msp: "Uns sieht man nicht, uns riecht man nicht"

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Die beiden msp-Gesellschafter Holger Gerstung (links) und Gerald Pölzl (Geschäftsführer) gewährten heute einen umfangreichen Einblick in ihre Firma.
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Bad Reichenhall-Marzoll - Die Verantwortlichen des Müllentsorgers msp gingen heute an die Öffentlichkeit: "Einfach auch, um einiges klarzustellen", so Gesellschafter Holger Gerstung.

Jeder Mensch verursacht Müll und ist letztlich froh, wenn es andere Menschen gibt, die diesen freundlicherweise abholen. Freilich macht dies niemand umsonst, unser Abfall ist längst zu einem - auch lukrativen - Geschäft geworden. Dennoch möchten die wenigsten etwas damit zu tun haben. Möglichst weit weg soll er entsorgt oder weiterverarbeitet werden. Im Berchtesgadener Land gibt es mehrere Firmen, die Müll abholen, entsorgen, recyceln oder zu entsprechenden Spezial-Betrieben weiter transportieren. Es ist ein Markt, ein mitunter hart umkämpfter. Ein Entsorger im Landkreis kommt nicht zur Ruhe: "msp", eine GmbH aus Marzoll (Reichenhaller Straße). In Obertrum (Österreich) gibt es zudem eine reine Postadresse (msp Service GmbH), die benötigt wird, um im Bau- und Servicebereich die sogenannte Auftragsgeberhaftung abzuwenden.

Seit Jahren wird msp, seit rund drei Monaten im Vollbetrieb, massiv bekämpft - aus der Politik, von Naturschutzverbänden, aus der Bevölkerung.

"Wir sind grün"

"Uns sieht man nicht, uns riecht man nicht", argumentiert Gerstung fast schon werbewirksam. Zusammen mit Geschäftsführer Gerald Pölzl informierte er heute die heimischen Medien über seinen Betrieb. Gerstung und die aktuell 30 Angestellten werden seit Jahren angegriffen: "Das Aggressionspotenzial ist bei einigen Leuten schon erstaunlich hoch", so Gerstung. Das kuriose daran: "Wir sind grün". Der Firmen-Mitinhaber, der den seit 30 Jahren bestehenden Betrieb zusammen mit Gerald Pölzl 2005 neu als GmbH (zuvor GmbH & Co. KG) gründete, versichert, "absolut nichts davon zu haben, wenn wir hier irgendwelche krummen Dinge tun würden".

Im Gegenteil: "Wir erfüllen bereits fast alle Auflagen, haben die entsprechenden Flächen versiegelt, haben asphaltiert und asphaltieren im Außenbereich noch", so Gerstung. "Auf der Fläche vor der Papierhalle ist durch Betonplatten und Ölabscheider schon so versiegelt, dass hier, selbst wenn etwas auslaufen würde, nichts passieren kann. Zudem sind wir einer der wenigen Entsorgerbetriebe, die einen Absperrschieber im Abwasserkanal errichten mussten - nach meiner Kenntnis sind wir in unserem Landkreis der einzige Betrieb dieser Größenordnung, der eine solche Auflage hat".

Ärger kostete viele Arbeitsplätze

50 Mitarbeiter waren es vor einigen Jahren auch schon mal bei msp: "Der enorme Gegenwind, der unter anderem in einigen Klagen gipfelte, hat uns allerdings auch viel Geld und letztlich etliche Arbeitsplätze gekostet. Mittlerweile befinden wir uns diesbezüglich wieder im Aufbau, es werden neue Arbeitsplätze entstehen", so Gerstung, der aber auch weiß: "Vor weiteren Klagen sind wir natürlich nicht geschützt, schließlich steht es jedem frei, zu klagen".

Bei msp sieht man Gerichtprozessen heute "relativ gelassen" entgegen. "Denn wir wissen, dass wir nichts unrechtes tun", sagt Gerstung. Und: Mittlerweile geht man bei msp auch schon zum "Gegenangriff" über: "Wir haben gegen den Bund Naturschutz eine anwaltliche Unterlassungsabmahnung herbeigeführt". Offenbar werden von BN-Leuten öffentlich Aussagen getätigt, die laut msp jeglichen Grundlagen entbehren.

