Diskussion um die Mittelschule

"Der Druck ist einfach zu hoch"

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Was geschieht mit der Mittelschule?

Landkreis Berchtesgadener Land - Eigentlich wollte sich der Elternbeirat hauptsächlich mit dem Bürgermeister und gleichzeitigem Mittelschulleitervorstand treffen, um wichtige Fragen zu klären:

Den Diskussionen in den letzten Wochen folgte am gestrigen Nachmittag ein öffentliches Treffen zwischen dem Elternbeirat und den betreffenden Gemeindevertretern. In die  Diskussion zwischen dem Elternbeirat und Franz Rasp mischten sich aber auch die Zuhörer ein.

Was bedeutet ein Wegzug der Mittelschule für Berchtesgaden?

"Ich vermisse das Herzblut bei unserem Bürgermeister im Kampf um den Erhalt der Mittelschule in Berchtesgaden", so startete Michael Koller von den Freien Wählern seine Diskussion mit Franz Rasp. Und weiter: 

"Was bedeutet es für Berchtesgaden, wenn die Mittelschule nicht mehr da ist? Wir haben hier ein Bildungszentrum mit einer guten Verkehrsanbindung, Sportstätten, einer Mensa im Gymnasium, etc." Die Zahlen erst dann zu veröffentlichen, wenn sie in den Gemeinden diskutiert wurden, macht keinen Sinn

Die gehen uns alle an! Franz, Du hast im Wahlkampf gesagt wie wichtig die Schulanbindung ist. Mir fehlt Herzblut im Kampf für dieses Haus. Die Zahlen sind das eine. Wir diskutieren jedes Jahr Finanzpläne, die fünf Jahre gelten. Und welchen Sinn macht es, wenn ab der kommenden Woche die anderen Gemeinden über den Standort diskutieren und wir in Berchtesgaden erst auf der Gemeinderatssitzung am 21. November? Dann haben sich die anderen längst entschieden und wir diskutieren etwas, dass wir nicht mehr ändern können

Dabei betrifft diese Diskussion unseren Standort! Ich wünsche mir mehr Herzblut von den Berchtesgadener Gemeinderäten, Kosten und Nutzen abzuwägen. Ich finde die Debatte wird uns abgenommen. Mein Appell ist, als Erstes in Berchtesgaden zu diskutieren und über den Standort zu entscheiden. Franz, Du bist der Bürgermeister von Berchtesgaden und der Mittelschulleiter, aber kämpfst Du wirklich für unsere Schule?" 

Und weiter: "Es ist keine Abwertung für Bischofswiesen, wenn ich sage, dass die Schule dann am Rand liegt und ich bestehe auch nicht auf einer Zweihäusigkeit, wenn dann die Qualität leidet. Mir geht es darum, die Kinder, bestmöglichst zu lehren und auszubilden. Es gibt viele interkommunale Projekte, die ich befürworte. Aber meiner Meinung nach gibt es viele Vorteile für eine Mittelschule im Zentrum, die klar auf der Hand liegen und ich wünsche mir einfach, dass die Vor- und Nachteile klar erarbeitet werden.

Appell von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob

Auch der Berchtesgadener Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob kritisierte den Plan, die Mittelschule möglicherweise aus Berchtesgaden auszugliedern. "Es sind viele wichtige und richtige Punkte gefallen. Die Mittelschule war immer in Berchtesgaden und wurde von der Bildungspolitik arg gebäutelt. Die Ursünde war die Einführung, der R6, seitdem herrscht ein immenser Druck. Nun entfernt Ihr die Schule aus unserer Mitte, aus einem historisch gewachsenen Zentrum. Als Pfarrer habe ich auch ein wichtiges Schulseelsorgethema. Und da Bischofswiesen sowieso ein neues Rathaus bauen möchte, warum zieht das Bischofswiesener Rathaus nicht in den Gebäudekomplex der Mittelschule und man führt die Mittelschulen in Berchtesgaden zusammen?"

Sind die Randgemeinden schlechter?

Noch bevor Franz Rasp hier eine Antwort geben konnte, mischte sich Thomas Weber, der Bürgermeister von Bischofswiesen ein und klagte, dass auch sie als Gemeinde in keiner angenehmen Situation seien. "Wir sind noch nicht mal richtig im Verbund und können nicht mit abstimmen. Egal wie der Verband entscheidet, können wir nur tatenlos zusehen. 

Und warum soll es für die Berchtesgadener Kinder schlecht sein, in Bischofswiesen unterrichtet zu werden? Sind wir Randgemeinden etwa schlechter? Wir sind auch ein Mitglied in der Gemeindefamilie, aber wie derzeit in der Öffentlichkeit über uns diskutiert wird ist häufig sehr irritierend. 

Wir müssen mit der Realität leben

Auch Hans Metzenleitner, der Schulleiter der Mittelschule in Bischofswiesen ergriff das Wort: "Wir müssen mit der Realität leben. In den letzten Jahren wurde systematischer Raubbau mit den Mittelschulen betrieben. Die Übertrittszahlen an die anderen beiden Schulsysteme waren gigantisch. Uns bleibt gerade noch ein Drittel der Schüler, mit abnehmender Tendenz. 

In anderen Landkreisen gibt es viele Mittelschulen nicht mehr. Ich glaube, wir müssen froh sein, jetzt die Entscheidung einer Zusammenlegung zu treffen, bevor beide Standorte ausbluten. Auf Dauer kann man qualitativ gesehen nur gewinnen, wenn wir uns auf einen Standort konzentrieren. So schön es wäre beide Standorte aufrechtzuerhalten, aber der Druck ist einfach zu hoch

Demokratische Entscheidung?

Viele Fragen und eine mehr oder weniger gleichbleibende Antwort von Franz Rasp beendete die Diskussion nach zwei Stunden:" Dieser Prozess ist ein demokratischer Prozess. Wir können nicht mehr tun als es in die Gemeinden zu tragen

Ich möchte die Diskussion nicht rein an den Zahlen aufhängen. Berchtesgaden würde es schaffen, wenn die Schule hier bleibt, aber wir sind nicht alleine im Talkessel und wir sind nichts Besseres. Das ist eine Diskussion, die alle Gemeinden angeht und die interkommunal geführt werden muss."

Wie geht es nun weiter?

Donnerstagnachmittag wird es ein weiteres Gespräch zwischen Franz Rasp und dem Elternbeirat geben. In den kommenden Wochen diskutieren die betroffenen Gemeinderäte welche Vor- und Nachteile die einzelnen Standorte bieten um sich dann für einen Standort zu entscheiden. 

Insgesamt sechs Stimmen können abgegeben werden. Was allerdings zu einer Pattsituation führen kann. Stimmberechtigt ist die Marktgemeinde Berchtesgaden und Schönau haben jeweils zwei Stimmen,  sowie die Gemeinden Marktschellenberg, Schönau (2) und Ramsau mit jeweils einer Stimme.

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