelägen bis Anfang der 70er Jahre üblich waren (polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe; PAK).

In einer Pressemitteilung äußerte Kreisvorsitzende Rita Poser vom Bund Naturschutz nun Kritik am Vorgehen bei der Sanierung. „Monatelang“ seien jene giftigen Überreste „nicht fachgerecht am Ofnerboden gelagert“ worden, so die Vorsitzende. Den stellvertretenden Forstbetriebsleiter Peter Renoth bezichtigt sie indirekt der Nichteinhaltung von Abkommen und bittet, „sich künftig an Vereinbarungen zu halten und die Öffentlichkeit wahrheitsgemäß zu informieren“.

Hochgebauschte „Nebenkriegsschauplätze“, Duelle zwischen Einzelnen, seien das alles, so Dr. Daniel Müller, der im Bericht des Bund Naturschutzes die Sachlichkeit nicht gewahrt sieht, jedoch den Erhalt der am Kehlstein befindlichen Straßen zu keinem Zeitpunkt in Frage stellen wollte. „Das ist ein Thema, bei welchem ich die Aufregung nicht ganz nachvollziehen kann“, sagt Müller.

Etwa zehn Kilometer der auf dem Kehlstein zu findenden ehemaligen Patrouillenstraßen werden von den Bayerischen Staatsforsten in Anspruch genommen. Über die Jahrzehnte seien diese schleichend kaputtgegangen, nun wurde Handlungsbedarf gefordert, „wir haben uns der Situation gestellt“, sagt Müller rückblickend. Verschiedene Möglichkeiten habe es gegeben: Entweder eine einfache Asphaltschicht aufzutragen oder aber die Altbestände zu entfernen und im Folgenden eine neue Forststraße umzusetzen in jenem in Treuhandschaft befindlichen Bereich auf Landesstiftungsfläche, in dem auch der Straßenteil mit einer Länge von 1,75 Kilometern liegt. Allerdings würde erstere Lösung kaum Sinn machen, da die Straßen am Kehlstein nur eine Breite von 2,20 Metern aufweisen, große Gerätschaften, mit welchen der Staatsforst arbeitet, die Straße in Kürze erneut in Mitleidenschaft zögen.

„Die Beanspruchung ist erheblich“, weiß Müller. Ein Unterfangen, das bei 430 Kilometern Waldstraßen allein im Forstgebiet Berchtesgaden kaum realisierbar wäre, da unbezahlbar. Die Empfehlung, mit schmalen Fahrzeugen zu fahren, sei nicht praktikabel, sagt er. Eine Alternative: „Eine forstliche Straße neben die bereits existierende zu bauen“, sagt der Leiter des Forstbetriebes. Allerdings dürfte diese Lösung nicht im Sinne des Bund Naturschutz sein. „Das ist absurd und wäre eine Verschandelung der Gegend“, weiß auch Müller, dessen Ziel der „Erhalt der Kehlsteinstraßen samt Entsorgung der Altlasten“ ist. Geschehen ist dies bereits auf besagter Wegstrecke.

„Wir haben viel Geld in die Hand genommen, jede abgemachte Vereinbarung eingehalten“. Fachleute hätten die Sanierung begleitet, die Kritik der Naturschützer sei unbegründet. In einem Schreiben des Staatlichen Bauamtes Traunstein, heißt es, „dass das Ausbauziel dieser Sanierung erreicht“ und diese „seitens des Forstbetriebes mit der nötigen Sorgfalt und Umsicht ausgeführt wurde“. Auch die Lagerung des abgetragenen Straßenmaterials auf dem Ofnerboden - „es handelt sich hierbei um einen Holzlagerplatz“ -, sei durch die beauftragte Firma den Vorkehrungen entsprechend erfolgt. Verzögert habe sich der Abtransport dennoch, das weiß der Forstbetriebsleiter. Niemand habe aber weggeschaut, „wir haben Druck gemacht“, bestätigt er.

Eigentlich erwartete sich Müller positive Resonanzen, „ich habe gedacht, ich höre nicht recht, als es dann Kritik hagelte“, so der Forstbetriebsleiter. Aus Wahrnehmung der eigenen Verantwortung sollten nun auch die restlichen von den Bayerischen Staatsforsten genutzten Straßenkilometer in Angriff genommen werden, allerdings ist die entbrannte Debatte über eine Denkmalschutzwürdigkeit der Kehlsteinstraßen noch nicht abschließend geklärt. „Die Untere Denkmalschutzbehörde, das Landratsamt, hat uns gesagt, dass es sich hierbei um kein Denkmal handele“, sagt Müller. Eine Diskussion innerhalb verschiedener Behörden sei entbrannt. Erst wenn es einen konkreten politischen Auftrag gebe, könne die Sanierung in Angriff genommen werden. „Wir halten uns an die Auflagen“.

Bis Juni 2011 werde nun aber definitiv nichts angegangen, da entsprechende finanzielle Mittel anderweitig verplant seien – etwa für die Röthelbachstraße, jene Forststraße, die auf einer Länge von zwei Kilometern, von Baumgarten bis zur historischen Röthelbachklause, durch ein Unwetter und resultierende Murenabgänge Anfang Juli zerstört worden war.

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