Im Wahlfangschiff auf Zick-Zack-Kurs

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Gespaltene Persönlichkeit: Wolfgang Krebs in den Rollen als Horst Seehofer, Günther Beckstein und Edmund Stoiber.

Berchtesgaden - Keine Frage, Kabarettist Wolfgang Krebs fühlt sich wohl bei den „Bergsteigern und Billig-Tankern“ im Stoiber-verhaspelten „Berchtesgadingen“.

Und er hat jede Menge Persönlichkeiten an Bord seines „Wahlfangschiffs“: Kapitän Horst Seehofer, Schiffsheizer Günther Beckstein, den blinden Passagier Christian Ude und auch Lebensberaterin Waldemarie Wammerl. Zwei Stunden lang bringt er sein kurzweiliges und Zwerchfell-erschütterndes Programm „Drei Mann in einem Dings“ auf die Bühne des Berchtesgadener Kur- und Kongresshauses und erntet begeisterten Applaus.

Wolfgang Krebs gehört mittlerweile zu den gefragtesten Kabarettisten in Bayern. Seine Parodien des Ministerpräsidenten-Dreigestirns Stoiber, Beckstein und Seehofer sind schon fast legendär und füllten ganze Bierzelte. Aber auch die Auftritte im Rundfunk, der Gastpart im BR-Magazin „quer“ oder jüngst seine Rolle am Nockherberg begeistern ein Millionenpublikum. Das aktuelle Programm „Drei Mann in einem Dings“ zielt hoch aktuell auf die anstehenden Urnengänge im September, wenn die Bürger über Bundestag und Landtag bestimmen werden.

"Nautisch-politische Kaffeefahrt"

Also sticht die CSU mit ihrem Wahlfangschiff, der M.S. Wolfratshausen in See, zu einer Art nautisch-politischer Kaffeefahrt. Chef an Bord ist natürlich der glucksende Ingolstädter, Ministerpräsident Horst Seehofer, um ihn herum nach eigenem Bekunden nur Leichtmatrosen und Süßwasserkapitän Stoiber. Unheilvoll kündigt der Landesvater an: „Sie erfahren heute mehr über die CSU als Ihnen lieb ist.“ Und verspricht seinen wahlberechtigten Bayern gleich drauf: „Unser Schiff hält kompromisslosen Zick-Zack-Kurs; alles ist möglich, oder auch nicht.“ Abgelöst wird er von Schiffsheizer Günther Beckstein, dem kleinen Franken mit der kurzen Karriere. Der lamentiert, dass ihm sein Piratenkostüm verboten wurde: „Früher lagen die Piraten vor Madagaskar, heute vor der FDP.“ Ein echtes Highlight ist der Auftritt von Schlagersänger Meggy Montana, aus Nesselwang. Der wirbt für seine neue CD „1000 Takte Tinitus“ und schmettert gleich drauf seinen Hit „Wenn die Bouzouki weint in Montepulcano“ ins Volk, heftig beklatscht von den ausgelassenen Berchtesgadenern.

Nicht minder begeisternd ist die Figur der CSU-Frauenbeaufragten Waldemarie Wammerl, die ihre Erfahrungen mit dem Älterwerden loswerden muss: „Das Alter merkt man am meisten beim Arztbesuch. Mit 18 musste ich mich ausziehen, mit 40 oben rum freimachen und heute muss ich froh sein, wenn ich die Zunge rausstrecken darf.“ Außerdem lässt das Gehör nach, was sich gerade beim Ausparken öfter als hinderlich erweist. Nachzulesen in ihrem Bestseller „Wenn der Schuh drückt, dann geh’ barfuß“.

Nun darf Krebs’ Paradefigur, Edmund Stoiber, den Bergsteigern und Billigtankern von Berchtesgadingen noch Erlebnisse einer USA-Reise berichten, samt Verlaufen in den Straßen Washingtons („Ich stehe hier an der Kreuzung Walk/Don’t walk“). In einem „Seminarteil“ beantwortet Waldemarie Wammerl Publikumsfragen und geizt dabei nicht mit Lebens-Weisheiten: „Es gibt Frauen, die können anziehen was sie wollen, denen steht nix. Und es gibt Männer, die können ausziehen was sie wollen, da ist es genauso.“ Horst Seehofer nimmt sich den Lebensmittelskandal vor und wirft die Frage auf: „Wieviel PS darf eine Fertiglasagne haben, damit sie noch als Fastfood gilt?“

Der blinde Passagier Christian Ude

Dann schlägt noch die Stunde des blinden Passagiers Christian Ude. Die Handpuppe beschwert sich aus einem Bullauge, das ja niemand in Bayern SPDler kennt, außer den Münchner OB natürlich, der dieses Amt „seit Aushärten der Erdkruste“ ausfüllt. Folgerichtig gibt er den Spitzenkandidaten bei der nächsten Wahl und macht sich schon mal stark für ein bayernweites Netz von S-Bahntunneln, um auf möglichst vielen Volksfesten „ozapfn“ zu können. Der letzte Auftritt des Programms gebührt freilich dem Landesvater der Herzen, der seinen Vorredner problemlos übertrifft. Denn angesichts des Berliner Flughafen-Debakels hilft ausschließlich eine landgestützte Lösung: also ein Transrapid vom Erdinger Moos – der wahren Luft-Drehscheibe Deutschlands – bis zum Prenzlauer Berg; oder noch besser gleich in Berchtesgaden startend. Ein Blick auf die „Hypo Alptraum Aderlass“ darf nicht fehlen und Bayern braucht eigentlich auch einen Präsidenten: angesiedelt „über dem Horst, aber unter Uli Hoeneß“.

Der Edmund fühlt sich nämlich stark genug, um Bayern „noch einmal zum Leuchten zu bringen“ – und auch seine Mitarbeiter im Brüsseler Entbürokratisierungsbüro haben ihm schon versichert, „jederzeit auf mich verzichten zu können“. Angesichts der Berchtesgadener Beifalls-Stürme darf sich Stoiber als „Bayern-Präsident“ per Akklamation gewählt fühlen, ein großartiges Programm findet einen großartigen Abschluss.

tj

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