In der „Welle“ gefangen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Gespräche unter Highschool-Schülern – vor dem Experiment.

Berchtesgaden - Ein Theaterstück der Mittelstufe des Gymnasiums Berchtesgaden zeigt die Ausmaße eines gewagten Experiments und regt 300 Besucher zum Nachdenken an.

„Wenn die Mehrzahl der Deutschen keine Nazis waren, warum hat dann keiner versucht, den Holocaust zu verhindern?“ – Die Frage einer Schülerin sollte den Ausschlag geben und den Lehrer Ben Ross dazu bewegen, ein Experiment zu starten. Dieses „Experiment“, basierend auf Reinhold Tritts Stück „Die Welle“, brachte kürzlich die Schulspielgruppe der Mittelstufe des Gymnasiums Berchtesgaden in zwei Veranstaltungen vor knapp 300 Zuschauern auf die Bühne.

Ein gewagtes Experiment: „Die Welle“

Das Experiment ist gewagt – und zeigt doch, dass eine Minderheit in der Lage ist, eine Mehrheit gegen deren eigenen Willen einzuschüchtern. Denn niemand in der Geschichtsklasse des Highschool-Lehrers Ben Ross kann sich vorstellen, dass das Dritte Reich überhaupt möglich war: Ein Terrorregime, das seine faschistische Ideologie weiterträgt, die Mehrheit schließt sich dieser an – was folgte, waren zwölf Jahre der Unterdrückung, des Kriegs und des Tods.

Stramm sitzen, Disziplin zeigen: Viktoria Schäfer (Robert Billings).

Ross, der Lehrer, wagt also das Experiment, bietet seinen Schülern eine klare Ideologie an. Disziplin steht über allem. Der Sinn für die Gemeinschaft, steter Gehorsam. Alles unter dem Dach der „Welle“: In den Schulstunden, ideologisch unterwandert, formiert sich eine Bewegung von Jugendlichen, rasend schnell schließen sich dieser weitere Schüler an, springen auf den Zug auf. Der Unterricht sei seit langem wieder richtig gut, erfrischend anders, sagt ein Schüler unter vielen. Ein Pulk derer, die dem Lehrer bedingungslos folgen, sich ihm und seiner Ideologie zusagen. Machtausübung der experimentellen Art.

Der Versuch folgt einer klaren Richtung, autoritätsgläubiges Denken und Handeln des Einzelnen sind die Folge. Das Experiment gerät aus der Bahn. Die Schüler und Schülerinnen der Mittelstufe des Gymnasiums Berchtesgaden folgen in „Die Welle“ dem Originalstück von Reinhold Tritt, konfrontieren den Zuschauer eindringlich mit einem Thema, „von dem wir glauben, dass es gerade angesichts der erschreckenden Taten von Neonazis in jüngster Zeit aktueller ist als je zuvor“, so Deutschlehrerin Brigitte Lee, die für die Gesamtleitung zuständig ist.

Neben dem Originalschluss hat man sich in den Reihen der jungen Theaterleute etwas ausgedacht, einen alternativen Schluss, Julia Wendlinger aus der achten Klasse hat schließlich die Idee umgesetzt. „Wir denken, auch dieser Schluss ist möglich“, so Lee. Doch bevor die Zuschauer die Aufführung bis zu Ende sehen, sieht man sich als Einzelner immer wieder mit Fragen konfrontiert, die das Stück unweigerlich aufwirft. Zeit zum Nachdenken, zum Grübeln darüber, ob ein solches Experiment auch heutzutage möglich wäre? Die Antwort der Mehrheit: nein.

Mitwirkende: Marius Nette, Julia Wendlinger, Elisabeth Worbs, Laura Größwang, Paula Riedl, Viktoria Schäfer, Alexander Lenz, Ben Sliwa, Franziska Möller, Annalena Birkner, Fee Strobl, Saskia Groß, Emilie Rettenberger, Sophie Huber, Sophie Fischer, Anna-Lena Willeitner, Tassilo Neugebauer, Hannes Graßl, Simon Bauer, Florian Scherer, Barbara Neuhaus

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser