Bürgerversammlung in Bischofswiesen

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Die Bürgerversammlung im Gasthaus Brennerbräu.

Bischofswiesen - Bei der von Bürgermeister Toni Altkofer einberufenen Bürgerversammlung äußerten sich viele Bürger optimistisch - aber auch kritisch.

Haushalt, Tourismus, Gewerbe: Bei der Bischofswieser Bürgerversammlung gibt es neben optimistischen Aussichten auch Bürgerkritik.

Großes Interesse zeigten die Bischofswieser Bürger bei der Bürgerversammlung in Bischofswiesen, die Gemeindechef Toni Altkofer im Gasthaus Brennerbräu einberufen hatte. In einem Überblick lieferte Altkofer Zahlen und Fakten und blickte auf das vergangene Jahr zurück. Erfolge gibt es in Sachen Gewebegebiet „Im Pfaffenfeld“ zu vermelden. Die Grundstücksflächen seien allesamt verkauft, für Arbeitnehmer werde Bischofswiesen immer interessanter. Nur in Sachen Tourismus könnte man besser sein. „Das liegt aber vor allem daran, dass wir keine großen Häuser haben, die Übernachtungen generieren“, so der Bürgermeister. In Sachen Einwohner werde Bischofswiesen, traut man den Prognosen, bereits nächstes Jahr die Einwohnerzahlen von Berchtesgaden überholen und damit die größte Talkessel-Gemeinde sein.

Beträchtlich seien die Gesamthaushalte der vergangenen Jahre gewesen, „um die 15 Millionen Euro“, sagte Bürgermeister Altkofer. Im Vergleich mit den Haushalten der Jahre 2004 bis 2007 bedeutet das eine deutliche Steigerung in Höhe von etwa 20 Prozent. Was auch daran liege, dass die Bauaktivitäten der Gemeinde immerzu hoch ausgefallen waren, so die Erläuterung des Gemeindechefs. Die Einkommensteuerbeteiligung sei der größte Posten bei den Einnahmen des Verwaltungshaushalts, 18 Prozent. Die Gewerbesteuer „macht etwa 13 Prozent aus“, sagte Altkofer. Personalkosten und Kreisumlage bildeten im Verwaltungshaushalt für das Jahr 2011 beinahe die Hälfte der Ausgaben. Der Schuldenstand der Gemeinde liege am Ende des aktuellen Jahres bei etwa 14 Millionen Euro – „es zeichnet sich sogar ab, dass die Einnahmen höher ausfallen, als zu Anfang des Jahres prognostiziert“, sagte der Bürgermeister. Die Prognosen seien gut, Ende 2014 könnten Bischofswiesens Schulden nur noch bei 12,5 Millionen Euro liegen. Und auch in Sachen Einwohnerzahlen kann sich Altkofer freuen, soll die Gemeinde doch an Bürgern hinzugewinnen. Bis etwa 2021 werden 200 zusätzliche Bürger im beschaulichen Örtchen leben. „Das ist eine Tatsache, die durchaus nicht unwichtig ist.“ Im nächsten Jahr könne man schon, gemessen an der Einwohnerzahl, die größte Talkessel-Gemeinde sein.

Beim Tourismus „können wir noch viel besser werden“, weiß Toni Altkofer. Im dritten Jahr in Folge seien die Übernachtungszahlen nicht erfreulich. Die Bedeutung in diesem Bereich sei aber auch nicht so hoch, wie etwa in Schönau am Königssee – „der Tourismus wird bei uns überbewertet“. Das liege aber vor allem daran, dass man kaum große Hotels habe, große Häuser in der Vergangenheit geschlossen wurden. Umso mehr erfreut sich der Bürgermeister daran, dass die für 2,5 Millionen Euro renovierte Jugendherberge in der Strub am 8. Oktober offiziell wiedereröffnet wird. Gemessen an den Übernachtungen sei diese Einrichtung Bischofswiesens größtes Haus. Beim „Hotel Geiger“, das seit 13 Jahren leer steht und ein unerfreuliches Bild am Ortseingang bildet, „gibt es Anzeichen, dass sich etwas tun könnte.“ Vorsichtig optimistisch zeigte sich Altkofer. Denn die Erfahrung in der Vergangenheit bewies nur allzu oft, dass potenzielle Investoren schnell der Mut verließ. Ein kräftiges Minus erzielte Bischofswiesen mit den Einnahmen und Ausgaben seiner touristischen Einrichtungen. Allein das Naturbad Aschauerweiher verbuchte ein Minus von 409.000 Euro – gegenüber Einnahmen in Höhe von 157.000 Euro. Das Gesamtminus beläuft sich auf 769.000 Euro. Am Skiberg Götschen wird 2012 ein Ski Cross-FIS-Weltcup stattfinden. „Der Götschen lebt“, freute sich Altkofer, der aber über die Ausrichtung des Deutschen Skiverbands (DSV) in Richtung Jenner weniger jubeln kann. Große Erfolge verbuche man derzeit mit den Gewerbegebieten: „Die Gemeinde hat gut daran getan, dass sie die Ausweisung aktiv gefördert hat“, so Altkofer. Die Gewerbesteuerumlagen könnten sich sehen lassen, alle Grundstücke seien an den Mann gebracht. Bedeutende Betriebe hätten sich angesiedelt. „Dort wird eine erhebliche Anzahl an Lehrlingen beschäftigt.“

Deutlich wurde Altkofer, als die Land-, Alm- und Forstwirtschaft Thema wurde. „Dieser Bereich wird bei uns deutlich unterschätzt“, sagte der Rathauschef. Der Wohn- sowie der Erholungswert von Bischofswiesen hängen maßgeblich mit der Landwirtschaft zusammen. Der Landwirt als solcher „kann heutzutage nur noch als Bittsteller auftreten.“ Kritik äußerte Altkofer an der Nationalpark-Führung, gefolgt von unterstützendem Beifall der Anwesenden. Altkofers Appell: „Ein besseres Miteinander.“ Im Nationalpark Hohe Tauern würde dieses schon seit längerem gut funktionieren. Die massive Borkenkäferbekämpfung, die momentan stattfinde, sei wichtig und richtig. „Wir dürfen unsere Wälder nicht dem Käfer überlassen“, forderte er.

Das Bischofswieser Feuerwehrhaus, das momentan gebaut wird, befinde sich auf einem guten Weg. „Die Baufortschritte sind sehr erfreulich“, bemerkte der Referent. Die Zustände des alten Feuerwehrhauses seien nicht mehr tragbar gewesen und so war das neue Haus eine „notwendige Konsequenz.“ Die Forderung des Gemeindevorstehers, die freiwillig arbeitenden Feuerwehrler doch mit mehr Anerkennung innerhalb der Bevölkerung zu belohnen, zog langanhaltenden Applaus nach sich. 2,4 Millionen Euro seien in den letzten Jahren darüber hinaus in das Schulgebäude investiert worden, „da hat sich viel getan.“ 2012 werde man mit den Maßnahmen zu einem Ende kommen. Noch länger warten müssen hingegen all diejenigen, die den Bischofswieser Spielplatz nutzen möchten. An einigen Gerätschaften dort nage der Zahn der Zeit, „selbst dürfen wir die Objekte nicht reparieren.“ Und so müsste man nun ausschreiben. Es könne noch ohne Weiteres „ein halbes Jahr“ ins Land ziehen, bis der beliebte Ort für Kinder wieder uneingeschränkt nutzbar ist. Lob äußerte Altkofer hinsichtlich des Gemeindezentrums, in dem Rathaus, Schule, Kirche und Gastwirtschaft in nächster Nähe zu finden sind – er forderte, dass man das, „was wir haben, würdigen sollen.“ Kritik sei erwünscht, doch solle man diese nicht ausschließlich und immerzu in den Vordergrund stellen.

Ganz kritiklos ging die Bürgerversammlung dann doch nicht zu Ende. So war es Sepp Stanggassinger, der zunächst zustimmte, dass es durchaus einige „gute Seiten“ gebe. „Ich bin mit Leib und Seele Bischofswieser“, so Stanggassinger. Dennoch: „Der Bischofswieser Haushalt kommt mir so vor wie eine Schieberrunde beim Kartenspielen.“ Maßnahmen, wie etwa der Umbau des Kindergartens in der Insula, an dem die Gemeinde maßgeblich beteiligt ist, „hätten im Jahr 2001 nur 300.000 Mark gekostet“, heutzutage kosteten diese „sieben Mal so viel, sagte Stanggassinger mit einem begleitenden Kopfschütteln. Bischofswiesen sei ein „Selbstbedienungsladen in Sachen Baurecht“. Nicht gleich müsse immer die nächste freie Wiese zum Bauen ausgewiesen werden. „Ein Ortsentwicklungsplan muss her“, forderte der Bischofswieser Bürger. Der Bahnhof sei ein Ort, „bei dem es dem Gast beim Aussteigen graust.“ Die Zuständigkeiten könnten nicht immer auf andere geschoben werden. Handeln solle die Gemeinde. Und auch beim Spielplatz könne mit wenig Geld und Mühe schnell ein gutes Ergebnis erzielt werden: „Vier Bretter und eine Fuhre Sand – und wir haben wieder einen Sandkasten“, sagte Stanggassinger. An den Nationalpark Berchtesgaden gerichtet: „Ihr macht unseren Schutzwald kaputt.“ Handlungsbedarf sei gegeben. Rita Poser vom Bund Naturschutz wandte sich an Bürgermeister Altkofer wegen des neu gestalteten Koppenweges, der ihrer Meinung nach das dort zu findende FFH-Gebiet beeinträchtige. Der Versuch, „mit dem Bürgermeister einen Gesprächstermin zu finden, ist immer wieder gescheitert“, so Poser.

kp

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