Ist Berchtesgaden sicher vor dem Wasser?

Was ist dran an der Kritik zum Hochwasserschutz?

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Ache in Berchtesgaden

Berchtesgaden - Der Schaden ging in die Millionen. Persönliche Andenken wurden vernichtet, enorme Kosten entstanden bis hin zu existentiellen Problemen. 

Schaut man in die Wettervorhersagen der kommenden Woche dann dominieren graue Wolken und Regentropfen. Viele Berchtesgadener denken mit Schrecken an die Hochwasserkatastrophe 2013 zurück. Mobilitätseinschränkungen, vollgelaufene Keller und teilweise existentielle Herausforderungen mussten gemeistert werden. Ein Berchtesgadener, den es besonders schwer getroffen hat, findet klare Worte für das Katastrophenmanagement.

BGLand24.de hat mit Peter Juhre, Inhaber des Ferienparadies Alpenglühn zu diesem Thema telefonoert und ihn gefragt, wie er die Situation einschätzt.

"Wir waren beim Hochwasser vor drei Jahren (5 Tage nach unserer Eröffnung) schwer getroffen, wie kaum ein anderer und hatten 160.000 Euro Schaden. Wir sind von der einen Versicherung schnell bedient worden. Mit der einen Versicherung befinden wir uns noch immer im Rechtsstreit, da noch immer 50.000,- € aussenständig sind.", so Peter Juhre.

Soforthilfe vom Bürgermeister

"Ich bin wahnsinnig dankbar, dass Franz Rasp als Bürgermeister Soforthilfe geleistet hat, die uns nach den großen Investitionen am Anfang zur Eröffnung sehr geholfen haben, unser Geschäft nach wenigen Tagen wieder aufnehmen zu können.

Was schlecht ist, dass, wenn die Feuerwehr jetzt sagt es sind genügend Sandsäcke da, damals war das nicht der Fall. Es waren keine Sandsäcke da, bzw. nicht genügend und ich glaube nicht, dass jetzt genügend da sind. Damals hätten sie aus Freilassing geliefert werden sollen, aber innerhalb von vier Stunden stieg der Wasserhöchststand bei uns am Ferienparadies Alpenglühn auf den Höchststand von 1,60m. Zu diesem Zeitpunkt kam schon niemand mehr in den Talkessel um diese zu liefern", so der Hotelier weiter.

"Sollte so eine Situation erneut eintreffen, dann wären bei uns im Wiesenweg erneut viele Anwohner betroffen. Es ist dann nicht vermeidbar, dass Grundstücke oder Keller volllaufen die auf Straßenniveau liegen. Und das bis zu einer Höhe von 1,50m bis 1,60m. Damit wäre erneut ein Schaden in sechsstelliger Höhe vorprogrammiert."

Katastrophenalarm zu spät ausgelöst?

Und dann geht es weiter mit der Kritik:" Es war damals ein Fiasko. Die Bundeswehr in der Strub war mit ein paar Hundert Soldaten einsatzbereit, wollte helfen, hatte jede Menge Sandsäcke, aber es wurde zunächst kein Katastrophenalarm ausgelöst. 

Dies geschah erst 14 Stunde, nachdem die Ache übergetreten ist und das Schlimmste bereits Geschichte war. Das Krisenmanagement spottete jedweder Beschreibung. Unsere Feuerwehr gab alles Menschenmögliche aber ohne zusätzliche Unterstützung von Außen waren damals die fleißigen Kämpfer vor Ort zu einem Kampf gegen die Fluten verdonnert, den Sie als David gegen Golliath nicht gewinnen konnten", so der Hotelier.

"Die Behörden des Landratsamts haben viel zu lange bei der Bundeswehr nicht um Hilfe ersucht und ohne solch einen Alarm darf die Bundeswehr nun mal nicht ausrücken. Dies geschah erst nach 14 Stunden und da war das Schlimmste eigentlich vorbei. 

Wer gibt die Garantie, dass das heute anders wäre? Aus meiner Sicht, muss die Böschung um einen halben bis Meter erhöht werden, dann kann die Ache bei uns am Wiesenweg nicht mehr übertreten.