Darf ein Zaun errichtet werden?

Illegale Müllablagerungen im Auwald.

Im Reichenhaller Stadtrat wird am kommenden Dienstag, 14. Mai, erneut über den msp-Antrag für die Errichtung eines zwei Meter hohen Maschendrahtzaunes um das Firmengelände beraten und abgestimmt. Einmal scheiterte dieser bereits. "Aber wir wollen doch hier verhindern, dass spielende Kinder aufs Gelände kommen und dann womöglich noch in einen vielleicht leeren Container fallen. Da kommen sie nie wieder raus. Auch ihre Schreie würde niemand hören", unterstreicht Gerstung die abgeschottete Lage des msp-Geländes.

Anwohner wussten, wo sie bauen

Darum kommen für ihn und seine Kollegen viele Vorwürfe und Anschuldigungen der unmittelbaren Anwohner ins Fach der Absurditäten: "Das Gewerbegebiet war vorher da. Die Bundesstraße ist viel lauter und bei weitem besser zu hören. Auch sie war vorher da. Einige Anwohner haben dann genau dazwischen gebaut und wussten, dass sie in die unmittelbare Nähe eines solchen Gebietes ziehen".

"Im Übrigen haben oder bearbeiten wir hier auch keine gefährlichen Abfälle oder Giftstoffe", versichert Gerstung. "Im Hallenbereich beschränken sich unsere sogenannten gefährlichen Abfälle auf die Holz-Klasse 4, beispielsweise lackierte Fensterstöcke, die Lagerung von Betonfaserplatten (Asbest), Kühlschränke und Batterien, aber keine wirklich gefährlichen Giftstoffe wie Chemie, Öle, Lacke etc. Diese werden teilweise illegal von Bürgern in der Au entsorgt. Wir bearbeiten diese Materialien auch nicht, sondern nehmen diese nur an und führen sie anderen Wertstoffhöfen und damit den unterschiedlichen Kreislaufströmen zu".

CSU und FWG kamen, die Grünen noch nicht

msp lud mehrfach alle Stadtratsfraktionen Reichenhalls ein, aufs Firmengelände zu kommen: "Wir sind offen. Zu uns kann man jederzeit kommen. Wir haben nichts zu verbergen und zeigen gerne jedem alles", so Gerstung. CSU und FWG kamen der Einladung jüngst nach. Der Rest noch nicht: "Aber wir hoffen, dass sie auch zu uns kommen, die Einladungen stehen jedenfalls".

Containerplatz bei msp.

Grünen-Fraktionssprecher Michael Nürbauer: "Wir haben am 15. Mai einen Termin bei msp. Den ersten hat msp platzen lassen. Ich habe auch erhebliche Zweifel, ob Manfred Hofmeister von 'Lebenswertes Bad Reichenhall' oder der Bund Naturschutz eingeladen wurden".

Wenn mit Müll gearbeitet wird, staubt es auch oft - aber: "Wir setzten emissionsmindernde Anlagen ein und binden damit den Staub", so Pölzl. Die Geruchsentwicklung ist minimal und reicht nicht über das Betriebsgelände hinaus. Auch der Lärm hält sich in Grenzen, "die Bundesstraße ist bei weitem lauter", wissen die Verantwortlichen.

Auch Wasserleitungen sind aus Asbest

Holger Gerstung und Gerald Pölzl wehren sich auch gegen die Asbest-Vorwürfe: "Wir sanieren unsere Dächer. Abgesehen davon ist Asbest nur gefährlich, wenn man hochfrequentiert damit arbeitet, also wenn man es beispielsweise aufbohrt - und das machen wir hier nicht". Selbst die Frischwasserleitungen Marzolls sind aus Asbest, Hausverkleidungen, Blumenkübel - "darüber regt sich interessanterweise niemand auf", so Gerstung, der sich und seine Firma als "Spielball der Politik" bezeichnet. "Jeder Physiker weiß beispielsweise, dass Asbest nicht brennt. Im Gegenteil, es wird sogar als Brandschutz eingesetzt".

Fotos vom msp-Betriebsgelände:

Müllentsorger msp zeigt Betriebsgelände

Hans-Joachim Bittner

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