Interviewserie mit Michaela Kaniber Teil II

Migrantenkinder im Landkreis Berchtesgaden – Erfolgreiche Integration?

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Interview mit Michaela Kaniber

Berchtesgadener Land – Hunderte von Flüchtlingskindern sind in den vergangenen Monaten ins Berchtesgadener Land gekommen. Wie funktioniert eigentlich die Integration von Kindern in ein neues Leben?

Bei den Flüchtlingswellen der letzten Monate, waren auch viele Kinder darunter die zu uns in Land gekommen. Teilweise als Alleinreisende, der Großteil aber zusammen mit der Mutter oder der ganzen Familie. 

Diese Kinder haben auf der Flucht viele Strapazen erleiden müssen und vieles ertragen. Nun sind sie in Deutschland angekommen. Wie alle Kinder sollen und wollen auch sie einfach nur spielen, toben, sich einleben und neue Freunde finden. 

Im Rahmen unserer Interviewserie mit Michaela Kaniber haben wir die Landtagsabgeordnete gefragt, welche Herausforderungen die Integration so vieler Kinder mit sich bringt und wie diese im Landkreis gelöst wurden oder werden. 

Frau Kaniber, wie viele minderjährige Flüchtlingskinder und in welcher Altersstufe leben derzeit bei uns im Landkreis?

Michaela Kaniber: Es leben aktuell 317 Asylbewerber im Landkreis Berchtesgadener Land, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. 

Ein erfolgreicher Ansatz der Integration gelingt in der Regel über die Kinder recht einfach. Welche Maßnahmen bzw. welche Integrationsangebote sind bei uns verfügbar? Ich denke da an Sportkurse, Bastelkurse für Frauen oder ähnliches? Welche Projekte gibt es speziell im Berchtesgadener Land um den Kindern die Integration zu erleichtern? 

Michaela Kaniber: In der Tat, wenn man es schafft die Kinder zu integrieren oder für etwas zu begeistern, dann erleichtert das auch vielen Frauen den Einstieg in die neue Kultur, bzw. ihre neue Umgebung. Wir haben viele Projekte, ein Projekt gefällt mir persönlich besonders gut, dass „Projekt Heroes“. Hier werden junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund zu Rollenvorbildern für Gleichstellung und dem Thema Menschenrechte ausgebildet. Die Ausbildung dauert ein knappes Jahr. Anschließend gehen die „jungen Heroes“ in Schulen, Jugendzentren und Flüchtlingsheime in denen minderjährige Flüchtlingskinder wohnen. Der Vorteil ist, dass sie aufgrund der Muttersprache und des Alters ganz anders mit den Kindern kommunizieren können, wie zum Beispiel ein deutscher Flüchtlingshelfer. Kinder vertrauen sich Kindern oder Jugendlichen in der Regel eher an und vertrauen ihnen auch eher. Die „jungen Heroes“ können dadurch die Kinder ganz anders auffangen, wenn es um Kinderschutz oder Kinderrechte geht. Aus unserem eigenen Alltag mit Kindern in Kindergarten und Schule wissen wir ja auch, dass Kinder von Kindern lernen, das ist auch hier der Fall. 

Was genau lernen die „jungen Heroes“ in ihrer Ausbildung? 

Michaela Kaniber: Die jungen Frauen und Männer unterstützen die Gleichaltrigen dabei, sich aktiv mit ihren eigenen und den Traditionen im Gastland auseinanderzusetzen, sie klären auf über demokratische Grundwerte, die Gleichstellung von Frauen und Männern, Gewaltfreiheit und Menschenrechte. Außerdem betonen sie immer wieder auch die Frauenrechte und machen die Kinder stark gegen die Unterdrückung von Frauen. Bekommen die „Heroes“ mit, dass Mädchen oder Frauen in Opferrollen gedrängt werden, dann können die Heroes eingreifen und sich bei Bedarf auch Hilfe bei übergeordneten Stellen holen. 

Wie kann man hier die Mütter einbinden?

Michaela Kaniber: Die Mütter werden über das, was die Kinder lernen oder anschließend erzählen, automatisch eingebunden. Es gibt aber auch eine Kampagne, die sich speziell an die Mütter richtet. Hier meine ich „Starke Kinder, starke Mütter“. Dabei werden die Mütter aufgeklärt, welche Rechte sie haben und dementsprechend gefördert und unterstützt. Wie bei allen anderen Dingen, die Kinder von ihren Müttern lernen ist das auch hier der Fall. Die Kinder übernehmen dieses Wissen von ihren Müttern und wachsen ganz anders auf. Die Mädchen sind wesentlich stärker und die Jungs wachsen in ein gleichgeschlechtliches Rollenbild hinein. 

Wie schaut es mit den kirchlichen Verbänden, bzw. Vereinen aus? Gibt es von dieser Seite auch spezielle Kinderintegrationsprogramme? 

Michaela Kaniber: Selbstverständlich unterstützen die kirchlichen Vereine wie Kolping, Caritas, etc. auch hier. Genau wie die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer(-kreise). Ein schönes Beispiel ist hier auch das Café International von Ilse Rothstein. Hier geschieht die Integration ganz alltäglich übers Essen, bei Gesprächen, etc. Die unterschiedlichen Kulturen lernen sich beim Essen kennen, bei gemeinsamen Frühstücken, sie lernen gegenseitig die Bräuche und Kulturen kennen und vieles mehr. Hierbei wird alles besprochen, was benötigt wird. Zum Beispiel: Wer braucht ein Radl oder eine Sozialberatung, wer braucht Hilfe bei einem BAMF-Antrag oder ähnliches. 

Wie schaut es mit den Sportvereinen aus? Gibt es hier auch Förderungsmaßnahmen oder ist das eher schwierig? 

Michaela Kaniber: Das wäre mein nächstes Beispiel gewesen, denn hier leisten die Sportvereine wahrlich ganze Arbeit und bieten den jungen Flüchtlingen viel Unterstützung. Über Sport geht bei uns im Landkreis wahnsinnig viel. Hier wird vor allem auf beiden Seiten gegeben und genommen. Das bringt dann beiden Seiten etwas. Die Flüchtlinge werden integriert und aufgenommen und erfahren jede Menge Unterstützung. Die Sportvereine wiederum freuen sich über die Erfolge, die die Sportler erzielen. Insbesondere bei Sportarten wie Leichtathletik, Fussball und Schwimmen haben sich die Neuzugänge schon hervorragend bewährt.

Welche Herausforderungen es für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsalltag gibt, lesen Sie in unserem nächsten Interview mit Michaela Kaniber.

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