"Felix streichelt unsere Seele"

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Bischofswiesen - Kater Felix bringt Freude ins Leben der demenzkranken Bewohner in der Insula. Und um die, die ihn nicht mögen, macht er einen großen Bogen.

Schwarz-weiß ist Felix, so viel ist mal sicher. Wie alt der Kater ist, das weiß Roswitha Moderegger, Leiterin der Schwerstdementen-Einrichtung in der Insula, aber nicht genau. Trotzdem: Die Katze ist für so manchen Bewohner zentraler Lebensmittelpunkt. Ein Tier, das im offenen Bereich bei den an Demenz Leidenden lebt. „Von vielen wird sie geliebt“, sagt Moderegger.

Dass ein Kater in der Einrichtung wohnen darf, ist indes nicht selbstverständlich: Ein Mädchen, das wegen Adipositas in der Insula behandelt wurde, hatte Felix mitgebracht. „Seitdem wohnt er bei uns.“ Wenn Felix in den Gängen des offenen Bereichs entlangspaziert, schaut man erst einmal ganz genau hin. „Felix hat seinen eigenen Patientenordner“, erzählt die Bereichsleiterin mit einem sanften Lächeln. Dort werden all jene Dinge abgeheftet, die notwendig sind, um ein Tier fachgerecht zu halten. Eine Mitarbeiterin kümmert sich darum. Dass Felix also regelmäßig zum Arzt kommt, keine Impfung verpasst, dass er dann, wenn es notwendig ist, durchgecheckt wird. „Der Tierschutzverein Berchtesgaden trägt die Arztkosten“, erzählt Roswitha Moderegger. Anderenfalls könnte man sich den „Luxus“ gar nicht leisten. Neben Felix sind es auch noch Vögel, die sich in ihrer Voliere im offenen Bereich befinden. Die Mitarbeiter finanzieren das Futter. Und Felix ist der heimliche Star. Derjenige, der wesentlichen Einfluss auf das Demenzkonzept ausübt. Der auch mal in ein Zimmer der einzelnen Bewohner mitdarf. Dort schläft er dann im Bett, auf der Couch, auf dem Schoß, auf dem Schrank im Büro oder den zahlreichen Rollstühlen, die im Demenzbereich häufig anzutreffen sind. Besonders „schmusig“ sei er, einer, mit dem man alles machen könne. „Felix hat hier viele Freunde.“ Aber nicht nur. Es gibt auch den einen oder anderen Bewohner, der den Kater nicht mag. „Felix hat dafür aber ein gutes Gespür und macht dann einen großen Bogen“, sagt Moderegger.

Sensibel sei der verschmuste Vierbeiner – wenn es Leuten schlecht geht, erkenne es Felix als Erster. Mehrmals schon habe er Bewohner beim Sterben begleitet. „Er lag dann tageweise im Zimmer“, im Bett des Betreffenden, wollte nicht mehr raus. Ruhe habe er ausgestrahlt auf denjenigen, dem es schlecht ging. Moderegger erklärt das auf ihre Weise: „Felix streichelt unsere Seele“. Er begrüßt die Mitarbeiter am Morgen bei der Eingangstür, verabschiedet diese am Ausgang: „Er bleibt vor der Tür sitzen und schaut uns nach.“ Menschliches Gemüt in tierischem Körper. Doch Felix muss nicht nur drin sein, er darf auch raus ins Freie, wählt sich dann einen seiner Lieblingsbewohner aus, von dem er dann wieder hereingelassen wird. Allergien gegen den Kater? „Wir hatten bislang immer Glück“, sagt Moderegger. Alte Leute seien bei weitem noch nicht so allergisch wie die jüngere Generation. „Früher gab es Allergien so gut wie nie“. Und die Leiterin hofft, dass das auch so bleibt. Denn die Anwesenheit des Katers ist für manchen eine „Sternstunde“. Den Kater zu sehen, zu beobachten, mit ihm zu sprechen – viele Demenzkranke starten auf diese Weise in eine Kommunikation. Felix wird dann zum Wolfi, zum Maxerl oder zum Bazi. „Die Leute reden plötzlich, obwohl sie sonst kaum sprechen, nicht mehr sprechen können.“ Das sei aber gerade eben jene unerklärbare Faszination, bei der Erklärungsversuche scheitern. „Demenzkranke reagieren bei Kindern und bei Tieren sehr entspannt“, so die Erfahrung der Leiterin. Felix sei ein wichtiger Impuls, der vielen Lebenskraft spende. Ein tierischer „Ersatzpfleger“ für menschliche Belange. „Ich bin froh, dass wir ihn haben“.

kp

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