Prechtl fordert: "Schluss mit Halbwahrheiten"

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Erich Prechtl von der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach sprach einmal mehr Klartext.
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Laufen - Erich Prechtl von der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach nahm einmal mehr kein Blatt vor den Mund: "Schluss mit den Halbwahrheiten", forderte er beim jüngsten Pressegespräch.

Bund Naturschutz Bayern und Naturschutzbund Salzburg hatten die Öffentlichkeit von den jüngsten Plänen an der Salzach informiert. Die Naturschutzverbände fordern die Rückkehr zum Naturfluss, während Politik, Investoren und Auftraggeber Staustufen zur Energiegewinnung anstreben.

"Das ist doch alles völlig fadenscheinig", so Erich Prechtl, der ehemalige Vorsitzende der Bund Naturschutz Kreisgruppe im Berchtesgadener Land. "Wir haben hier den artenschutzreichsten Lebensraum Europas und können uns demnach durchaus mit dem Donauraum messen. Auch die Salzach muss endlich gerettet werden. Wir kämpfen, seit vielen Jahren, in diesem Jahr soll es endlich passieren".

Die Elektroenergie bekam ihr Fett weg: "Ebenfalls fadenscheinig. Wir transportieren Bananen von Hamburg nach Freilassing. Wie soll das mit Elektrofahrzeugen funktionieren?". Die Haushalte sind lediglich mit 20 Prozent am Energieverbrauch beteiligt, informierte Prechtl. "Aber sie müssen immer die Hauptlast an Strompreis-Erhöhungen tragen, immer ist der Bürger der Dumme, der alles bezahlen soll. So kann es nicht weitergehen". Prechtl fordert von der hohen Politik Maßnahmen zu Energieeinsparungen sowie den Mut zu energieeffizienten Alternativen - die Konzepte dazu lägen längst auf dem Tisch.

Mein einfacher Rechenschieber reicht

Zur Online-Umfrage äußerte sich Prechtl wie folgt: Nur 9,4 Prozent der Angeschriebenen beteiligten sich und beantworteten die Fragen. Davon sprachen sich nur 51 Prozent für Wasserkraft an der Salzach aus, also lediglich 4,7 Prozent der Gesamt-Bevölkerung. "Das ist keine Mehrheit. Dafür brauche ich nicht einmal meinen alten, einfachen Rechenschieber. Wie all jene rechnen, die aus dieser Umfrage eine Bestätigung ihrer Pläne ziehen, kann ich nicht nachvollziehen".

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Der Grundwasserspiegel an der Salzach müsse behutsam angehoben werden. Bei Staustufen bekommt der Alpenfluss kein Geschiebe mehr aus den Bergen, die Auen trocknen aus. Dort hat der Weichholzbestand bereits einem Hartholzgebiet weichen müssen. "Die Eschen mögen aber keine nassen Füße", weiß Prechtl. Die Salzach gräbt sich ohne Geschiebe immer mehr in ihr Flussbett und verschärft die Probleme. Künstliche Uferbereiche müssen geschaffen werden, um dies auszugleichen - sozusagen als künstliches Geschiebe. Als Beispiel nannte Erich Prechtl auch das Tierheim in Freilassing. "Der Wasserspiegel der Salzach liegt höher" - das verschärft die Problematik in verständlicher Art und Weise.

Bei allen Varianten - egal ob Staustufen oder Naturfluss - hat der Hochwasserschutz oberste Priorität, versichern alle beteiligten Naturschutzverbände. Sie fordern jedoch: "Ein Fluss muss fließen, um die Artenvielfalt und einen einzigartigen Lebensraum zu erhalten".

Wir können nur einmal zerstören

Salzachbrücke zwischen Laufen und Oberndorf.

"Wenn wir hier Staustufen bekommen, werden sofort die Schreie nach Dämmen laut, das garantiere ich. Das bestätigt Ihnen auch jeder Wasserbauer. Denn beim ersten Hochwasser wird die Bundesstraße 20 überschwemmt, das ist auch klar". Prechtl fordert die Verantwortlichen auf, endlich mit den Halbwahrheiten aufzuhören, endlich alle Fakten auf den Tisch zu legen und nicht alles permanent schönzureden: "Wir können eine intakte Naturlandschaft nur einmal zerstören. Danach ist es zu spät, um zu lamentieren".

Am 27. Juni 1964 gab es die erste Protestfahrt mit 150 Kanuten nach Burghausen. Damals hatte die Aktion Erfolg. Die nächste Protestaktion plant der Deutsche Kanu-Verband (DKV) am 27. April 2013, also fast 50 Jahre später - wieder von Laufen bis Burghausen.

Hans-Joachim Bittner

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