Eine bargeldlose Odyssee nach Sotschi...

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Josef Fendt (rechts) bei seiner Reise in der Olympiastadt.

Berchtesgaden/Sotschi - Der Präsident des Rennrodelverbands Josef Fendt wollte eigentlich nur schnell zu einer Tagung in die Olympiastadt Sotschi. Es wurde aber eine Odyssee:

Eine „reine Odyssee“ in die Olympiastadt Sotschi erlebte der Berchtesgadener Josef Fendt, Präsident des Internationalen Rennrodelverbands (FIL). „Ich dachte immer, als Vielreisender habe ich schon so ziemlich alles erlebt, aber es gibt immer noch eine Steigerung“, stellte Fendt nach seiner Rückkehr im Gespräch fest. Das sogenannte „i-Tüpfelchen“ sollte die Begegnung mit einem Russen sein, der ganz selbstlos den sprichwörtlich letzten Rubel gab – um FIL-Präsidenten Fendt das Ziel seiner Reise zu ermöglichen. Denn dieser hatte auf Bargeld verzichtet. Doch von Anfang an…

Josef Fendt war unterwegs in Russland. Als Oberleiter einer Delegation, um Homologisierungsgespräche an der Olympiabahn in Sotschi abzuhalten – um also zu analysieren, ob die dortige Kunsteisbahn bereits olympiatauglich ist. Wichtige Termine, wichtige Menschen, etwa Präsident Putin, standen auf dem Programm. Doch bis dahin sollte es ein langer Weg werden für Josef Fendt, den FIL-Präsidenten, und damit höchsten Mann im Rodelsport. Wegen Witterungsbedingungen konnte Fendts Flug nach Sotschi nicht landen, so die offizielle Durchsage des Kapitäns. „Wir wurden nach Krasnodar umgeleitet“. Wo das genau war, wusste Fendt nicht. Dort sollten die Passagiere betreut werden, es sollte ihnen gesagt werden, wie es weitergeht.

Wie üblich, sind derartige Funktionärstreffen bis ins letzte Detail durchgeplant. Flug, Unterkunft, Verpflegung – der FIL-Präsident muss sich um kaum etwas kümmern - eigentlich. Er stand aber nun vor der Herausforderung seines Lebens: „Ich war schon ganz schön in Panik“, erzählt er. Denn zunächst war eine zehnstündige Busfahrt nach Sotschi angesagt, dann hieß es wieder, es ginge mit dem Taxi in die Olympiastadt. Wegen angeblicher Straßensperren wurde diese Idee aber wieder verworfen. Ein russischer Betreuer von Austrian Airlines, jener Fluglinie mit der Josef Fendt unterwegs war, informierte am Flughafen Krasnodar schließlich darüber, wie es weitergehen würde: „Wir sollten also mit dem Taxi zum Bahnhof in Krasnodar und dann weiter mit dem Zug nach Sotschi.“ So weit, so gut. „Der Betreuer gab mir einen Zettel mit dem Hinweis auf die Abfahrtszeit und setzte mich allein in ein Taxi in Richtung Bahnhof“. Die Zeit war knapp, Fendt ist der russischen Sprache nicht mächtig. Zudem hatte der FIL-Präsident kein Bargeld dabei, keine Rubel – er war sozusagen mittellos. „Ich kann nur raten, Bargeld mitzunehmen, damit keiner durchmachen muss, was ich bei meiner Anreise mitgemacht habe“, so der Welt-Präsident. Fendt also alleine im Taxi in Richtung Bahnhof.

„Ich wusste nicht, dass ich mich dort selbst um den Kauf einer Zugfahrkarte kümmern musste“. So ging das Chaos am Ticketschalter des Bahnhofs dann erst richtig los. Eine Betreuung von Austrian Airlines? Fehlanzeige. Dann noch das Problem, nicht der Landessprache mächtig zu sein. Am Ticketschalter standen viele Leute an, die Zeit war knapp, der Zug in Richtung Sotschi stand bereit. Nur Fendt – der war ahnungslos, wie es jetzt weitergehen sollte, so ganz allein, ohne Bargeld. „Nachdem ich mich vorgedrängt hatte, musste ich am Schalter erfahren, dass der Ticketkauf mit der Kreditkarte nicht möglich war, da diese nicht akzeptiert wurde.“ Fünf Minuten blieben ihm, bis der Zug abfuhr. Die Zeit drängte also. „Ich sah keine Chance mehr, den Zug noch rechtzeitig zu erreichen“, erinnert sich Fendt an das pannenreiche Unterfangen zurück. Die Lösung des Problems? Noch nicht in Sicht. Und der nächste Zug? „Der wäre nach meinen Recherchen erst in 14 Stunden gegangen“. Zu spät, um die wichtigen Termine wahrzunehmen, die wichtigen Personen zu treffen.

Denn wie gesagt: Funktionärstreffen sind für gewöhnlich bestens durchgeplant. „Ich dachte also, ich käme hier nie wieder weg.“ Falsch gedacht. Denn die ungünstige Situation, in der sich der Präsident des Internationalen Rennrodelverbands befand, hatte ein zuvorkommender Russe mitbekommen. „Er muss mich beobachtet haben“, sagt Fendt im Nachhinein. Plötzlich griff der Russe in seine Tasche und gab mir Geld – für das Ticket. „Russian Present“, sagte er. Ein russisches Geschenk an einen, der sich in misslicher Lage befindet. „Das war sensationell“, freut sich Fendt, der ob des ganzen Durcheinanders ziemlich geschafft war, „ich hatte richtig geschwitzt“. „In buchstäblich letzter Minute erreichte ich den schon beinahe anfahrenden Zug“, berichtet dieser, dem nun noch eine siebenstündige Fahrt nach Sotschi bevorstand. Dem Russen war Fendt dankbar. Leider hatte er ihn schnell wieder aus den Augen verloren. „Eigentlich wollte ich mich bei ihm erkenntlich zeigen“. Die Odyssee nach Sotschi nahm dann doch noch ein gutes Ende. „Nicht auszudenken, wenn ich nicht von dem hilfsbereiten Russen die Bargeldleihe bekommen hätte“. Eine Sache beruhigte Fendt aber: In Sotschi angekommen, klappte alles wieder wie am Schnürchen. So wie es sein soll.

kp

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