Bienenexperten und Wespenberater klären auf 

Stichhaltige Argumente für den Schutz von Wespen und Bienen

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Im Rahmen der letzten Winter-Vortragsreihe des Nationalparks Berchtesgaden informierten Bienenexperte Dr. Bernhard Zimmer (2.v.l.) sowie die Wespenberater Jan-Erik Ahlborn und Bettina Thauer (v.r.) über Lebensweisen, Bedeutung und Schutz der heimischen Insektenarten. Haus der Berge-Leiter Ulrich Brendel (l.) freute sich über 75 interessierte Zuhörer im Berchtesgadener Nationalparkzentrum.

Nationalpark Berchtesgaden - 75 Besucher informieren sich über heimische Insektenarten. Mit viel Humor und Leidenschaft warb Wespenberater Jan-Erik Ahlborn für mehr Toleranz und Verständnis für die weit weniger geschätzten Verwandten der Bienen: Wespen und Hornissen. 

„Die Honigbiene ist das kleinste Nutztier des Menschen und leistet über ihre Blütenbestäubung einen milliardenschweren wirtschaftlichen Beitrag!“ Dr. Bernhard Zimmer, Bienenexperte und Gründer des Bayerischen Instituts für nachhaltige Entwicklung in Piding, informierte 75 Besucher des letzten Vortrags der Winter- Vortragsreihe des Nationalparks über Lebensweisen und Schutz der heimischen Bienen. Mit viel Humor und Leidenschaft warb anschließend Wespenberater Jan-Erik Ahlborn für mehr Toleranz und Verständnis für die weit weniger geschätzten Verwandten der Bienen: Wespen und Hornissen.

Im Rahmen der letzten Winter-Vortragsreihe des Nationalparks Berchtesgaden informierten Bienenexperte Dr. Bernhard Zimmer (2.v.l.) sowie die Wespenberater Jan-Erik Ahlborn und Bettina Thauer (v.r.) über Lebensweisen, Bedeutung und Schutz der heimischen Insektenarten. Haus der Berge-Leiter Ulrich Brendel (l.) freute sich über 75 interessierte Zuhörer im Berchtesgadener Nationalparkzentrum.

110.000 Imker kümmern sich derzeit deutschlandweit um rund 750.000 Bienenvölker, Tendenz steigend . Ein Trend, der Dr. Zimmer grundsätzlich erfreut. Doch der Gründervater des Pidinger Bienenweges weiß auch zu berichten, dass sich das Berufsbild des Imkers in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt hat. „In Deutschland gibt es heute nur noch zwei Prozent Berufsimker, alle anderen betreiben die Imkerei als Hobby und betreuen weniger als 50 Bienenvölker“. 

Ein Bienenvolk erwirtschaftet pro Jahr durchschnittlich 20 bis 30 Kilogramm Honig, „doch nur 20 Prozent des Verbrauchs in Deutschland werden auch hier produziert, der Rest sind Importe“, bedauert Zimmer. „Es würde mich, meine Imkerkollegen und sicher auch die Bienen freuen, wenn sich noch mehr Naturfreunde für die Imkerei begeistern“. Dabei müssen Hobby-Bienenfreunde nicht zwingend auf dem Land wohnen, ganz im Gegenteil: „Stadtbienen aus München oder Berlin schaffen an manchen Standorten sogar 40 bis 60 Kilogramm Honig. Aus London ist ein Bienenvolk bekannt, das angeblich in nur einem Jahr 200 Kilogramm Honig gesammelt hat“, erläutert der Experte. 

Die Vielfalt der Honigbienenarten ist übersichtlich, nur neun Arten werden weltweit unterschieden. Im Gegensatz dazu sind bei Wildbienen rund 560 verschiedene Arten bekannt. Der Referent warnt: „Wir haben die Honigbienen durch die Zucht von uns Menschen abhängig gemacht. Und wir begreifen erst jetzt, wir abhängig wir von den Honigbienen sind“. Für 30 Prozent der globalen Ernte an Nahrungsmitteln ist die Honigbiene verantwortlich, wobei die Bestäubungsleistung der Tiere laut Dr. Zimmer deutlich höher zu bewerten sei als der reine Honigertrag. „Wir bewegen uns hier im Bereich von einstelligen Milliardenbeträgen“, weiß der Experte zu berichten. 

