Was passiert, wenn das Wasser wieder steigt

Besteht wieder Hochwassergefahr in Berchtesgaden?

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Berchtesgadener Ache

Berchtesgaden - Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass die Berchtesgadener Ache über ihre Ufer trat. Fast auf den Tag genau schickt Petrus erneut jede Menge Regenwolken. Besteht Hochwassergefahr?

Die aktuellen Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen und natürlich die Bilder aus Niederbayern rufen derzeit bei vielen Berchtesgadenern böse Erinnerungen hervor. Vor fast genau drei Jahren wurde im Landkreis Berchtesgaden Katastrophenalarm ausgerufen, weil die Ache über die Ufer trat. Das Klärwerk zwischen Berchtesgaden und der Unterau wurde überflutet, (Öltank-)Keller liefen voll Wasser, eine Umweltkatstrophe drohte. Muren blockierten zahlreiche Straßen und überfluteten sogar die B305 Richtung Marktschellenberg entlang der Königsseer Ache.

Benachbarte Feuerwehrkollegen kamen nach Berchtesgaden, um den Kollegen und Menschen dort zu helfen. Trotzdem: Der Schaden ging in die Millionenhöhe.

Mit jeder Unwetterwarnung, die seitens der Wetter- und Nachrichtendienste herausgegeben wird, steigt das Unbehagen besorgter Bürger, die Bedenken vor einem neuen Hochwasserausbruch haben. 

Besorgte Bürger in Berchtesgaden

"Ich habe wirklich Angst, dass die Ache wieder über die Ufer tritt und wir eine neue Katastrophe haben. Ich habe so viele persönliche Andenken verloren, die vor drei Jahren im Kellergeschoss durch das Wasser vernichtet wurden, die bringt mir niemand mehr zurück", so ein besorgter Anwohner. 

Aber auch viel Kritik ist herauszuhören. So seien "noch immer keine Maßnahmen getroffen worden, um solche Katastrophen zukünftig zu verhindern", so ein Berchtesgadener und weiter: "Das Wasser kann irgendwann nicht mehr gescheit abfließen, weil sich alles was mitschwimmt, in den dichten Uferbewachsungen verfängt. Und wenn sich das Wasser einen anderen Weg suchen muss, dann in der Regel durch unsere Keller."

Das antwortet Bürgermeister Rasp

Franz Rasp, Berchtesgadens 1. Bürgermeister, reagierte sofort auf unser Nachfragen, wie es denn mit dem Hochwasserschutz rund um die Ache aussieht: "Wir haben bei der Feuerwehr massiv investiert!"

"Zum Beispiel in einen mobilen Hochwasserschutz aus Schlauchsystemen, die innerhalb kürzester Zeit aufgebaut werden können. Dieser mobile Hochwasserschutz wird genauso bei der Feuerwehr gelagert, wie eine Vielzahl an Sandsäcken, die im Bedarfsfall ausgegeben und ausgelegt werden können. Außerdem habe man das Nadelöhr Breitwiesenbrücke entfernt und diese sehr hoch gebaut.. 

Alle weiteren Maßnahmen müsse das Wasserwirtschaftsamt Traunstein und damit der Freistaat Bayern treffen, die für diverse Gewässer, wie zum Beispiel die Berchtesgadener, die Königsseer und die Ramsauer Ache zuständig sind, so Rasp weiter.

Der zuständige Amtsleiter Walter Raith hat uns dazu eine zeitnahe Stellungnahme versprochen, wie der aktuellen Stand bei den versprochenen Maßnahmen ist.

Feuerwehr in Berchtesgaden: Hochwasserschutz für daheim

Auch Christian Buchwinkler, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Berchtesgaden stellte sich sofort unseren Fragen. Wir wollten von ihm wissen, welche Gefahr stellt die Ache dar? Wie kann man sich schützen, wenn das Wasser anzusteigen droht?

"Prinzipiell steht natürlich fast jedes Gewässer eine gewisse Gefahr da, aber jeder einzelne kann sehr viel tun, um sich vor oder auch bei einem eventuellen Hochwasser zu schützen", so Buchwinkler. Insbesondere wenn man in der Nähe eines Baches wohnt, mache es Sinn, sich selber mit einen kleinen Hochwasserschutz vorzubereiten

"Zunächst einmal ist es wichtig, dass man die Gullis sauber hält, damit das Wasser gleich abrinnen kann. Dann kann man sich auch mit eigenen Sandsäcken eindecken und diese daheim lagern. Die gibt es ungefüllt einfach über das Internet zu bestellen", erklärt Buchwinkler. "Steigt das Wasser oder ist bereits Hochwasser ausgerufen, dann bitte keinesfalls Gullis öffnen, weil man im Glauben ist, dass dann das Wasser schneller abrinnt. Erstens können dann Dinge hineingeschwemmt werden, die den Gulli und den kompletten Ablauf verstopfen können und zweitens besteht dann die Gefahr, dass Personen, Tiere oder andere Dinge in den Gulli hineingesogen werden können."

Wichtige Informationen abrufen

Zur persönlichen Information ist die Internetseite www.hochwasserzentralen.de ein sinnvolles Medium. 

Hier werden zum Beispiel die Pegelstände der Berchtesgadener und Königsseer Ache angegeben. Außerdem gibt es eine Umweltinfo-App zum Downloaden. Das ist eine Wetter-App, die das bayerische Wetter sehr genau vorhersagt. 

Auch viele Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Thema Hochwasserschutz beschäftigt. Weitere umfassende Informationen über "Effektive Maßnahmen zum Hochwasserschutz" hat die Universität Siegen in einem Buch zusammengestellt. Hier daraus eine kurze Zusammenfassung.

Geht im Falle eines Falles etwas schief, dann hagelt es Kritik. Unser nächster Artikel zu diesem Thema beschäftigt sich mitFeedback aus der Bevölkerung und der Hotellerie, die beim Hochwasser 2013 betroffen waren.

Möchten Sie auch Ihre Kritik am Krisenmanagement loswerden? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an petra.sobinger@ovb24.de

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