Kein Blumenbeet für Bismarckbrunnen

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Seit drei Jahren außer Betrieb: der Bismarckbrunnen in der Bahnhofstraße.
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Bad Reichenhall - Aus dem Bismarckbrunnen in der Bahnhofstraße wird kein Blumenbeet. Durch ihn läuft schon seit Jahren kein Wasser mehr, er ist zum Großteil abgedeckt.

1896 wurde der Bismarckbrunnen von Baumeister Karl Hochbichler errichtet. Die Bronzebüste stammt von Bildhauer Theodor Haf. Der Brunnen, unmittelbar neben der Evangelischen Stadtkirche gelegen, gehört der Stadt Bad Reichenhall. Er ist seit 2010 nicht mehr in Betrieb und seitdem dauerhaft abgedeckt.

In der Bahnhofstraße.

Im jüngsten Stadtrat kam der Bismarckbrunnen nun einmal mehr zur Sprache. Was soll mit ihm geschehen? Einige wollen ihn sanieren und zu alter Blüte verleihen, andere in ein Blumenbeet umwandeln. Einig sind sich die Räte darüber, dass das Einzeldenkmal erhalten werden soll - in welcher Form auch immer.

3.000 Euro an Steuergeldern

Der Brunnen ist in die Jahre gekommen und müsste für eine Wieder-Inbetriebnahme gründlich saniert werden. Für die notwendigen Steinmetz- und Installationsarbeiten wurde 2010 ein Angebot eingeholt. Die Kosten für die Arbeiten zur Wiederherstellung der bisherigen Funktionalität wurden mit 38.722,60 Euro veranschlagt. Ein Brunnenbetrieb mit laufendem Leitungswasser vergeudet unnötig die Ressource Trinkwasser. Eine Umrüstung mit einem Schachtbauwerk, einer Pumpe zur Erzeugung eines Wasserkreislaufes sowie eines Steuerschrankes würde weitere 20.000 Euro verschlingen. Unterhalt und Wasser würden den Steuerzahler pro Jahr rund 3.000 Euro kosten.

Ein Brunnen-Rückbau sowie die Umwandlung in ein Blumenbeet werden mit 10.000 Euro veranschlagt. Dieses Geld stünde im aktuellen Haushalt bereit.

Wasser bringt Belebung

Der Tagesordnungspunkt verursachte eine lebhafte Debatte im Gremium. Dr. Evi Jung von der CSU plädierte für den Erhalt und die Wiederbelebung des Brunnens: "Wasser bringt Belebung, die der Stadt nur gut tut".

Michael Nürbauer von den Grünen machte "den nun schon dritten Versuch der Verwaltung" aus, den Brunnen in ein Blumenbeet umzuwandeln: "Sie wollen es offenbar nicht wahrhaben, dass der Brunnen sanigert gehört. Wir haben hier ein historisch interessantes Denkmal mit protestantischem Hintergrund. Eine derart wertvolle Sache gilt es zu erhalten, und zwar im Sinne seiner ursprünglichen Funktion".

CSU-Stadtrat Helmut Schöndorfer relativierte die hohen Sanierungskosten: "Über 115 Jahre fand keine Sanierung statt. Auf eine so lange Zeit umgerechnet sind die Kosten, die jetzt enstehen, zu verkraften. Der Brunnen sollte erhalten werden". Auch FDP-Vertreter Gerhard Schröter will "Bismarck und seinen Brunnen" wieder in seiner ursprünglichen Form, also mit einem Wasserkreislauf, sehen.

Hat die Stadt das Geld?

Dagegen sprach sich FWG-Sprecher Gerhard Fuchs aus: "Wir sollten uns gründlich überlegen, ob wir dieses Geld für die Sanierung des Brunnens wirklich übrig haben. Im Gegensatz zu einigen anderen Brunnen der Stadt liegt das Bismarck-Denkmal an keinem zentralen Punkt, sondern eher versteckt".

Stadtbaumeister Thomas Knaus musste sich den Vorwurf anhören, bislang keine weiteren Angebote für die Sanierung eingeholt zu haben. Er versicherte, dies nun zu erledigen, da das Thema erst jetzt so richtig auf den Tisch kam.

Gegenüber der Evangelischen Stadtkirche.

Mit 11:14 Stimmen wurde der Beschlussvorschlag, den Brunnen in ein Blumenbeet umzuwandeln, abgelehnt. Die CSU-Fraktion und die Grünen, außer Bruno Rettelbach, stimmten dagegen.

Konsequenterweise sollten nun bei der nächsten Haushaltsplanung die erforderlichen Finanzmittel für die Sanierung des Brunnens bereitgestellt werden. Da die hölzerne Brunnenabdeckung von vorne herein lediglich als Provisorium geplant war, ist laut Verwaltung eine Entscheidung zur weiteren Vorgehensweise zeitnah erforderlich.

Fürst Otto von Bismarck (1. April 1815 - 30. Juli 1898) hatte sich mehrmals zur Kur in Bad Reichenhall aufgehalten. 1986 wurde ihm zu Ehren in der Bahnhofstraße der Bismarckbrunnen mit einer bronzenen Büste errichtet.

Hans-Joachim Bittner

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