Zurück zu den Wurzeln - Polizeichef Wilhelm Handke

"Der Kreis schließt sich" - Der neue Polizeichef in Berchtesgaden

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Berchtesgaden - Die Marktgemeinde Berchtesgaden hat einen neuen Polizeichef. BGland24.de hat Wilhelm Handke zu einem Interview getroffen:

Seit einigen Tagen hat Berchtesgaden einen neuen Polizeichef. Polizeihauptkommissar Wilhelm Handke, kürzlich noch stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Reichenhall, tritt damit die offizielle Nachfolge von Günther Adolph an. 

BGLand24.de hat ihn zum Interview getroffen:

Herr Handke, Sie sind der neue Polizeichef der Polizeidienststelle Berchtesgaden. Zuvor waren Sie in Bad Reichenhall als stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Reichenhall tätig. Was verbindet Sie mit Berchtesgaden?

Für mich ist diese Position schon etwas Besonderes. Ich bin gebürtiger Berchtesgadener, bin hier geboren und aufgewachsen und habe meine Familie hier. Ich wohne im Dienstbereich und war zuvor 12,5 Jahre in Bad Reichenhall tätig. Man könnte sagen der Kreis schließt sich, denn ich war vor meiner Zeit in Bad Reichenhall 22 Jahre in Berchtesgaden im Einsatz. Am 2. Oktober 1978, also vor 38 Jahren, habe ich als 16-jähriger Praktikant hier in dieser Dienststelle begonnen. Das macht die Rückkehr natürlich schon ganz besonders. Ich bin also kein Neuer, ich kenne die Kollegen und ich denke man kann sagen, ich kehre zurück zu den Wurzeln.

Wie hat sich die Arbeit in der Zeit geändert? 

Vieles, das Wichtigste sind sicherlich die Veränderungen die durch das Computerzeitalter entstanden sind. Ich kenne noch die Zeiten davor mit dem guten alten Fernschreiber und den Lochstreifen. Ich habe meine Anzeigen noch mit der Schreibmaschine geschrieben. Wir hatten noch kein Fahndungssystem um Personen oder Infos abzufragen. Und wir hatten übrigens noch ein Buch, dass alle paar Monate neu herausgekommen ist und in dem wir nach gesuchten Personen schauen mussten.

Inwieweit haben sich die Kriminellen in der Zeit geändert? 

Die Kriminellen gab es früher auch, genau wie Diebstähle, Körperverletzungen, etc., aber es sind neue Gefahren dazu gekommen. Zum Beispiel Computerkriminalität oder Terrorismus. Klar gab es damals auch den RAF Terrorismus, aber deren Taten richteten sich gegen Politiker. Heutzutage kann es im Prinzip jeden treffen. Die Herausforderungen sind größer geworden. Wir brauchen mehr Spezialisten, alleine im Bereich Cyberkriminalität. Wir erleben es fast jeden Tag, dass irgendwo irgendwelche Gelder abgebucht werden, weil jemand Kreditkartendaten abgefischt hat. Die Palette ist einfach größer geworden. Es gibt keine Grenzen mehr.

Wie hat sich die Dienststelle verändert?

Unsere Dienststelle an sich ist über die Jahre eigentlich gleich geblieben. Vielleicht eher ein wenig verringert, aufgrund von Pensionierungen, da nicht jeder Abgang ersetzt werden konnte.

Gibt es Probleme mit dem Nachwuchs? 

Grundsätzlich gibt es mit dem Nachwuchs zunächst einmal kein Problem, aber die jungen Kollegen gehen natürlich erstmal in die großen Ballungszentren, weil da einfach mehr los. Viele kommen irgendwann dann zurück, aber wir sind hier natürlich eine Art Endstation. Unser Problem ist eher der hohe Altersdurchschnitt vor allem im Schichtdienst. Das hat zwar den Vorteil eines großen Erfahrungsschatzes, aber wir würden uns eine ausgewogenere Mischung wünschen.

Wie leicht oder schwierig ist es, in seiner Heimat Strafzettel zu verteilen?

Die Kollegen wohnen hier, die meisten sind Einheimische. Wir sind Einheimische, die manchmal in Uniform stecken. Das ist manchmal ein ganz schöner Spagat, aber ich glaube das bekommen wir ganz gut. Zur Not macht das ein Kollege, der denjenigen nicht kennt, aber wir machen ja viel mehr als Strafzettel verteilen. Oft fahren die Kollegen von einem Diebstahl oder Unfall zum anderen. 

Der Polizeivizepräsident hat in Ihrer Amtseinführung die besondere Bedeutung der Polizeiinspektion Berchtesgaden betont, wie ist Ihre Einstellung dazu? 

Berchtesgaden ist eine Landpolizeistelle, die für alles zuständig ist. Da wird nach Auskunft zu gewissen Themen ersucht, da werden Straftaten angegeben und vieles mehr. Wir müssen uns einfach um alles kümmern. Das ist schon etwas Besonderes. Genau wie das Gebäude und die Lage in die wir eingebettet sind. Wir sind jetzt seit fast 30 Jahren in dieser herrschaftlichen Villa und es heißt immer wir sind die schönste Polizeidienststelle Bayerns, wenn nicht sogar Deutschlands. Wir bekommen ja auch oft Besuch, weil sich jemand unser Gebäude anschauen möchte, aber das wissen wir auch sehr wohl zu schätzen.

Gibt es grundlegende Dinge, die Sie als neuer Leiter der Polizeidienststelle ändern werden? 

Eigentlich nicht, ich möchte die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen wie zum Beispiel Feuerwehr, Bergwacht etc. fortsetzen. Wir sind oft genug auf die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr angewiesen bei Unfällen, die Bergwacht bei Bergunfällen oder der Wasserwacht am Königssee. Und natürlich sollen sich auch die eigenen Kollegen in der Dienststelle wohl fühlen. Wir haben natürlich auch unsere Jahresziele, aber ich kann das Rad nicht neu erfinden. Aber das Tagesgeschäft gibt uns meist die Schwerpunkte vor.

Auf was legen Sie Ihren Schwerpunkt? 

Das Verhältnis zur Bevölkerung ist uns wichtig. Wir sind natürlich auch auf die Mithilfe der Bevölkerung hingewiesen. Alleine schaffen wir das ja eh nicht. Sicherheit ist ein Thema, dass für jeden wichtig ist und bei dem sich jeder beteiligen kann. Zum Beispiel bei unserer Notrufoffensive 110, die lautet: 'Helfen Sie uns, damit wir Ihnen helfen können'. Wir wollen, dass die Leute uns anrufen, damit wir denen helfen können. Denn sonst können wir nicht tätig werden.

Was Wilhelm Handke den Bürgern rät, wie sie sich am Besten gegen Kriminalität schützen können und wie er über die Sicherheit auf dem  diesjährigen Weihnachtsmarkt denkt, lesen Sie in den nächsten Tagen auf BGLand24.de.

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