Der Biber paddelt auf Erfolgskurs

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Der Biber-Beauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land, Alexander Harant (l.) informierte über die Lebensweise des größten europäischen Nagetiers. Nationalpark-Mitarbeiter Ulli Brendel staunt über die beachtliche Größe des Biberfelles.

Berchtesgaden - Er schwimmt erstaunlich gut, hat Schuppen und ist doch kein Fisch: Der Biber erobert heimlich seine früheren Lebensräume im Berchtesgadener Land zurück.

In seinem Vortrag „Biber – Baumeister am Wasser“ informierte der erste, offizielle Biberbeauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land, Alexander Harant aus Ainring, über das größte Nagetier Europas. Rund 50 Gäste im Nationalpark-Haus Berchtesgaden waren zur fünften und vorletzten Veranstaltung der Winter-Vortragsreihe des Nationalparks gekommen.

Selten bekommt man ihn zu Gesicht, doch die Spuren seiner nächtlichen Aktionen sind unübersehbar. Um die enormen Leistungen des Bibers anschaulich zu dokumentieren, hatte der Referent die Fraßstellen einer vom Biber gefällten Pappel mit ins Nationalpark-Haus gebracht. Dieses beachtliche „Werk“ hat der fleißige Nager an dem kleinen Fluss „Sur“ im nördlichen Teil des Landkreises Berchtesgadener Land in wenigen Nächten vollbracht.

An der Sur wurden vor rund 25 Jahren erstmals wieder Spuren des Bibers entdeckt, mittlerweile ist das Tier dort heimisch geworden. „Biber gestalten aktiv ihren Lebensraum und sorgen durch den Bau von Dämmen für den von ihnen bevorzugten Wasserstand“, erläutert der Experte. Schätzungen gehen von rund 12.000 Bibern in ganz Bayern aus, Tendenz steigend.

Das Ergebnis nächtlicher Gestaltungsaktionen des Bibers im Berchtesgadener Land: Eine Pappel im Durchmesser von rund 50 cm hat der kräftige Nager gefällt, um den Wasserspiegel in seinem Lebensraum anzuheben.

Mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm ist der Biber das größte Nagetier Europas und ideal an das Leben im und am Wasser angepasst. „Sein breiter Schwanz trägt Schuppen und ist als Steuer-, Stütz- und Antriebsorgan multifunktional wie ein Schweizer Taschenmesser“, erklärt der Biberbeauftragte. Die Tauchgänge des Bibers können bis zu fünf Minuten lang sein. In Bayern hat der Nager keine natürlichen Feinde, Hochwasser oder Straßenverkehr sorgen für lediglich geringe Verluste.

Auch über die Nahrungsvorlieben weiß der Biber-Experte Erstaunliches zu berichten: „Trotz seiner Größe und Kraft ist der Biber ein reiner Vegetarier und ernährt sich von Klee, Löwenzahn, Rüben oder Mais. Nur im Winter ist der Biber auf frische Baumrinde angewiesen. Fische stehen nicht auf seinem Speiseplan.“ Dennoch kann der Biber in Teichen für Zuchtfische Schäden anrichten, da die Fische nervös auf die Anwesenheit eines Bibers reagieren und in Folge weniger Nahrung aufnehmen.

Weitere Probleme kann der Biber in den Böschungsbereichen von Flüssen verursachen, wenn er die Ufer untergräbt und landwirtschaftliche Geräte dadurch zu Schaden kommen. Doch der Biberbeauftragte betont: „Diese Schäden sind weniger wirtschaftlich bedeutsam, die Abneigung gegen den Biber ist vielfach emotional bedingt“. Schäden durch den Nager ersetzt ein Erstattungsfond. Auch so genannte „Drahthosen“ an Bäumen oder Elektrozäune zeigen gute Wirkung. Darüber hinaus rät der Experte den Bauern dazu, landwirtschaftliche Flächen in Biberlebensräumen nicht bis direkt an die Uferbereiche mit Nutzpflanzen zu bestücken.

Für die südlichen Gemeinden des Landkreises Berchtesgadener Land rechnet Harant nicht mit einer dauerhaften Besiedlung durch den Biber: „Hier sind die Lebensräume nicht ideal, die Flussufer sind oft zu steil und zu steinig. Dennoch kann es sein, dass der Biber künftig auf der Suche nach neuen Lebensräumen entlang der Flüsse und Bäche auch durch Berchtesgaden und Umgebung wandert“.

Der Nutzen des Bibers für die biologische Vielfalt ist groß: Totholz ist Lebensraum und Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insekten- und Vogelarten. Darüber bieten die Bauten des Bibers Fischen und Amphibien wertvolle Versteck- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Durch das Anlegen von Altwässern leistet der Biber außerdem einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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