Ausverkauf des "alten Gauls"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Auktionator Anna Glossner präsentierte über 200 Kunstobjekte.

Berchtesgaden - Platz schaffen im Heimatmuseum Berchtesgaden: Bei einer Versteigerung kamen über 200 Einzelstücke unter den Hammer.

Der Hammer fällt: Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Dann ist der Glaspokal mit Deckel, „ein edles Stück“, für 1400 Euro veräußert. Ein aufmerksamer Teilnehmer der groß angekündigten Versteigerung im Heimatmuseum Berchtesgaden hat zugeschlagen und trotz des hohen Preises „ein Schnäppchen“ gemacht. Über 200 Einzelstücke des Heimatmuseums-Depots kamen unter den Hammer um dort Platz zu schaffen - Ölgemälde von Paul Förtsch, Aquarelle, Pokale, Handwerkskunst, ein historischer Sattel. Im Vorfeld als begehrt erachtete Stücke, etwa Holzreliefs der 14 Kreuzwegstationen von Georg Schelle blieben wie Blei in den Regalen liegen. „Das sind zwei Monate Arbeitszeit“, stellte ein bekannter Berchtesgadener Künstler fest - und keiner schlug zu. Für 600 Euro waren die Holzreliefs einfach zu teuer.

Platz schaffen im Heimatmuseum Berchtesgaden

Bevor es losging, herrschte erst einmal Aufregung. Wann die Versteigerung nun losgehen sollte, wusste keiner so recht. Im Vorfeld waren verschiedene Anfangszeiten übermittelt worden, was die Unruhe im Saal zusätzlich anheizte. Museumsleiterin Friedl Reinbold und ihre Vorgängerin Bärbel Sigl hatten in den Wochen und Monaten zuvor viel Organisationsarbeit geleistet, gesichtet, das Depot durchforstet und Register erstellt. Ausgesucht, was bei der Versteigerung schließlich unter den Hammer kommen soll. „Ich sehe den heutigen Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, hatte die Museumsleiterin gesagt. Ein Notfall sei eingetreten, akuter Platzmangel, man komme schon gar nicht mehr mit den Restaurationsarbeiten einzelner Stücke hinterher.

Daher trenne man sich nun von einigen „schönen Stücken“ aus dem Museums-Fundus, so Reinbold, die zusammen mit den „Freunden des Heimatmuseums“ die Versteigerung betreute, Objekte als verkauft markierte, andere während der Auktion nach vorne holte, sodass der Interessierte einen Blick auf das jeweilige Einzelstück werfen konnte. Bei über 200 Auktionsgegenständen versprachen sich die Initiatoren einiges, wenngleich es ausgewählte Liebhaberstücke zu sein schienen, bei welchen die Gebote im Sekundentakt abgegeben wurden. Die Erlöse der Versteigerung sollen dem Heimatmuseum zugute kommen. So hatte es die Trägerbehörde, das Landratsamt Berchtesgadener Land, entschieden. Anna Glossner, der Auktionator, besser bekannt als Berchtesgadens „Nachtwächterin“, schwang während der gut besuchten Veranstaltung den Hammer. Seit 30 Jahren könne sie und dürfe sie das, sagte sie mit einem Augenzwinkern, auch wenn das „Hammerschwingen“ nicht zu ihrer tagtäglichen Arbeit zähle.

Und weil der Bayerische Rundfunk ebenso vor Ort war, gab sie sich besondere Mühe, hatte bei jedem Objekt einen passenden Spruch auf Lager. All die wertvollen, nostalgischen Stücke erfüllten doch zumindest einen dekorativen Zweck, meinte sie. Da sei es doch gleichgültig, ob beim naturalistisch geschnitzten Uhrenständer mit Hirsch um 1870 das Geweih abgebrochen war: „Die Hörner hat er sich inzwischen abgestoßen. So ist das halt mal bei einem alten Hirschen“, so Glossners mehrdeutiger Begründungsversuch. Handbemalte Spanschachteln, datiert auf Anfang des letzten Jahrhunderts, stießen zunächst kaum auf Interesse. „Kein Wunder, dass bei der Berchtesgadener Handwerkskunst nichts mehr geht“, fuhr es aus Glossner. „Traurig, aber wahr“ – und so waren es Liebhaberstücke, deren Rufpreis niedrig angesetzt war, der dann aber in die Höhe schnellte. Auch etwa ein teilabgebeizter Bauernschrank. 100 Euro der Startpreis, dann ein Bieterduell, 110, 120, 170 Euro. Zum Ersten, zum Zweiten – 180 Euro. Bei 210 Euro war dann Schluss. Freude beim Auktionator, auch bei der Museumsleitung. Ob schwarzes Schaltuch, altertümlicher Korbkinderwagen, aber auch zahlreiche Holzplastiken – sie fanden ihre Abnehmer. Selbst eine Holzplastik eines Kuhkopfes war im Angebot, bemalt, mit echten Hörnern. „Lasst ihn hinten, den Kopf“, lautete Glossners Aufforderung an die fleißigen Helfer, die im Begriff waren, das unhandliche Teil in den Versteigerungsraum zu schleppen. Bei vielen Stücken war man sich einig – man hatte angenommen, dass sie einen Abnehmer fänden. Schlussendlich blieben sie dann aber doch übrig. Nachfrage bei einem Experten: Kunst orientiere sich am Preis, den ein Liebhaber bereit ist auszugeben, sagt dieser. Nicht bei allen Objekten im Heimatmuseum fiel der Preis den Erwartungen entsprechend aus.

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser