Zum 400. Mal die Watzmann-Ostwand durchsteigen

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Bischofswiesen - So häufig wie sonst niemand ist er hoch gekraxelt: 390 Mal. Sein Jubiläum plant er schon, aber mit 69 sei "das alles nicht ganz so einfach":

Einer wie keiner: Heinz Zembsch ist ein Bergsteigerprofi wie aus dem Bilderbuch. Einer, der die Gefahr nicht scheut. Keiner zuvor hat die Watzmann Ostwand so oft durchstiegen wie er: 390 Mal. Und Zembsch ist kurz davor, Durchstieg Nummer 400 zu planen. Geplant, wen er mitnehmen könnte, hat er bereits, wenn auch noch kein konkreter Name fällt. Doch sagt er auch: „Ich bin 69 Jahre alt, da ist das alles nicht mehr ganz so einfach.“

Bergsteiger-Leben mit Höhen und Tiefen

Ein langes Bergsteiger-Leben liegt hinter ihm: Eines mit Höhen und Tiefen. Als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer kennt Heinz Zembsch die Berge wie kein Zweiter. Seine Hausstrecke, die ihn in einschlägigen Kreisen bekannt gemacht hat, ist und bleibt aber die Watzmann Ostwand. 1800 Höhenmeter, 3000 Klettermeter, verschiedene Varianten: „Das Gelände dort ist schon recht anspruchsvoll“, sagt Zembsch, der jede Stelle wie aus dem Effeff beherrscht. Trotzdem hat er eine Lieblingsstrecke, den sogenannten „Berchtesgadener Weg“. Später als die anderen sei dieser „gemacht“ worden, er führt ausschließlich durch das Felsgelände. Eine besondere Faszination liegt auf der Ostwand. Eine Herausforderung, die schon etliche Bergsteiger angenommen haben.

Seit dem 19. Jahrhundert haben sie sich daran gewagt, Fels und Eis, unwegsames Gelände und gefährliche Klüfte zu bewältigen. Viele bezahlten mit dem Leben, wie Heinz Zembsch erzählt: „Genau 100 Tote sind es aktuell“, sagt er. Selbst ist er mit 69 Jahren einer der Ältesten, die sich durch das gewaltige Massiv trauen. Im Jahr 2002 feierte er seinen 300. Durchstieg. Ein besonderes Ereignis, ein Jubiläum zum Feiern. Zusammen mit einem Prominenten war er damals unterwegs, Rodellegende Georg Hackl. Zembsch attestiert ihm im Nachhinein die Fertigkeiten eines „guten Bergsteigers“. Von 30 Personen ist er damals empfangen worden, oben am Ziel, nachdem der 300. Durchstieg geglückt war. Ein Thron wurde zurechtgemacht, er erhielt einen Umhang, einen goldenen Eispickel, von da an war er der „Watzmann-König“. Auch für den 400. Durchgang hat er etwas in petto: „Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht“, erzählt er. „Vielleicht ein Politiker…“

Sein Sohn starb als Bergführer am Ortler

Eine gute Kondition sei für die Watzmann Ostwand Voraussetzung. Allerdings lasse diese bei so manchem oft zu wünschen übrig. Bergsteigerische Fähigkeiten müsse man haben, klettern können, das in jedem Fall. „Mit zwölf Stunden sollte man schon rechnen, wenn man sich daranmacht“, sagt Zembsch mit einem hintergründigen Lachen. Früher, als er jung war, war er schneller. Schnell sein, bedeutet gleichzeitig aber auch, dass der Vorsicht nicht mehr die komplette Aufmerksamkeit zuteil wird. Was gefährliche Folgen haben kann. Zembsch weiß, wovon er spricht. In seiner Karriere hat er viele Freunde und Bekannte kommen und gehen sehen. Etwa Franz Rasp senior, auch Bergführer, der Vater des aktuellen Berchtesgadener Bürgermeisters Franz Rasp. Bei seinem 295. Versuch, die Ostwand zu bezwingen, scheiterte dieser und kam um.

Und auch in familiärer Hinsicht hat Zembsch mit sich und dem Berg zu kämpfen gehabt. Vor sechs Jahren kam sein Sohn, angehender Bergführer, am Ortler, der höchsten Erhebung der italienischen Provinz Südtirol, ums Leben. „Das war das Schlimmste für mich“, erinnert sich Zembsch zurück. Seine Leidenschaft für den Berg hat er dennoch nie verloren. Er musste sie nur seinem Alter anpassen. Seitdem lässt er es vielleicht langsamer angehen. Aber die Füße hochlegen? Daran ist nicht zu denken. Die 400 knackt er – nur der Berg kann ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

kp

Rubriklistenbild: © kp

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