Vor Ort nachgefragt

Greenpeace-Studie - wie beunruhigt ist der Fachhandel?

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Dicke Luft im Outdoorladen?

Berchtesgaden: Greenpeace warnt seit Jahren vor gefährlichen Chemikalien in Outdoor-Kleidung. Kürzlich erschien eine Studie zum Thema Atemluft in Outdoorläden. Wir haben vor Ort nachgefragt:

Greenpeace und viele andere Organisationen sowie Fachleute rütteln regelmäßig die Verbraucher wach und warnen vor den Gesundheitsschäden in Outdoorbekleidung.

Vor einigen Wochen hat Gr eenpeace eine Studie zum Thema "Dicke Luft im Outdoorladen" veröffentlicht . Wir haben bei Bergsport Geistaller im  Markt Berchtesgaden nachgefragt, wie er als Leiter eines Outdoorfachgeschäftes dieses Thema sieht:

Interview mit Martin Schaumann (Bergsport Geistaller)

BGLand24.de: "Herr Schaumann, ist Ihnen diese Studie bekannt?"

Martin Schaumann:"Ja, die Studie wurde im Vorfeld der Outdoormesse auch in Fachmagazinen veröffentlicht.

BGLand24.de: "In Ihnen die Problematik um PFC in Outdoorprodukten generell bekannt? Wenn ja - suchen Sie konkret nach Alternativen?

Martin Schaumann: "Es geht bei dieser Problematik in erster Linie um die dauerhafte Imprägnierung der sogenannten „Außenhaut“ bei hochwertigen Regenjacken. Da sogar der Marktführer GoreTex auf Anhieb keine Alternativen bieten kann, ist es auch für uns schwierig, solche zu finden.

BGLand24.de: "Ist PFC im Verkaufsgespräch von Outdoorprodukten Thema? (Werden Sie seitens der Kunden darauf angesprochen und/oder weisen Sie Ihre Kunden darauf hin?)

Martin Schaumann: "Beim Kauf einer guten Regenbekleidung steht die Wasserdichtigkeit und Atmungsfähigkeit im Vordergrund. Letztere funktioniert aber nur, wenn sich der Oberstoff nicht mit Nässe voll saugt. Da sich das PFC in den Fasern des Trägerstoffes (außen) befindet, sehen hier die wenigsten Kunden eine Gefahr für ihre Gesundheit, da ihre Haut nicht direkt damit Kontakt hat.

BGLand24.de: "Es gibt mittlerweile einige Hersteller, die auf PFC bei der Produktion verzichten. Haben Sie deren Produkte im Portfolio?

Martin Schaumann: "Bisher scheiterte der Verkauf von hochwertigen NoName-Oberstoffen daran, dass keiner Experimente mit unbekannten Marken für den gleichen Preis vom Gore Label machen will."

BGLand24.de: "Welche Vor- oder Nachteile sehen Sie bei PFC-freien Produkten?" 

Martin Schaumann: "Der Begriff DWR (Durabel Water Repellend), der bei PFC-Einsatz verwendet wird, sagt eigentlich alles. Die DWR-Veredelung wird ja seit geraumer Zeit mit einer deutlich weniger schädlichen 6-kettigen PFC-Verbindung durch geführt . Solange hier kein Ersatz gefunden wird, gibt es keine dauerhafte Atmungsfähigkeit. Hier sind PFC-freie Produkte eindeutig im Nachteil.

BGLand24.de: "Greenpeace hat einige Hersteller genannt, deren Produkte am Stärksten belastet sind und somit auch für die stärkste Ausdünstung in der Raumluft verantwortlich sind. Haben Sie Produkte von TNF und Mammut im Angebot und würden Sie diese aufgrund der Greenpeace Studie nun aus dem Programm nehmen?

Martin Schaumann: "Die einzige Firma aus der Greenpeace Studie, die wir im Sortiment führen ist Mammut. Es handelt sich um geringe Stückzahlen. Dieser Hersteller hat auf 6-Kettige Verbindungen umgestellt. Zusammen mit bluesign technologies arbeitet der Schweizer Bergsportausrüster an der schnellstmöglichen Eliminierung von PFOA und sucht nach reellen Alternativen. Somit werden wir weiterhin Produkte von Mammut anbieten.

BGLand24.de: "Wie gehen die Hersteller gegenüber den Händlern mit solchen Schadstoffen um? (Gibt es ohne Nachfrage oder auch auf Anfrage Informationen seitens der Hersteller hinsichtlich der Verwendung und der Gefährlichkeit solcher Stoffe?."

Martin Schaumann: "In der Fachpresse wird darüber viel berichtet. Herstellerberichte gibt es logischer Weise nur über Vorzüge bei Entwicklungen. Es gibt ja keinerlei rechtliche Kennzeichnungspflicht!

BGLand24.de: "Ist es für Sie ein finanzielles Risiko, auf Produkte von den genannten Herstellern zu verzichten?

Martin Schaumann: "TNF - The North Face haben wir schon lange aus dem Programm genommen. Die Schwierigkeit liegt eher darin, dass wir ohne gesetzliche Bestimmungen bei keinem Hersteller sicher gehen könnten, dass er nicht PFC für seine Imprägnierung verwendet! Als aktive Sportler ist es in unserem eigenen Interesse, der Umwelt nicht zu schaden. 

BGLand24.de: "Könnten Sie unsere Leser noch kurz aufklären, was man genau unter PFOA zu verstehen hat?"

Martin Schaumann:" Hierbei handelt es sich um Spurenverunreinigungen in bestimmten PFCs (perfluorinated chemicals). Letztere werden in der Textilindustrie vor allem aufgrund ihrer wasser-, öl- und schmutzabweisenden Eigenschaften verwendet. PFC-behandelte Stoffe tragen somit zur hohen Leistungsfähigkeit von funktionellen Textilprodukten beim Einsatz im Bergsport bei. Bedenken bestehen unter anderem aufgrund der Anreicherung der Substanzen in der Umwelt durch Abfallprodukte und Abwässer und dadurch eventuell auch über die Nahrungskette im menschlichen Organismus. Leider sind sie kaum biologisch abbaubar.

BGLand24.de : "Vielen Dank für das Interview".

Weitere spannende Informationen aus der Outdoorbranche lesen Sie täglich aktuell bei dem Expertenportal der Outdoorbranche: www.be-outdoor.de

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