Pflegenachwuchs mit Idealismus

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Bad Reichenhall - Sie haben drei Jahre geschuftet, um das staatliche Pflegeexamen zu bestehen. Doch die 24 Absolventen der Berufsfachschule für Krankenpflege Bad Reichenhall brauchen auch viel Idealismus.

Das Unwort in Krankenhäusern und Pflegeinrichtungen - Pflegenotstand. In ganz Deutschland gibt es zu wenig Pflegepersonal. Im Berchtesgadener Land und Traunstein sind konkret 100 Stellen unbesetzt. "Um so wichtiger ist das Engagement unser Absolventinnen und Absolventen", waren sich die Festreder bei der feierlichen Verabschiedung in der Kreisklinik Bad Reichenhall einig.

Alle Absolventen werden ab sofort in Krankenhäusern arbeiten. 18 an den Kliniken Südostbayern. Dorothea Clasen zieht es dagegen nach Regensburg, Die Pidingerin will den neuen Lebensabschnitt gleich mit einem Neuanfang verbinden. Dabei wollte sie zuerst gar keine Gesundheits- und Krankenpflegerin werden: "Eine Freundin hat mich mitgenommen. Jetzt bin ich total zufrieden."

Auch Matthias Vogel ist erst durch den Zivildienst zur Krankenpflege gekommen. Jetzt will er in seinem "Traumberuf" andere mit seinem Idealismus anstecken: "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass andere auch wieder darüber nachdenken, warum sie diesen Beruf ergriffen haben, wenn man im Team arbeitet."

Pflegenachwuchs wird geehrt

Teamworker sind alle 24 examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger. Sie wissen, dass sie ihren Idealismus brauchen, um den Schichtdienst, die geringe Bezahlung und Überstunden zu überstehen. Schulleiterin Angelika Martin ist sich sicher, dass "ihre" Schüler das schaffen: "Sie bringen die Qualität mit."

Und Qualität ist es, die Martins Meinung nach, durch die Hilfskräfte in der Pflege verloren gehen. "Die Hilfe ist mittlerweile wissenschaftlich geworden", erklärt die Schulleiterin. "Die Pflegekräfte müssen die Pflege selber planen, dokumentieren und organisieren. Dadurch kann jeder einzelne sich positionieren." Aus eigener Erfahrung weiß Angelika Martin, dass diese Positionierung vor allem in Alten- und Pflegeheimen fehlt. Deshalb sieht sie ihre Arbeit bei der Heimaufsicht des Landratsamtes auch als sehr wichtig an: "Sonst würde es in der Pflege noch viel schlimmer aussehen."

Eine Lösung für dieses Problem sehen Martin und auch ihre Schüler in der Zusammenlegung der Ausbildung von Kranken- und Altenpflege, für die sich Landrat Georg Grabner bei der Verabschiedung klar aussprach. Und auch Matthias Vogel hat den Traum, "dass alle Pflege-Berufsgruppen an einem Strang ziehen und für das Wohl der Patienten arbeiten."

Christine Zigon

Rubriklistenbild: © cz

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