Freifunk-Projekt "Inn-Salzach"

Innovation soll bei Integration von Flüchtlingen helfen

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Landkreis - Martin Schön hat ein innovatives Projekt gestartet, das den Zugang zum Freifunk in der Region gewährt. Was das mit den Flüchtlingen zu tun hat, lesen Sie hier:

Mittlerweile liefern über 100 Einwahlknoten unter anderem in Bischofshofen/Werfen, Berchtesgaden, Reit im Winkl, Freilassing, Waging, Traunreut bis Obing, Bad Endorf kostenlosen Zugang ins Internet. Neben kostenlosem Internet auf öffentlichen Plätzen, in Cafés usw. werden in Bischofswiesen, Bad Reichenhall, Grabenstätt, Reit im Winkl, Traunreut, Freilassing und Prien oft mehrere größere und kleinere Unterkünfte mit freiem Internet via Freifunk beliefert. Keine andere Innovationsidee könnte in einer Gemeinschaftsaktion mit so wenig finanziellem Einsatz so effektvoll umgesetzt werden. Und außerdem stellt sich die Frage: Wer eigentlich geht zum kostenlosen Surfen zum Finanzamt?

Kostenfreie Zugangspunkte ins Netz

Seit Frühsommer 2014 hat man in Bad Reichenhall an vielen Stellen in der City die Möglichkeit, sich mit einem Smartphone, Notebook oder Tablet in einen kostenlosen Internetzugang der bundesweiten Initiative „Freifunk“ einzubuchen. D ieser Service, erstellt von einer Initiative Freiwilliger unter Führung des Piraten Martin Schön, wurde inzwischen auf die gesamte Region Inn-Salzach ausgedehnt. Deutschlandweit stellen schon seit Jahren jeweils regionale Freifunkgruppen spezielle WLAN- bzw. WIFI-Sendestationen (Router) zur Verfügung, die man an einem vorhandenen Internetanschluss ansteckt und senden lässt. Diese Router erlauben ganz unkompliziert die Einwahl ins Internet. Sie bilden auch verteilt aufgestellt automatisch Maschenverbindungen (Repeater), wenn es darum geht, den Zugang über weitere Flächen verfügbar zu machen.

Durch Freifunk wird ein einheitlicher, kostenloser, werbefreier und störerhaftungsbefreiter Zugang zum Internet möglich. Die Nutzer von Freifunk wählen bei den Einstellungen ihrer Smartphones, Pads und Notebooks eine „Freifunk“-Kennung. In unserer Region ist das überall „inn-salzach.freifunk.net“. Wer sich einmal in Bischofshofen (Österreich, Salzach) eingebucht hat, ist auch am Bahnhof in Bad Endorf drin. Der entstehende Datenverkehr wird durch eine Kette von Freifunk-eigenen Servern ins offene Internet geleitet, also „befreit“ von Hinweisen und Dokumentationen (IP) zum lokalen Anbieter. Somit entsteht ein sicherer Schutz vor der allseits gefürchteten Störerhaftung.

Beispielsweise wurde in der Buchhandlung im Berchtesgadener Bahnhof ein solcher Freifunk-Router zu 20 € an die Decke gehängt. Vom Busbahnhof, aus der Wartehalle sowie vom Gleisbereich verbinden sich zu Stoßzeiten schon mal 25 Geräte mit diesem Sender. Am Freilassinger Bahnhof sind das oft über 100 parallele Zugriffe, wenn dort Flüchtlinge umsteigen. Hier hilft ein zusätzlicher Router zu 80 € für eine noch weitere Verbreitung über den Bahnsteig. Die Freifunk-Bewegung möchte allen und überall Zugang zu Daten, Information, Wissen und Bildung zu ermöglichen.

Integration von Flüchtlingen soll gefördert werden

Allerdings ist gegenwärtig der häufigste Anlass für Freifunk-Installationen, das Risiko der Störerhaftung auszuschließen. In einer Überschrift vom Wochenende heißt es „Flüchtlinge geraten wegen Filesharings ins Visier der Massenabmahner“. Freundliche Nachbarn von Unterkünften, die Gutes tun wollten und ihre Internet-Zugänge den neuen Nachbarn unkompliziert zur Verfügung stellten, machen nun eine teure Erfahrung und erhalten eine kaum abweisbare kostenpflichtige Abmahnung von Rechtsanwälten, weil sie es nicht unterbunden haben, ihren Anschluss zum illegalen Verbreiten oder Konsum von Musik zu nutzen. Freifunk kommt aktuell eine bedeutende Position zu, wenn man z.B. daran denkt, in Zukunft den großen Vorrat an Bildungsangeboten im Internet für einige Hunderttausend neuankommende Flüchtlinge schnell und voraussetzungsarm, ohne Abmahnungsrisiko zu erschließen.

Martin Schön will mit seinem Projekt unter anderem die Integration der Flüchtlinge fördern. Mit Hilfe von Bildungsseiten und Kursen wie "Gratis Online Lernen" (Links im Anhang) sollen Flüchtlingen über den Freifunk der Zugang zu Bildung gestattet werden. Neben Flüchtlingen können auch allgemein Weiterbildungsinteressierte und Flüchtlingshelfer von diesen Einrichtungen profitieren.

Pressemeldung Freifunk Innsalzach/sh

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

Zurück zur Übersicht: Landkreis BGL

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser