Unternehmen stellten 2015 mehr Lehrlinge ein

"Azubi-Rekrutierung wird für Betriebe zur Herausforderung"

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Landkreis Berchtesgadener Land - Entgegen dem Trend stellten Unternehmen im Landkreis 2015 mehr Lehrlinge ein. Auf die duale Ausbildung soll wieder mehr Wert gelegt werden.

Im Berchtesgadener Land absolvieren wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung: Insgesamt stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung im vergangenen Jahr 369 Auszubildende neu ein, 12,5 Prozent mehr als im Jahr 2014. Damit koppelt sich der Landkreis deutlich vom oberbayerischen Trend ab. Hier ging die Anzahl der Neu-Verträge um 0,3 Prozent zurück. Dies geht aus der aktuellen Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern für das Jahr 2015 hervor.

"Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es wird auch für die Betriebe im Landkreis immer schwieriger, geeignete und genügend Azubis zu rekrutieren", sagt Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Gremiums Berchtesgadener Land. Verstärkt ausgebildet wird im Landkreis vor allem in den gewerblich-technischen Berufen (plus 31 Prozent) und hier allen voran in der Metalltechnik (58 Neu-Verträge/ Vorjahr 46) und in der Elektrotechnik (20 Neu-Verträge/Vorjahr 9). Aber auch Ausbildungen in den kaufmännischen Berufen haben zugenommen (plus 6,8 Prozent). Dabei konnten insbesondere der Einzelhandel (92 Neu-Verträge/Vorjahr 70) und das Hotel- und Gastgewerbe (58 Neu-Verträge/Vorjahr 50) mehr Lehrlinge einstellen.

"Duale Ausbildung wieder als attraktive Alternative zum Studium wahrnehmen"

"Trotz dieser erfreulichen Bilanz ist es höchste Zeit, zu handeln. Ansonsten läuft uns langfristig der Fachkräftemangel aus dem Ruder", mahnt Wagner. Erforderlich seien vor allem gesellschaftliches Umdenken und die Abkehr vom vorherrschenden Akademisierungswahn. "Die duale Ausbildung muss wieder als attraktive und echte Alternative zum Studium wahrgenommen werden", fordert die Gremiumsvorsitzende. Noch immer würden die Karrierechancen nach der betrieblichen Ausbildung und die Fortbildungsmöglichkeiten über Meisterkurse bis zum Hochschulstudium unterschätzt.

Zugleich müsse die rasche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt weiter vorangetrieben werden. "Das von den bayerischen IHKs entwickelte '3+2 Modell' hat letztendlich bewirkt, dass Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, nicht nur für die Dauer ihrer dreijährigen Ausbildungszeit ein Bleiberecht haben, sondern darüber hinaus auch in den folgenden zwei Jahren nicht abgeschoben werden dürfen", so die IHK-Gremiumsvorsitzende.

Wirtschaft wird in Vorleistung gehen

Derzeit erlernen im Landkreis Berchtesgadener Land 62 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den insgesamt 924 Auszubildenden in IHK-Berufen liegt momentan bei 6,7 Prozent. In drei Berufsintegrationsklassen werden außerdem mehr als 50 jugendliche Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet.

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die Wirtschaft selbst in Vorleistung gehen: Dazu stellen die bayerischen IHKs acht Millionen Euro für berufs- und ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den Aufbau von Unterstützungsstrukturen oder die spezifische Fortbildung von Ausbildern für Flüchtlinge zur Verfügung. Dazu hat die IHK einen ersten Leitfaden mit allen wichtigen Informationen rund um die Themen Ausbildung und Beschäftigung von Asylbewerbern zusammengestellt (abrufbar unter www.muenchen.ihk.de/fluechtlinge). "All diese Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel werden aber erst langfristig greifen", betont Wagner.

Insgesamt sind zurzeit 237 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis in der Ausbildung aktiv und stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

Pressemitteilung IHK München und Oberbayern

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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