Chef der Kreisgruppe Berchtesgaden

Rufschädigung? Anzeige gegen Jägerchef Hans Niederberger

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Ainring/Landkreis - Die Gams kommt nicht zur Ruhe. Die Rede des 1. Vorsitzenden der Kreisgruppe Berchtesgaden bei der Hegeschau in Weng Anfang April beschäftigt nun den Staatsanwalt:

In der Regel sind Hegeschauen nicht besonders aufregend. Zumindest war das so in der Vergangenheit. Seit dem 9. April ist allerdings alles anders - und nichts mehr wie es einmal war. Schon im Vorfeld gab es einen heftigen Streit darüber, wie öffentlich eine eigentlich öffentliche Veranstaltung sein darf. 

Ein ganz normales Forschungsprojekt

Die Wildbiologin Dr. Christine Miller sammelt für ein Forschungsprojekt Daten über die in einem Jahr erlegten Gams. Eigentlich keine große Sache und für Dr. Miller ein ganz normales Forschungsprojekt. 

Auf den Hegeschauen, die im Auftrag der Landratsämter veranstaltet werden, hängen die erlegten Trophäen an Stellwänden. Anhänger informieren über den Besitzer der Trophäe, das Alter der Gams und wann sie wo erlegt wurde. Die Forscher schreiben die Informationen von den Anhängern ab und verarbeiten diese dann für ihre Studie. Eigentlich ganz einfach.

Warum diese Geheimniskrämerei?

Rund um die Hegeschau in Weng war und ist noch immer alles ganz anders. "Die Bayerischen Staatsforsten wollen diese Daten geheim halten und haben in diesem Jahr keinerlei Angaben mehr auf diesen Anhängern notiert.", so Dr. Christine Miller. 

Wie dann an die Daten herankommen? Wer sich mit Gamstrophäen auskennt der weiß, ähnlich wie bei Baumringen, kann man auch bei der Gamskrucke das Alter des Tieres abzählen. 

Die Hörner der Gams schieben sich jedes Jahr ein Stück aus dem Schädel hinaus. Diese einzelnen Stücke sind leicht erkennbar und man kann die Jahre abzählen. Bekommt man diese Daten also nicht vom Jagdverband geliefert, können die Forscher mit mehr Zeit- und Arbeitsaufwand diese Daten selber herausfinden. 

Einfach ginge das, wenn der Forscher die Krucke in die Hand nimmt, die Ringe zählt und die Trophäe wieder aufhängt. 

Verbietet man den Forschern die Trophäen abzuhängen und in die Hand zu nehmen, dann ist der Zeitaufwand größer, weil man an die Kruppen nah herangehen muss und an der Wand hängend die Ringe zählen. Bei 100en von Trophäen für eine einzige Person während einer zweistündigen Hegeschau ein Ding der Unmöglichkeit

Hilfe aus der Nachbarschaft

Um trotzdem alle ihre Daten aufzunehmen, holte Frau Dr. Miller sich Hilfe von Jägern aus anderen Gebieten und bestimmte mit den anderen Gamsexperten jede einzelne Trophäe. „Das braucht schon etwas Zeit, darum haben wir uns frühzeitig in Weng getroffen“, so Miller. „Etwa eine halbe Stunde vor dem offiziellen Termin, standen die Türen zum Saal auf und eine Reihe von Leute waren auch schon im Saal. Also gingen wir auch rein und haben unsere Sachen abgestellt.“ 

Hausfriedensbruch auf der Hegeschau?

Das war allerdings den Organisatoren der Trophäenschau, dem Vorstand des örtlichen Kreisjagdverbandes zu viel. Öffentlich bezichtigte der 1. Vorsitzende, Hans Niederberger aus Ainring, Miller und ihre Mitstreiter des Hausfriedensbruchs. In einer Rede vor dem versammelten Publikum, legte er noch nach und sprach gar von Einbruch. 

Nun setzt sich Miller zur Wehr. „So ein Kasperltheater hat die Gams nicht verdient!“, empört sie sich. „Warum haben die uns nicht einfach ruhig die Daten aufnehmen lassen – Das sind  Umweltinformationen, auf die jeder Bürger ein Recht hat und Hegeschauen werden genau zu diesem Zweck abgehalten!“

Keine Antwort vom Kreisgruppenvorsitzenden

„Als freiberufliche Sachverständige und Wissenschaftlerin lebe ich von meinem guten Namen. Wenn ich öffentlich bezichtigt werde, eine Straftat begangenen zu haben, muss ich etwas unternehmen. So ein Vorwurf kann ja meine ganze Existenz vernichten“, erklärt sie. 

Auf ein Angebot zur gütlichen Einigung hat Niederberger nicht reagiert, nun wurde Strafanzeige gestellt.

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