Schwere Vorwürfe in anonymem Schreiben

CJD Asthmazentrum: "Wir halten alle arbeitsrechtlichen Vorgaben ein!"

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CJD Asthmazentrum

Berchtesgaden - Das CJD Asthmazentrum ist bekannt dafür, dass es asthma- und allergiegeplagten Menschen professionelle medizinische, pädagogische und psychologische Hilfe zukommen lässt. Ein anonymer Kritiker sieht das anders:

Das CJD Asthmazentrum in Berchtesgaden hilft chronisch kranken Menschen, die unter Asthma, Allergien oder Neurodermitis leiden. In dem allergenarmen Gebirgsklima am Obersalzberg werden die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen dank einer kombinierten medizinischen, pädagogischen und psychologischen Betreuung bei ihrem Neustart zurück ins Leben unterstützt.

Schwere Vorwürfe in anonymem Schreiben

Ein anonymer Briefschreiber sieht das wohl anders. Denn sein Schreiben, dass neben diversen Medien, auch an die Regierung von Oberbayern, die Diakonie, den TÜV Süd, das Landratsamt und weitere Organisationen ging, erhebt schwere Vorwürfe: 

"Sehr geehrte Damen und Herren, 

Sie sollten vielleicht einmal die Umstände im CJD Asthmazentrum in Berchtesgaden genauer unter die Lupe nehmen. Es werden oft keine gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten (es wird sogar von der Leitung verbreitet, dass 9 Stunden Ruhezeit reichen), Dienstpläne werden weniger als 3 Werktage vor Inkrafttreten ausgegeben, für Ferien sind die Dienstpläne manchmal erst 3 Tage vor den Ferien vorhanden, die Mitarbeiter werden nahezu gezwungen immer auf Abruf zu stehen (verpflichtend angeordnete Veranstaltungen werden einen Tag vorher bekannt gegeben, egal ob Mitarbeiter zum Zeitpunkt der Bekanntgabe frei haben oder am Tag der Veranstaltung frei hätten), Beschwerden führen zur Nichtverlängerung der Arbeitsverträge (u.a. daher auch eine hohe Fluktuaktion bei den Mitarbeitern), die zu betreuenden Kinder werden alleine von Auszubildenden betreut, auf die Arbeitsüberlastung der dort tätigen Pädagogen wird kaum Rücksicht genommen. 

Oft sind Pädagogen alleine für 10 Kinder oder Jugendliche zuständig, dies ist besonders an den Wochenenden ein großes Problem. In den Häusern werden u.a. Sporttherapeuten inoffiziell (einfach als fehlender Dienst im Dienstplan eingetragen) im pädagogischen Dienst eingesetzt. Pädagogen werden mit einer kurzen Grundeinweisung zu medizinischen Aufgaben abgestellt (Inhalationen, Ausgabe von BTM ohne ordentliche Dokumentation).

Nachtdienste tauchen nicht im 'normalen' Dienstplan der Häuser auf, sondern in einer extra Liste und werden teilweise einfach eingeteilt, egal ob dies mit dem Dienstplan vereinbar ist oder nicht. Dies wird alles so von den Teamleitern und der Leitung genehmigt, es werden sogar Mitarbeiter unter Druck gesetzt (u.a. nicht weiter beschäftigt), die sich dagegen wehren! Mitarbeiter machen Überstunden, da sonst die Betreuung der Kinder nicht gewährleistet ist oder die Anwesenheit von Leitungsseite gefordert wird, die sogar über 12 Stunden heraus gehen. 

Mitarbeiter werden auch oft nicht gefragt bei Änderungen des Dienstplans, es wird angeordnet. Es gibt veraltete Alarmpläne (mit Mitarbeitern die schon lange nicht mehr dort tätig sind), eine Notfallbeschilderung ist in den Häusern nicht vorhanden (Rettungswegeplan und Fluchtwegebeschilderung), Feuerwehrzufahrten sind regelmäßig zugeparkt. 

Bei Beschwerden über gewaltbereite Jugendliche wird von Leitungsseite abgewiegelt, den Mitarbeitern wird unprofessionelles Verhalten vorgeworfen und daraus resultierende Verletzungen führen höchstens zur Beschuldigung der Mitarbeiter, für die Kinder und Jugendlichen passiert nichts. 

Die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern wird hier mit den Füßen getreten! Die Kinder können aufgrund der Personalsituation nicht bedarfsgerecht betreut werden. Bei Anzeigen wird regelmäßig von Leitungsseite interveniert, damit diese bei der Polizei zurückgenommen werden. Auch die Gefahr für die anderen Kinder wird nicht ernst genommen (z.B. Warnung vor möglichen sexuellen Übergriffen). 

Die Küche der Einrichtung versorgt die einzelnen Häuser mit Lebensmitteln, die weder ordentlich gelagert wurden (gefrorenes Gemüse, gefrorene Eier etc., alle Lebensmittel mit der selben Temperatur gelagert) noch ordentlich verpackt mit Verfallsdaten an die Häuser ausgegeben werden (Wurst/Käse einfach in Papier eingeschlagen zur Abholung, Eier in wiederverwendeten Plastikschalen etc. ohne Beschriftung). 