Wir haben in unserem Gebäude zwar Hochwasserschutztüren, die helfen aber bei einer solchen Konstellation mit ansteigendem Grundwasser, Wassereinbruch durch Wände und Fensterabschlüsse, sowie einem Wasserstand auf Strassenniveau von 1,60 m nicht mehr wirklich. 

Das einzig sinnvolle ist meiner Meinung nach die Erhöhung der Böschung am Wiesenweg. Es wurde uns damals von Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes wie auch dem Landratsamt persönlich zugesagt, dass das Wasserwirtschaftsamt Veränderungen plant und diese ganz zeitnah umgesetzt werden, damit so etwas am Wiesenweg nicht mehr passieren kann. 

Aber meines Wissens ist da noch immer nichts geschehen. "Vielleicht wäre aber jetzt der richtige Zeitpunkt dort etwas Druck zu machen, schließlich stehen ja auch  die Wahlen vor der Türe und diese Zeiträume bewirken ja bekanntlich manchmal Wunder". so Peter Juhre.

Feedback vom Landratsamt

BGland24.de hat beim Landratsamt nachgefragt: "Für viele der Punkte liegen die Zuständigkeiten bei den Gemeinden und dem Wasserwirtschaftsamt. Dazu gehören zum Beispiel bauliche Maßnahmen an Gewässern. Auch auf die bekannte Problematik der Schadensregulierung durch die Versicherungen haben wir als Landratsamt keinen Einfluss. 

Was die verspätete Feststellung des Katastrophenfalls betrifft, weisen wir diesen Vorwurf zurück. Die Einsatzabwicklung übernahmen zunächst die alarmierten Feuerwehren und Einsatzorganisationen. Da die Einsatzorganisationen in der Lage waren, die anfallenden Einsätze selbstständig zu koordinieren und abzuarbeiten, war zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, einen Katastrophenfall festzustellen, nicht gegeben. 

Die Einsatzorganisationen standen im Informationsaustausch mit Mitarbeitern der Katastrophenschutzbehörde und der Gemeinde. Die Feststellung des Katastrophenfalls ist keine willkürliche Entscheidung der Katastrophenschutzbehörde, sondern ist an strenge Voraussetzungen gebunden. 

Eine dieser Voraussetzungen (die überörtliche Koordinierungsbedarf der Einsatzkräfte) lag erst nach dem unerwarteten Schadenseintritt in Freilassing vor. 

Daraufhin haben wir als Katastrophenschutzbehörde auch umgehend den Katastrophenfall festgestellt und weitere Kräfte (Bundeswehr, überregionales Feuerwehrhilfeleistungskontingent) zur Unterstützung angefordert haben. 

Auch aus jetziger Sicht, war der Zeitpunkt der Feststellung des damaligen Katastrophenfalls richtig. Wir gehen davon aus, dass sämtliche Gemeinden im Landkreis seit dem Hochwasser 2013 sinnvolle Vorkehrungsmaßnahmen im eigenen Zuständigkeitsbereich getroffen haben, um künftige Unwetterereignisse besser in den Griff zu bekommen und damit den Schadensumfang zu minimieren. Zum Beispiel Sandsackdepots, Hochwasser-Einsatzpläne, bauliche Maßnahmen.

Unabhängig von den bedauerlichen Schäden hat der Freistaat Bayern mit entsprechenden Hilfsprogrammen die Geschädigten beim Wiederaufbau bestmöglich und unter großem Einsatz zahlreicher Mitarbeiter des Landratsamts bei der unbürokratischen Antragsbearbeitung unterstützt".

Und was sagt das Wasserwirtschaftsamt in Traunstein?

Nach Rücksprache mit dem Leiter vom Wasserwirtschaftsamt in Traunstein "plant dieses derzeit den Hochwasserschutz an der Berchtesgadener Ache in Berchtesgaden. Nachdem die hydraulischen Voruntersuchungen abgeschlossen sind, wird jetzt ein Ingenieurbüro mit der konkreten Maßnahmenplanung beauftragt", so Walter Raith.

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