Nationalpark: Historische Alm-Jagd

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Hans Maltan möchte mit seinem Projekt, der Almforschung, die Geschichten von alten vergessenen Almen erzählen

Berchtesgaden - Der Mitarbeiter des Nationalparks Berchtesgaden Hans Maltan hat sich ganz der Almforschung verpflichtet. Im Moment gilt sein Augenmerk den unauffindbaren Almen.

Mühsam ist es, voran zu kommen. Die Ressourcen sind knapp. Die Recherche beansprucht viel Zeit. Hans Maltan hat es sich aber zum Ziel gesetzt, am Ende des Almprojektes einen Forschungsbericht zu erstellen. „Das kann aber noch ein paar Jahre dauern“, sagt er mit einem Lächeln. Das wissenschaftliche Feld, auf dem er sich bewegt, ist kaum besprochen, die Almwirtschaft im Berchtesgadener Raum hat zwar eine lange Tradition, dennoch ist wenig bekannt über die letzten Jahrhunderte.

Bilder vom historischen "Lahnerkaser"

Gründe, warum man sich im Nationalpark Berchtesgaden nun der Almforschung widmet, gibt es mehrere: Der Schutz des historischen Erbes etwa. Aber auch dieser, dass die Almweiden im künftigen Umweltbildungszentrum „Haus der Berge“ eines der Hauptthemen darstellen. Und auch im Nationalparkplan wird hinterfragt, wie sich „vom Menschen nicht oder nicht mehr unmittelbar beeinflusste Ökosysteme“ entwickeln. Also Almen, die einst „bestoßen“ wurden und nun „aufgelassen“ sind, also nicht mehr bewirtschaftet werden.

Aktuell gibt es 25 Almen im Nationalpark Berchtesgaden, die von 34 Bewirtschaftern betrieben werden. Hinzu kommen zwei vom Nationalpark verpachtete Almen. Aber nicht nur diesen gilt das Interesse der Forscher. Das Augenmerk liegt auf jenen Almen, von denen zwar bekannt ist, dass es sie gab, die aber heute schon lange nicht mehr mit Leben erfüllt sind. Landtal-Alm, Mitterhütten-Alm, Seelein-Alm oder Bärensunk-Alm – eine kleine Auswahl, einst bestoßen, heutzutage sind die Überbleibsel von einst nur mehr der Natur ausgesetzt, Menschen kommen dort schon lange nicht mehr vorbei. Und deshalb sind sie schwer auffindbar, wie Hans Maltan bestätigt: „Viele Almen lassen sich nur über historische Karten ausmachen“. Verkrautung, Verbuschung, Verwaldung haben ganze Arbeit geleistet, in so manchem Fall treffen die Nationalpark-Wissenschaftler lediglich auf die Grundmauern so mancher Behausung, die noch in der Vergangenheit bewirtschaftet wurde.

Die Geschichte der "vergessenen" Almen erzählen

Die Zielsetzung, die Maltan und sein Team verfolgt, ist ambitioniert: Nicht nur das Erfassen der Almgebäude und der Almflächen gehört dazu, sondern die ganze Geschichte soll beschrieben, die Wasserversorgung von damals geklärt werden. Warum die Almen heutzutage verlassen sind, darüber werde Maltan nur bedingt Nachforschungen anstreben, sagt er. Denn oft waren es persönliche Entscheidungen des Bewirtschafters, die dazu führten, die Alm zu verlassen. Nicht ausgeschlossen sei aber auch, dass Wassermangel, Überbeweidung oder der Klimawandel der Grund waren, sagt der Experte. Anhand einer historischen Karte, einer Urpositionskarte aus den Jahren 1817 bis 1830, haben die Nationalpark-Mitarbeiter so manchen Ort ausmachen können, auf dem Überbleibsel von einem Kaser zu finden sind. „Teilweise mitten im Wald“. Und nicht nur das: Verfallene Wege und Stege kamen zum Vorschein, die früher viel genutzt wurden, dann in Vergessenheit gerieten.

Das Jahr 1830 stellt die Hochzeit der hiesigen Almwirtschaft dar, weiß Maltan. Aufzeichnungen von damals belegen, dass auf den Almen im Berchtesgadener Talkessel über 3000 Rinder waren. „Seitdem ging es immerzu bergab“. Bis 1930 fand der deutlichste Abschwung statt. Viele Almen wurden aufgekauft und abgelöst. Seit 1970 gibt es die staatliche Förderung. „Seitdem ist die Almbewirtschaftung auf einem einigermaßen gleichbleibenden Stand“. Um Historisches zu bewahren, hat man beim Nationalpark Berchtesgaden einen Coup gelandet: Der Lahnerkaser, im Jahr 1848 auf der Lahneralm gebaut, wurde über 100 Jahre bewirtschaftet, ehe er in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgelöst wurde. „Der Kaser war im Begriff, zu verfallen“, informiert er.

Deshalb hat man das Original in das Außengelände des „Hauses der Berge“ geholt, wiederaufgebaut und saniert. Dort steht nun die Almhütte von einst und wartet darauf, ab Mai 2013 in das Konzept der Umweltbildungsstätten eingebettet zu werden. Für das Almforschungsprojekt indes ist der Kaser nicht relevant, viel Historisches ist bereits bekannt.

Für weitere Informationen aus der Bevölkerung zu den Almen in und rum Berchtesgaden ist Hans Maltan aber dankbar: „Jeder kleine historische Hinweis ist wichtig“.

kp

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