Es sind viele Mitarbeiter nicht dort gemeldet, obwohl sie unbefristete Arbeitsverträge haben und im Asthmazentrum wohnen (teilweise in den Häusern direkt auf dem Gelände). Oft geschieht die "Einarbeitung" neuer Mitarbeiter in den Ferien, in denen sie von Beginn an als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden ohne die erforderlichen Schulungen oder Kenntnisse der Einrichtung. Den Mitarbeitern stehen keine abschließbaren Schränke zur Verfügung, Wertgegenstände etc. müssen in den Büros verbleiben, die andauernd von Kindern oder hausfremdem Personen betreten werden (manche Schlüssel sind für viele Büros passend). Urlaube werden zwar zu Beginn des Jahres geplant für alle Mitarbeiter (verbindlich), doch dürfen Anträge frühestens 4 Wochen vor Urlaubsbeginn eingereicht und damit genehmigt oder abgelehnt werden. Ein arbeitnehmerfreundlicher Umgang ist dies in einer christlichen Einrichtung eher nicht. 

Schlüssel müssen ohne Übergabe an anderes Personal gegeben werden in den Ferien, verschwinden dann und nichts wird unternommen. 

Im Winter müssen Pädagogen entgegen der Stellenbeschreibung und ihrer Ausbildung den Winterdienst vor ihren Häusern erledigen. Die Hilfsmittel (Salz) müssen selbstständig bei den vorhandenen Hausmeistern abgeholt werden. Teilweise werden Zugänge zu Häusern von den Hausmeistern mit Schnee der geräumten Straßen im Asthmazentrum wieder zugeschoben. 

Auf die körperliche Konstitution der Mitarbeiter und die Besetzung der Häuser wird keine Rücksicht genommen. Nach mehrmaligem Anmahnen durch Mitarbeiter wurde wenigstens klargestellt, dass kein einzelner Pädagoge rechtlich haftbar ist, wenn doch jemand stürzt. 

Verzeihen Sie mir, wenn ich lieber anonym bleiben möchte, doch befürchte ich sonst Sanktionen für die Mitarbeiter. Ich hoffe, dass diesen Dingen nachgegangen wird, da ich weiß, dass Eingaben an die Leitung leider im Sande verlaufen. Viele Mitarbeiter haben diese Dinge bereits kritisiert, doch wurden sie nicht ernst genommen. Mitarbeitern wurde bei Hinweisen auf Mängel kein Vertrag nach der Probezeit gegeben oder befristete Verträge mit inoffizieller Verlängerung der Probezeit vergeben, die dann bis auf die erlaubte Zeit ausgedehnt wurden, um dann keinen neuen Vertrag zu geben (und dies mit einem Vorlauf von weniger als 4 Wochen). 

Die meisten Mitarbeiter bemühen sich über Alles für die Kinder und verzweifeln oft an den Strukturen der Einrichtung und der Auffassung der Leitung. Viele Mitarbeiter leisten Beträchtliches über ihre Arbeitszeit hinaus zum Wohle der Kinder. Es ist schade, dass diese Bemühungen nicht wertgeschätzt werden von der Leitung und Hinweise auf rechtliche Bestimmungen eher zum Verlust des Arbeitsplatzes führen als zu einer Verbesserung. Viele Mitarbeiter haben resigniert und/oder sich eine neue Arbeitsstelle gesucht. 

Alleine die Freude an der Arbeit mit den Kindern und der Wunsch Diesen zu helfen hält viele Mitarbeiter dort abgesehen von der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Leider werden die Mitarbeiter auch als suspekt betrachtet, wenn sie sich an die Mitarbeitervertretung wenden und sind dann auf dem Prüfstand, so dass dieser Weg nicht oft gegangen wird. 

Mit freundlichen Grüßen!"

Asthmazentrum wehrt sich gegen die Vorwürfe

BGLand24.de hat bei der Leitung des CJD Asthmazentrums nachgefragt, was dort zu diesen Vorwürfen gesagt wird. Dr. Gerd Schauerte, der im CJD Bayern als Leiter des Fachbereiches Gesundheit & Rehabilitation I, den Schwerpunkt Gesundheit verantwortet, wehrt sich gegen die Vorwürfe und antwortete in einer ersten E-Mail wie folgt:

„Im Rehabilitationszentrum des CJD Berchtesgaden werden alle arbeitsrechtlichen Vorgaben eingehalten. Wir unterliegen als Sozialeinrichtung in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen strengen Auflagen und Kontrollen. Darrüberhinaus führt die Einrichtung eine Qualitätsmanagement-Zertifizierung durch, um die verschiedenen Arbeitsprozesse in ihrer Qualität zu sichern und zu steigern. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands legt großen Wert auf eine Unternehmenskultur, in der die Mitarbeitenden Anerkennung und Achtung erfahren. Zudem macht die Einrichtung ihre Arbeit transparent, so dass sich jeder selbst ein Bild davon machen kann.“

BGLand24.de bleibt an dem Thema dran und wird weiter berichten.

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