Kreis-SPD kritisiert vorläufige Ergebnisse des Markenprozesses

Rückt der Landkreis wieder auseinander?

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Intensive Diskussion über die Zukunft des Tourismus im Berchtesgadener Land und die Ergebnisse des Markenbildungsprozesses im Kreisvorstand der SPD BGL (von links nach rechts): Domenik Gross (Juso-Vertreter SPD BGL, Teisendorf), Roman Niederberger (SPD-Kreisvorsitzender und Kreisrat, Piding), Andreas Pfnür (Vorsitzender SPD Schönau am Königssee), Franz Sicklinger (Vorsitzender SPD Bayerisch Gmain), Georg Aschauer (SPD-Gemeinderat, Berchtesgaden), Hans Metzenleitner (Vorsitzender SPD-Kreistagsfraktion, Bischofswiesen), Margret Sturm-Wiersig (Vorsitzende SPD Ainring), Güldane Akdemir (stv. Kreisvorsitzende, Bad Reichenhall)

Bischofswiesen - Bei einer Sitzung des SPD-Kreisvorstands im Gasthaus Brennerbräu in Bischofswiesen haben sich Kommunalpolitiker und Vorstandsmitglieder aus allen Landkreisteilen intensiv mit den Ergebnissen des Markenbildungsprozesses beschäftigt.

Der Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion Hans Metzenleitner stellte dies Ergebnisse vor: "mit KommunalDer mit hohen Erwartungen gestartete Markenbildungsprozess hat viel Zeit und auch beträchtliche finanzielle Mittel beansprucht, aber leider keine zukunftsweisenden Ergebnisse erbracht", fasste der Fraktionssprecher seine Kritik zusammen.

Weder sei es gelungen, eine einheitliche Marke für den Tourismus zu kreieren, noch konnte eine schlagkräftige Dachmarke geschaffen werden, die die gesamte Wirtschaft des Landkreises vertritt und nach außen vermarktet. Als fatalen Rückschritt in längst überwunden geglaubte Denkmuster bezeichnete Hans Metzenleitner das Vorhaben, den Landkreis künftig mit zwei touristischen Marken, nämlich Berchtesgaden und Bad Reichenhall, sowie mit einer weiteren Marke „Berchtesgadener Land“ für den "lebenswertesten Wirtschaftsraum" zu bewerben.

Entgegen den Ratschlägen des Markenexperten Christoph Engl und entgegen den Trends in anderen vergleichbaren Tourismusregionen setzte sich das kommunalpolitische Kirchturmdenken gegen langfristige wirtschaftliche Vernunft durch. Hans Metzenleitner befürchtete, dass dieser schönfärberisch als Weiterentwicklung der BGLT ("BGLT-Neu") bezeichnete Prozess im schlimmsten Fall die ehemalige Dreiteilung des Landkreises in Nord-Mitte-Süd mit allen negativen Begleiterscheinungen neu wiederbeleben könnte. 

Damit ist auch Landrat Grabner mit seinem berechtigten Anliegen, die Wirtschaft im Landkreis einheitlicher und schlagkräftiger auszurichten, vorerst gescheitert. "Das ist aus Sicht der SPD, die den Landrat in seinen Bemühungen, regionale Egoismen zugunsten eines einheitlichen Landkreisauftritts zurückzustutzen, stets unterstützt hat, sehr bedauerlich." 

Trotz einiger unternehmensübergreifender Konstrukte werde sich der Süden und Bad Reichenhall weiter auseinanderentwickeln, sodass von der Marke Berchtesgadener Land als Klammer nicht mehr viel übrigbleiben werde. Sein Fraktionskollege und SPD-Kreisvorsitzender Roman Niederberger zeigte sich verwundert, dass die Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG, die doch die gesamte Wirtschaft im Landkreis vertritt, bei der Neuausrichtung offensichtlich nur eine Nebenrolle spielte. 

Angesichts der Tatsache, dass 90 Prozent der Wertschöpfung im Landkreis auf nicht-touristisches Gewerbe zurückzuführen ist, vermisse er eine landkreisweite Dachmarke, die alle Wirtschaftsbereiche gemeinsam vertrete und vermarkte. Die Kooperations- und Dienstleistungsvereinbarung zwischen WFG und BGLT hielt er für eindeutig zu kurz gesprungen. Sollte in den noch ausstehenden Beschlussfassungen keine substantiellen Verbesserungen erreichbar sein, müsse die SPD die vorgeschlagene Organisationsstruktur ablehnen, da sie die Gefahr einer Zersplitterung und damit einer wirtschaftlichen Schwächung des Landkreises beinhalte.

In der Diskussion über die Planungen für eine neue Struktur waren sich die Sozialdemokraten einig: Nach dem Scheitern der wirtschaftlichen Dachmarke und der Entscheidung für zwei verschiedene Marken – entgegen den Ratschlägen der touristischen Profis – müsse nun alles getan werden, um die Schnittmengen zwischen den beiden Organisationen BGLT und WFG zu vergrößern. 

Insbesondere forderten die Mitglieder des Kreisvorstands, die Kooperationsvereinbarung konkret auszugestalten und in eine klare und professionelle organisatorische Form zu bringen. Dazu müsse die WFG sowohl personell als auch finanziell gestärkt werden. Im touristischen Bereich gelte es vor allem die im Konzept angepeilte klarere Aufgabenzuteilung umzusetzen und nicht, wie im Falle der bisherigen Struktur, die Zuständigkeiten zu verwässern. 

Außerdem gelte es die Flut an Werbematerialien und zahlreichen Website-Auftritten zu vereinheitlichen und die Tourist-Infos per Dienstleistungsverträge von den Gemeinden der BGLT anzugliedern. Die SPD werde jedenfalls auch in Zukunft alle Maßnahmen unterstützen, die zu mehr gemeinsamen Handeln führen und zu einer Aufhebung des künstlichen Gegensatzes zwischen Wirtschaft einerseits und Tourismus andererseits.

Pressemitteilung SPD BGL

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