Naturschützer: Kirchholztunnel keine nachhaltige Lösung

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Bund Naturschutz fordert ein Modell für den Knoten Süd - das Naherholungsgebiet Golling / Burg Gruttenstein.

Bad Reichenhall - Der Bund Naturschutz lehnt die vorliegende Planung für eine Bad Reichenhaller Ortsumgehung mit Kirchholz- und Stadtbergtunnel ab. Die Begründung:

Der Bund Naturschutz lehnt in seiner Stellungnahme die vorliegende Planung ab, weil Alternativen unzureichend geprüft seien, die verkehrliche Wirksamkeit in keinem Verhältnis zu den veranschlagten Kosten stehe und die Entlastung von Bürgern und Stadt nicht nachgewiesen sei. Hinzu kämen Eingriffe in Natur, Landschaft, Schutzwald, archäologische Kulturgüter und möglicherweise Solequellen, die nicht akzeptabel seien.

Besonders zu hinterfragen sei demnach, die Forcierung der Planung aufgrund der Olympiabewerbung. "In den Planungsunterlagen wird wiederholt darauf hingewiesen, dass der Tunnel während der Olympischen Spiele 2018 in Bad Reichenhall für Entlastung sorgen soll. Genaue Verkehrszahlen werden dazu nicht genannt, aber gemäß den Bewerbungsunterlagen sollen 2018 die ökologischsten Spiele aller Zeiten stattfinden und es wird vor allem auf eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrssektors gesetzt. Nun werden aber vor allem Straßenbauprojekte vorangetrieben."

Der Verkehrsplaner Dr. Hunger erklärte, dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen während der Olympischen Spiele auch ohne Tunnellösung ohne besondere Probleme bewältigt werden könne, wobei nach Routenplaner der schnellste Weg von München an den Königssee auf der A8 Richtung Salzburg und über Marktschellenberg führe. Kritisch sei hingegen die Verkehrsführung von der A8 durch Piding Richtung Bad Reichenhall zu sehen, aber darüber finde sich in der Unterlagen nichts.

Auch die BGL 4, die laut Bewerbungsunterlagen für drei Millionen Euro verbessert werden soll, taucht in den Unterlagen nicht mehr auf. Im Gegenteil, mit dem Knoten Nord entfällt der Anschluss der BGL 4, eine Lösung wird nicht aufgezeigt. Auch die Lärmschutzproblematik wird unzureichend behandelt. Unklar bleibt außerdem der Tunnelunterhalt, da durch die Entlüftung mit hohen Stromkosten zu rechnen ist.

Besonders irreführend und unfair sei in den Planungsunterlagen, dass die Alternativvariante des Ausbaus der vorhandenen B 20/21 mit dem Bauabschnitt 3 der Vorzugstrasse, dem kostenintensiven Stadtbergtunnel verknüpft werde. Dadurch stiegen deren Kosten auf ca. 100 Mio. € und ließen damit die offensichtlich sehr hohen Kosten der Vorzugsvariante mit 163 Mio. € als akzeptabel erscheinen. Bei einer echten Alternativ- bzw. Nullvariante entstünden Kosten von ca. 35 Mio. € bzw. eine Einsparung von ca. 128 Mio. €, wodurch der Variantenvergleich natürlich eindeutiger gegen die gewählte Vorzugslösung ausfiele, so der BN in seiner Stellungnahme.

Im naturschutzfachlichen Bereich kritisiert der BN die Rodung von Schutzwald und das Anlegen eines Folien-Ersatzlaichgewässers für den Springfrosch im Intensivgrünland. Unbefriedigend sei demnach auch der Schutz der Fledermäuse und die vorgeschlagenen Ausgleichsmaßnahmen. In Fachkreisen sei bekannt, dass unter Baumhöhlen bewohnenden Säugern und Höhlenbrütern ständig ein harter Konkurrenzkampf um geeignete Quartiere bestehe, hervorgerufen vor allem durch die aktuelle Fortwirtschaft, bei der immer weniger Alt- und Totbäume erhalten bleiben. Demnach könne sich ein Verlust an Einzelquartieren sehr wohl auf die jeweiligen Artvorkommen auswirken und Bretter und Nistkästen seien auf Dauer kein adäquater Ersatz. Der BN fordert deshalb je potenzieller Baumhöhle im Umgebungswald einen Altbaum außer Nutzung zu stellen. Statt dessen könne man auf die Aufforstung am Antoniberg verzichten und den Wildbestand so regulieren, dass eine Naturverjüngung möglich wird.

Pressemitteilung Bund Naturschutz

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