Nachtschwärmer nach Salzburg?

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Nachtschwärmer wollen nach Salzburg

Berchtesgaden - Bei der Jugendbürgerversammlung loteten Experten von Landratsamt und RVO die Möglichkeit einer Buslinie ins benachbarte Österreich aus.

Die Jugend wichtig nehmen – das hat sich Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp auf die Fahne geschrieben und veranstaltet deshalb einmal jährlich zusammen mit der Jugend AG eine Jugendbürgerversammlung. Im Kongresshaus in Berchtesgaden fand diese nun statt. Themen waren keine festgelegt, doch zeigte sich, dass die Verkehrsanbindung für Jugendliche eine dauerhaft wichtige Rolle spielt. Die Jugend zieht es in Richtung Salzburg, so viel ist sicher. Bei der Versammlung auch mit dabei: der Verkehrsmanager des Landratsamtes Berchtesgadener Land, Hans Wick, und der Niederlassungsleiter der Regional Verkehr Oberbayern (RVO), Andreas Datz. Wick berichtete unter anderem über ein neues Nachtschwärmer-Konzept - und fragte, was die Jugendlichen davon halten.

Ab nach Salzburg - Jugendbürgerversammlung

30 Jugendliche waren erschienen. Eine stattliche Zahl, die meisten davon hatten konkrete Anliegen mitgebracht. Bevor diese vorgetragen wurde (siehe weiterer Text), nutzte Bürgermeister Rasp den aktuellen Anlass und sprach das Thema Nachtschwärmer an. Mit dem Nachtschwärmer ist es möglich, an gewissen Wochentagen im Landkreis für eine Pauschalsumme von vier Euro mit dem Bus zu fahren. Genutzt werden die Linien vor allem von Jugendlichen, die abends von einer Lokalität zur nächsten fahren wollen.

Allerdings gab es in letzter Zeit deutliche Einbrüche bei den Ticketverkäufen, wie Verkehrsmanager Wick informierte. Waren es früher noch 20.000 Fahrkarten, die pro Jahr an die jugendlichen Nachtschwärmer verkauft werden konnten, waren es im letzten Jahr nur noch 10.000 Stück. „Wir müssen reagieren“, so der Landratsamt-Experte. Denn die Kosten für die nächtlichen Linien sind hoch, etwa 100.000 Euro Steuergelder kosten diese pro Jahr.

Hans Wick, Verkehrsexperte im Landratsamt Berchtesgadener Land lotet gemeinsam mit der Jugend aus, ob sich eine Nachtschwärmer-Verbindung nach Salzburg lohnen könnte.

Eine Nachtschwärmerlinie, von Freilassing Richtung Kirchanschöring, wurde bereits eingestellt, die anderen Linien beibehalten, etwa jene von Freilassing aus in Richtung Berchtesgaden und bis nach Schönau am Königssee. „Salzburg wäre viel interessanter“, sagte ein Jugendlicher. Was wiederum Hans Wick in seinem Vorhaben bestärkte. Denn in der Tat hat man im Landratsamt Berchtesgadener Land Tendenzen über die Jugendplattform ausgemacht, die besagen, dass sich die Jugend nicht mehr innerhalb des Landkreises zum Weggehen orientiert, sondern vielmehr nach Salzburg. „Bei unseren österreichischen Nachbarn gibt es scheinbar interessantere Möglichkeiten, am Abend etwas zu unternehmen“, fasste Wick zusammen. Und auch Andreas Datz von der RVO sagte, dass man sich in Zukunft verstärkt nach Salzburg hin ausrichten wolle.

In einer angedachten Kooperation mit der Berchtesgadener Land Bahn (BLB) wolle man die generellen Möglichkeiten ausloten, um Jugendliche so kostengünstig wie möglich nach Salzburg transportieren zu können. „Bislang war Bus und Bahn immer ein Parallelverkehr“. Das soll sich jetzt ändern. Realistisch etwa ist eine Nachtschwärmerlinie nach Salzburg. „Würdet Ihr diese nutzen“, so die Frage in Richtung potenzielle Zielgruppe. „Auf jeden Fall“, lautete die Antwort.

Bislang ist es für Jugendliche schwierig, kostengünstig nach Salzburg zu kommen – und vor allem: auch wieder zurückzufahren. Fragt man in die Runde, sind Ziele wie Bad Reichenhall oder Freilassing weniger beliebt. Salzburg als Einkaufs- und abendliche Vergnügungsmeile steht da schon viel höher im Kurs. „Früher fuhren die Salzburger noch zum Tanzen nach Berchtesgaden“, so Bürgermeister Rasp. Heutzutage ist der Talkessel für die österreichischen Nachbarn nur noch bedingt abendliches Ausflugsziel. „Warum soll man auch nach Berchtesgaden fahren“, lautete prompt die Frage eines Jungen, gefolgt von einem Achselzucken. In Sachen Preisgestaltung soll sich bei der Nachtschwärmerlinie etwas tun. Das verlangt das neu eingeschlagene Konzept.

Bislang hatte ein Ticket vier Euro gekostet, mit Jugendcard soll es dieses bereits für 2,50 Euro geben, ab 29 Jahren zahlt man pauschal für einen Abend fünf Euro und kann so oft man möchte mit dem Bus fahren. Geprüft wird seitens des Landratsamtes auch, wie man sich in Sachen Salzburg-Linie verhalten wird. Dass eine solche umgesetzt wird, wenigstens von Berchtesgaden aus in die Testphase geht, scheint wahrscheinlich. Die Jugendlichen freuten sich über die positiven Nachrichten.

kp

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