Naturbad: Eine natürliche, klare Sache

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Prachtkulisse: Aschauerweiher-Besucher haben einen Traum-Ausblick.

Bischofswiesen - Kurz vor der Eröffnung des Naturbads Aschauerweiher gibt es für die Mitarbeiter noch viel zu tun. Ein Vorabbesuch bei Betriebsleiter Michael Obraczka:

Sofort müsste man doch öffnen, bei dem schönen Wetter der letzten Tage! Michael Obraczka, Betriebsleiter des Naturbads Aschauerweiher, sagt, dass man die äußeren Bedingungen nun mal nicht in der Hand habe, man verfolge einen Plan. Das Aschauerweiherbad soll also erst kommenden Samstag seine Pforten öffnen. Bis dahin hat Obraczkas Team noch eine ganze Menge zu tun. Denn immerhin wollen die Besucher des Bischofswieser Naturbades in vollkommen natürlicher Umgebung schwimmen – ganz ohne Chlor. Ein ausgeklügeltes Filtersystem hilft dabei…

Seit etwa Anfang April ist Obraczka im Aschauerweiherbad beschäftigt. „Es gibt viel zu tun“, sagt er. Und in der Tat sind wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung eine Handvoll Frauen und Männer noch immer damit beschäftigt, das Bad auf Vordermann zu bringen. Der Rasen will gemäht und das Wasser gereinigt sein, wenn es am kommenden Samstag, 12. Mai, wieder losgeht. Über 40.000 Besucher begrüßte man im vergangenen Jahr. Und natürlich möchte der Betriebsleiter diese Zahl knacken – „denn letztes Jahr war ein insgesamt schlechteres Jahr“, sagt Obraczka. Sechs Wochen Regen – damit kann man keine Naturbad-Freunde locken. Die kommen vor allem dann, wenn der Himmel blau ist und die Temperaturen angenehm bleiben.

Eindrücke vom neuen Naturbad "Aschauerweiher"

Obraczka arbeitet seit zwölf Jahren im Aschauerweiherbad. Bis 2003 war es noch kein reines Naturbad, auch Chlorbecken gehörten dazu. Dann die millionenschwere Instandsetzung, eine Umorientierung hin zum reinen Naturbad. „Am Anfang waren viele Leute skeptisch, aber das hat sich dann schnell wieder gelegt“, sagt er. Das Bad habe seine Fans gefunden. Das Wasser sei weich, es reinige sich selbst. Um das System zu begreifen, führt Obraczka über das riesige Areal. Allein 8.400 Quadratmeter Wasserfläche, 50 Prozent davon sind zum Schwimmen gedacht.

Doch wie funktioniert die natürliche Reinigung des Bades denn genau? Zunächst gebe es 13 Ausläufe, im großen, über 50 Meter langen Naturbecken. Skimmer nennen sich diese. „Der Wind treibt die Oberflächenverschmutzung dort hinein“. Das Wasser wird über ein Gitter grob gefiltert. Blüten, Blätter und andere Dinge bleiben hier hängen, das Naturwasser fließt seinen Weg weiter, in den Untergrund, wird dort ein weiteres Mal vorgefiltert, weitergepumpt in den Tieffilter. Dieser gilt als Vorabscheider für Schwebestoffe. Dann passiert es einen 1,6 Meter-Sandwall, wird regelrecht hindurchgedrückt, und sickert durch den Pflanzenfilter. Weil dort verschiedene Pflanzen mit speziellen Aufgaben zu finden sind, wird das flüssige Gut von Badeöl, Urinal und anderen Verunreinigungen gesäubert. Betriebsleiter Michael Obraczka erklärt das so: „Die Nährstoffe, die sich im Wasser befinden, werden durch die natürliche Filterung entzogen“. Das ist deshalb gut, weil die Algenbildung reduziert wird. „Die wollen wir unbedingt vermeiden“. Das Filtersystem im Naturbad Aschauerweiher ist ausgeklügelt, ein natürliches System, das den Wasserkreislauf intakt hält.

Bei 10.400 Kubikmetern Wasser ist das keine Selbstverständlichkeit. „Dass der gesamte Inhalt einmal durch die Filter fließt, dauert etwa drei bis vier Tage“, weiß Obraczka. Ein kraftstrotzendes Pumpensystem im Kellerbereich, die einzige nennenswerte Technik im Bad, bringt das gefilterte Wasser zurück ins Becken. Klingt so, als wäre das Naturbad also ein sich reinigender Selbstläufer, bei dem Hand anzulegen überflüssig wäre? „Wir saugen Algen ab, säubern die Steine, mähen den Rasen“. Und nicht nur den: Auch die Wasserpflanzen müssen „gemäht“ werden. „Wir haben sie vor kurzem frisch geschnitten, jetzt treiben sie wieder aus“, weiß der Betriebsleiter, der im Bad viele verschiedene Wasserpflanzen vereint, tausende insgesamt, Wasserlilien, Seerosen, breit- und schmalblättriger Rohrkolben.

Die Mitarbeiter hier in Bischofswiesen seien alle motiviert: „Wir arbeiten hier im Paradies“, sagt er. Man kann seine Ausführungen beinahe wörtlich nehmen: Der Watzmann thront im Hintergrund, eine Bergkulisse wie aus dem Bilderbuch, umgeben von nichts als satt-grünen Wiesen. Im hinteren Aschauweiherbad-Bereich bahnt sich ein kleines Bächlein seinen Weg, das in ein Moor mündet. „Das Bächlein ist der beste Spielplatz für die Kinder“. Dort tummeln sich die Kleinen, bauen Dämme, spielen im frischen Nass. Neben dem großen Naturbecken, gibt es auch ein Kleinkinderbecken, dort wird erst kurz vor Eröffnung am Samstag das Wasser wieder eingeleitet. Obraczka sagt, dass die Badesaison oft eine Zeit der Überstunden sei.

Nicht im letzten Jahr, da gab es sechs Wochen in Folge schlechtes Wetter. „Aber generell“. Da baue man sich dann ein fettes Überstundenpolster auf. „Wir sind oft von in der Früh um sieben bis abends um acht hier. Die Mehrarbeit wird dann im Herbst und Winter abgefeiert. Wobei die Pflege des Bades auch in den kühleren Jahreszeiten Pflicht ist. „Im Winter kommt die Langlaufloipe, dann kümmern wir uns darum mit unserer Kunstschneeanlage“, sagt er und deutet in einen Geräteschuppen, wo die Schneeerzeuger auf tiefere Temperaturen warten. Nun freut sich Betriebsleiter Michael Obraczka, der mit seinem Gast sehr geduldig ist, auf die Saisoneröffnung. Auf schönes Wetter, auf zufriedene Gäste, auch auf die treuesten Kunden, die Morgenschwimmer: „Die kommen bei jedem Wetter und ziehen früh morgens ihre Bahnen“. Wohl auch am kommenden Samstag. Das Wetter: soll durchwachsen sein. Es kann also nur besser werden.

kp

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