Landwirte im Berchtesgadener Land kämpfen

Bedroht der Maiswurzelbohrer unsere Landwirtschaft?

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Der Maiswurzelbohrer bei der Arbeit im Maisfeld

Berchtesgadener Land - Der Maiswurzelbohrer bedroht die Landwirtschaft im Berchtesgadener Land. Monokulturen fördern die Ausbreitung des Schädlings. Welche Maßnahmen müssen unsere Landwirte jetzt ergreifen?

Der Maiswurzelbohrer ist klein aber gemein und weltweit gefürchtet. Weil er besonders gern Maisanbauten befällt, sind Monokulturen am stärksten betroffen. Auch deshalb, weil er gegen klassische Insektizide mittlerweile resistent ist. Um ihn effektiv bekämpfen zu können, muss man die Lebensgewohnheiten des Schädlings kennen. Erst dann lässt sich seine eigene Nahrungskette und die seiner Larven unterbrechen. Das aber ist keine leichte Aufgabe, wie uns Professor Dr. Michael Zellner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) exklusiv für bgland24.de erklärt. „Mit Insektiziden jedenfalls nicht“, so der Schädlingsexperte.

Resistent gegen Insektizide?

„Damit lassen sich der Populationsaufbau und auch Ertragsausfälle nicht im notwendigen Maß verhindern.“ Unabhängig davon sind in Deutschland auch keine chemischen Pflanzenschutzmittel gegen den Westlichen Maiswurzelbohrer zugelassen, mahnt er. Erschwerend kommt hinzu, dass der Maiswurzelbohrer in den USA bisher sehr schnell Resistenzen gegen die eingesetzten insektiziden Wirkstoffe entwickeln konnte. In Europa wurden bisher noch keine Resistenzen des Schädlings gegen Insektizide festgestellt. Wie aber lässt sich der Schädling effektiv bekämpfen?

Weg von der Maismonokultur

Wie schützen sich Landwirte vor dem Schädling Maiswurzelbohrer? Professor Zellner sieht als derzeit effektivste Möglichkeit im Kampf gegen den Maiswurzelbohrer den Fruchtwechsel. Im Klartext bedeutet das: „Weg von der Maismonokultur!“ Die Eiablage der Weibchen erfolgt im Wesentlichen in Maisfeldern und die zu über 99 Prozent im Folgejahr schlüpfenden Larven sind für ihre weitere Entwicklung bis hin zum Käfer auf Maiswurzeln angewiesen. „Ohne Mais nach Mais sterben die Junglarven im Boden ab und der Schädling kann sich somit nicht vermehren und eine Populationsstärke aufbauen die für die Maispflanze gefährlich werden könnte.“ 

Monitoring in Bayern

Wie stark ist das Berchtesgadener Land vom Maiswurzelbohrer betroffen? Um einen Überblick über das Befallsgeschehen zu haben, lohnt ein Blick in das sogenannte Pheromonfallen-Monitoring. (Auszüge liegen der Redaktion vor) Dieses wurde in Bayern im Jahr 2015 an 248 Standorten durchgeführt. Bayernweit wurden dabei im vergangenen Jahr insgesamt 1045 Käfer gefangen. Die höchsten Käferzahlen wurden dabei im südlichen Ober- und Niederbayern beobachtet. Häufig lagen dort die Fangzahlen bei 20 und mehr Käfern/Standort. Der höchste Wert musste mit 215 Käfer/Fallenstandort im Landkreis Berchtesgadener Land festgestellt werden.

Prof. Dr. Michael Zellner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erklärt:  „Landwirte, die auf derselben Fläche nur alle zwei bis drei Jahre Mais anbauen, haben durch den Wurzelbohrer keine nennenswerten Schäden zu befürchten.“ 

Prof. Dr. Michael Zellner

Um niedrige Käferzahlen und damit ein geringes Schadrisiko in Bayern sicherstellen zu können, wird von der amtlichen Pflanzenschutzberatung für den Westlichen Maiswurzelbohrer auf die Einhaltung einer Fruchtfolge von maximal zweimal Mais in drei Jahren dringend empfohlen. Dazu erklärt Professor Zellner: „Nach den Erfahrungen in anderen Ländern lässt sich sagen: Landwirte, die auf derselben Fläche nur alle zwei bis drei Jahre Mais anbauen, haben durch den Wurzelbohrer keine nennenswerten Schäden zu befürchten und es sind auch bei etabliertem Befall keine anderen Abwehrmaßnahmen erforderlich“. Übertragen auf die bayerische Maisanbausituation bedeutet dies, dass nur die Maisflächen als gefährdet anzusehen sind in denen regelmäßig Mais nach Mais angebaut wird. 

Wissenswertes über den Maiswurzelbohrer 

Der westlichen Maiswurzelbohrer ist ein 5 bis 7 mm langer, gelb bis rostbraun gefärbten Käfer mit dunklen Streifen auf den Flügeldecken. Er ist in Nordamerika weit verbreitet und verursacht dort für die Landwirtschaft jedes Jahr Kosten von mehr als einer Milliarde US-Dollar aufgrund von Ernteausfällen und Aufwendungen für Pflanzenschutzmittel. 1992 wurde der Schädling erstmals in Europa registriert. Pro Jahr legt das Weibchen zwischen Ende Juli und September circa 500 Eier in den Boden. Im Folgejahr schlüpfen die Larven und beginnen sofort mit dem Fraß an den Maiswurzeln. 

Energieverlust der Maispflanze

Die Folge: Die Standfestigkeit der Pflanze sowie die Wasser- und Nahrungsaufnahme werden dauerhaft beeinträchtigt und häufig tritt Wurzelfäule auf. Die Pflanze versucht den Wurzelverlust mit Neubildung zu kompensieren und verliert dadurch wertvolle Energie, die sie eigentlich für den Aufbau und die Ausbildung der oberirdischen, ertragsbildenden Pflanzenteile benötigt. Je nach Niederschlagsmenge kann der Befall einen Ertragsausfall zwischen 30 - 90% nach sich ziehen. Ist die Verpuppungsphase abgeschlossen, erscheinen ab Mitte Juli die ersten Käfer in den Maisfeldern, die sich zunächst von den Narbenfäden ernähren, die eigentlich den Pollen zur Bestäubung dienen. Die Folge: Weniger bis gar keine Maiskörner werden gebildet.

Petra Sobinger

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