Trotz ihres großen Wertes für die Volkswirtschaft ist die Biene in ihren Beständen bedroht. Der Einsatz von Pestiziden, Krankheitsbefall aber auch eine zu frühe und intensive Mahd der Wiesen und Ackerrandstreifen sowie arten- und blütenarme Privatgärten machen dem fleißigen Honigsammler zu schaffen. „Das menschliche Bedürfnis nach Sauberkeit und Ordnung in der Landschaft ist sehr zum Nachteil der Wild- und Honigbienen, wichtige Nahrungsquellen und Nistgelegenheiten werden vernichtet“, bedauert der engagierte Bienenschützer. Auf dem von ihm ins Leben gerufenen Pidinger Bienenweg können sich interessierte Bienenfreunde informieren, wie sie mit einfachen Maßnahmen auch im eigenen Garten einen Beitrag zum Fortbestand der Bienen leisten können.  Informationen gibt es unter www.pidinder-bienenweg.de

Im Unterschied zu den Bienen, die den Winter als Volk gemeinsam mit ihrer Königin im Bienenstock verbringen, ist der Lebenszyklus von Wespen und Hornissen deutlich kürzer: Die schwarzgelb gestreiften Konkurrenten am Kuchenbuffet leben meist nur einen Sommer lang und haben im Gegensatz zu ihren honigsammelnden Verwandten eine deutlich schlechtere Lobby. Dieses schlechte Image möchte ein engagierter Allgäuer mit viel Herz und Sachverstand aufpolieren. 

Schon bei den ersten Worten seines Vortrags zu Wespen und Hornissen wird klar: Dieser Mann lebt für das, was er tut. Jan-Erik Ahlborn ist Wespenberater aus Leidenschaft und setzt sich deutschlandweit mit viel Witz und Sachverstand für den Erhalt der schwarzgelben Insekten ein. „Wissen ist Macht und nimmt Vorurteilen die Kraft“, lautet das Motto des großen Mannes mit dem großen Humor und dem ebenso großen Wissen um die Verhaltensweisen der oft gefürchteten und stechenden „Plagegeister“. „Natürlich schmerzt ein Wespenstich“, gibt Ahlborn zu. Auch ihn hat es in der Vergangenheit schon „erwischt“. „Aber wir müssen immer bedenken: E ine Wespe sticht nicht aus Angriffslust oder Aggression sondern nur, wenn sie ihr Leben oder ihr Volk gegen Feinde verteidigen muss.“ Vor allem im Spätsommer und Herbst, wenn die Nektarquellen vieler Blüten schon versiegt sind, das Wespenvolk aber deutlich gewachsen ist und die Wespenköniginnen für die kommende Generation herangezogen werden, braucht das rund um die Uhr aktive Wespenvolk viel Energie. 

Da ist es für die mobilen Insekten nur selbstverständlich, in der Nähe des Menschen nach Nahrung zu suchen. Solch kritischen Situationen kann man nach Ansicht des Experten leicht aus dem Weg gehen: „Stellen sie zwei Wochen vor der geplanten Grillfeier im Garten in einiger Entfernung zu Tisch und Grill eine so genannte „Ablenkfütterung“ auf, also ein flaches Gefäß mit einer süßen Flüssigkeit. Dies wird von Wespen gerne angenommen“. Von Chemie und Wespennest-Attrappen zur Abwehr der Insekten hält der Experte nichts. „Auch anpusten sollte man die Tiere nicht, ebenso wenig mit der Hand nach ihnen schlagen.“ Als wirkungsvollste Tipps empfiehlt Ahlborn, im Sommer um Herbst bei Aktivitäten im Freien die Augen nach den Tieren offen zu halten und chemiefreie Duftstoffe zu verwenden, die Wespen meiden. Auch mit einem Mythos räumte Ahlborn auf: „Es ist ein Märchen, dass drei Hornissenstiche einen Menschen töten und sieben ein Pferd. Sogar eine kleine Hausmaus hat sechs Hornissenstiche überlebt, außerdem haben Bienen ein zehnmal stärkeres Gift als Hornissen“. Gefährdet seien lediglich Allergiker. Hier empfiehlt der Wespenberater besorgten Naturfreunden, sich beim Hausarzt auf mögliche Unverträglichkeiten untersuchen zu lassen. Informationen zum richtigen Umgang mit Wespen und Hornissen gibt es im Internet unter www.wespenberater.de.

Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

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