Ein Berg Arbeit

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Berchtesgaden - Vier Gaststätten am Obersalzberg kämpfen um die Verkürzung notwendiger Baumaßnahmen an der Obersalzbergstraße. Grund: Vollsperrung der einzigen Straße während der Hauptsaison.

Die Bedenken im Vorfeld waren groß. Von „Existenzängsten“ ist die Rede, von „deutlichen Umsatzeinbußen“ der Gaststätten am Obersalzberg. Grund dafür: sich über Jahre hinziehende Baumaßnahmen auf der Obersalzbergstraße. Im letzten Jahr begonnen, sollen sich diese auch heuer fortsetzen, geplant war von Mitte Juni bis Ende August, Vollsperrung der Obersalzbergstraße inklusive – mitten während der Hochsaison. „Wenn da nichts gemacht wird, kann das für manchen weitreichende Konsequenzen mit sich bringen“, sagt Hans Ebner von der Gaststätte Graflhöhe („Windbeutelbaron“), der Sprecher der vier Gaststätten vom Obersalzberg, die sich zusammengeschlossen haben, um zu kämpfen. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“

„Wir sind der Meinung, dass diese Baumaßnahme nicht gerade in der Hochsaison durchgeführt werden muss“, sagt Ebner, der dafür plädiert, einen anderen Termin zu finden, einen außerhalb des Zeitraumes, in dem man am Obersalzberg das Hauptgeschäft des Jahres macht. Bereits im vergangenen Jahr hatten die notwendigen Maßnahmen, die an der Obersalzbergstraße durchgeführt werden müssen, für Einbußen gesorgt. „Unsere Zahlen beweisen die negativen Auswirkungen der Baumaßnahme“, sagt Ebner, der die Notwendigkeit der Bauarbeiten an der Straße erkennt. Auch sein Mitstreiter, Andreas Maltan vom Alpengasthof Hochlenzer, weiß um die Erfordernis der Sanierungsarbeiten Bescheid: „Dass hier etwas geschehen muss, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber warum mitten in der Hochsaison“, so seine Frage in Richtung der Verantwortlichen. Diese findet man in Traunstein. Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein, Bereich Straßenbau, Gebietszuständiger, ist einer von ihnen. Ein ruhiger Vertreter, der die gesamte Maßnahme bestens zu überblicken weiß. Für ihn ist die Sache klar, der Termin steht, 60 Arbeitstage benötige man für den zweiten Bauabschnitt am Obersalzberg, zehn Wochen, je sechs Arbeitstage. „Man kann nicht früher anfangen als im Juni“, sagt Bambach. Nicht absehbar sei gewesen, dass die Witterung in diesem Jahr einen eventuell früheren Beginn erlaubt hätte. Auch im kommenden Jahr werde wieder gebaut, dann könne man unter Umständen früher im Jahr anfangen, noch vor der Hauptsaison. 70 Arbeitstage lang sei die Straße auf den Obersalzberg dann gesperrt. Den Gaststätten am Berg wäre mit einer Vorverlegung vielleicht geholfen. „Ein Problem aber waren die Schulen am Obersalzberg“, so Bambach. Für jene wäre es am einfachsten, wenn die Bauabschnitte in die Sommerferien fielen, sagt der Gebietszuständige vom Staatlichen Bauamt Traunstein.

„15 Kilometer Umweg muss man fahren, wenn die Straße gesperrt ist, um zu uns zu kommen“, sagt Hans Ebner von der Graflhöhe. „Wer will das schon fahren?“, fragt er ungläubig. Es müsse doch möglich sein, wenigstens für die Schüler einen Alternativfahrplan aufzulegen. Ein paar Minuten jeden Tag früher losfahren, dann ginge das schon. Nicht so einfach sei das alles, entgegnet Bambach, der auch die Kosten am Obersalzberg bestens kennt: 1,2 Millionen Euro, 400000 Euro allein in diesem Jahr. Barbara Tallian vom Gasthaus Sonneck kann damit nur wenig anfangen, sie sieht ihre Existenz in Gefahr, „unsere Stammgäste fahren nicht solche Umwege, um zu uns zu kommen“, sagt sie. Auch sie versteht nicht, warum eine derartige Maßnahme mitten in die Hauptsaison fallen muss. Andreas Maltan vom Gasthaus Hochlenzer sagt, dass ein Bauen ab März durchaus möglich sei. „Wir sind uns ja alle einig, dass die Straße instand gesetzt werden muss“, sagt er. „Aber nicht zu diesem Preis.“ Der Preis werde auf dem Rücken der Gaststättenbetriebe ausgetragen. „Meinen die Verantwortlichen wirklich, dass zu uns jemand zum Essen extra hochfährt? Das kann man bei dem Umweg vergessen.“ Sehr langsam seien die Fortschritte im vergangenen Jahr vonstattengegangen, „natürlich hat es dann hinten hinaus länger gedauert als geplant“, sagt Maltan. Diese Sorge hat er auch beim zweiten Bauabschnitt, der Mitte Juni nun starten soll. Maltan selbst habe zehn Angestellte, die er, sofern nichts geschehe, kaum den Sommer über halten könne. „Die Schule lebt nicht vom Tourismus, wir schon“.

Kein Verständnis zeigt er dafür, nicht zu den Vorgesprächen eingeladen gewesen zu sein. Das Staatliche Bauamt Traunstein bestätigt dies auf Nachfrage: Es sei klar gewesen, welche Argumente die Gaststättenbetriebe anbringen würden, „der Kreis wäre dann zu groß gewesen“, sagt Vitus Danzl, Bereich Straßenbau, der zwischenzeitlich von den Sorgen der Betriebe Wind bekommen hat. „Wir werden als Tageslichtbaustelle arbeiten.“ Bedeutet: Von in der Früh bis zum Abend, solange, bis das Tageslicht abnimmt. Auch Danzl sagt, dass eine Verschiebung der Baumaßnahmen kaum möglich gewesen wäre. Zum einen wegen der Witterung, zum anderen wegen des Busunternehmens RVO, das die Schüler in die Schulen auf den Obersalzberg befördert. „Der Busfahrplan hätte rapide geändert werden müssen“, sagt Danzl, der, angesprochen auf die Dauer der Baumaßnahme, einlenkt: Mitte Juni wolle man beginnen, „Ziel ist es, im Juli fertig zu werden.“ Aber sein Kollege Bambach hatte doch noch von zehn Wochen gesprochen? „Nein, Ziel ist es, alles im Juli abzuschließen, sechs Wochen maximal.“ Die Gaststättenbesitzer hatten sich zwischenzeitlich an Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp gewandt, diesen mit der Sache vertraut gemacht. Die Angelegenheit drang schließlich bis zu Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer durch, der sich einschaltete. Vor wenigen Tagen dann ein Gespräch zwischen Bürgermeister und den Verantwortlichen des Staatlichen Bauamts Traunstein. Man ist überein gekommen, der Termin steht. Aus zehn Wochen wurden vier Wochen. Von 15. Juni bis 15. Juli. Was nicht alles möglich ist…

kp

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