Bedarfsplan - welche Gemeinde braucht ihn?

Wie viel Feuerwehr braucht eine Gemeinde?

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Berchtesgadener Land - Wie viel Feuerwehr braucht eine Gemeinde wirklich? Eine Frage, die oft in den kommunalen Gremien diskutiert wird. Im Berchtesgadener Land liegt die Antwort für viele im Feuerwehrbedarfsplan.

Meistens dann, wenn eine größere Anschaffung für die Feuerwehr im Raum steht, oder die Erhaltung eines kleinen zusätzlichen Standortes in einer Gemeinde diskutiert wird, taucht die Frage auf: Brauchen wir das? Um eine klare Antwort darauf zu finden, ist in Bayern ein Merkblatt erarbeitet worden, der so genannte Feuerwehrbedarfsplan.

Unumstritten ist das Konzeptpapier nicht. Während es die einen Gemeinden bestätigt, müssen andere tief in die Tasche greifen, um ihre Pflichten zu erfüllen. Doch "Feuerwehr muss für uns leistbar sein", bringt es Ramsaus Geschäftsleiter Martin Willeitner auf den Punkt. Seine Gemeinde hat einen Feuerwehrbedarfsplan von einer Fachfirma erstellen lassen. Das Ergebnis: "Wir müssen unseren Standort aufrüsten." Rund eine Million muss die kleine Gemeinde dafür aufbringen. "Der Neubau und Umzug des Bauhof ist da nicht mit eingerechnet", so Willeitner. Bisher waren nämlich Feuerwehr und Bauhof in einem Gebäude untergebracht.

Zehnminütige Hilfsfrist muss eingehalten werden

Der Neubau des Feuerwehrhauses war in Laufen bereits geplant. "Der Feuerwehrbedarfsplan hat den Standort bestätigt", zeigt sich Geschäftsleiter Christian Reiter erfreut. Und auch eine immer wieder diskutierte Frage klar beantwortet: "Der Standort Leobendorf ist für uns verpflichtend", bestätigt Reiter. "Wir werden ihn halten, sichern und gegebenenfalls auch ausbauen." Ohne den Standort Leobendorf kann nämlich die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten nicht gehalten werden.

"Grundsätzlich soll jede Einsatzstelle an einer Straße in höchstens zehn Minuten nach Eingang der Meldung bei der Alarm auslösenden Stelle von einer gemeindlichen Feuerwehr erreicht werden", erklärt Kreisbrandrat Josef Kaltner auf Anfrage von BGLand24. "Die zehn Minuten gliedern sich in ca. 1 1/2 Minuten Dispositionszeit bei der Integrierten Leitstelle, dann piepsen die Funkmeldeempfänger. Zwischen 3 1/2 und 5 Minuten benötigt eine freiwillige Feuerwehr bis das erste Einsatzfahrzeug aus dem Feuerwehrgerätehaus heraus fährt. Somit verbleiben noch ca. 3 1/2 bis 5 Minuten Fahrzeit um die Einsatzstelle zu erreichen."

Die Hilfsfristen können in Berchtesgaden mit der Hauptwache und den beiden Gerätehäusern in den Ortsteilen Oberau und Maria Gern eingehalten werden. Auch sonst ist die Feuerwehr gut aufgestellt. "Der Feuerwehrbedarfsplan hat grundsätzlich unseren Bedarf bestätigt", so Kommandant Thomas Pfnür im BGLand24-Interview. "Aber auch wir müssen viele kleine Maßnahmen umsetzen."

Bebauung, Gewässer, Straße und Schiene

Neben der zehnminütigen Hilfsfrist werden beim Feuerwehrbedarfsplan nämlich auch Art, Höhe und Alter der Bebauung, das Risiko von technischen Einsätzen, die vorhandenen Naturgefahren, die Gewässer, die Autobahnen, die Bundesstraßen, der Schienenverkehr, die Krankenhäuser und Heime und viele andere Faktoren berücksichtigt. "Sie bestimmen die notwendige Vorhaltung an Einsatzmitteln und auch die der entsprechenden Anzahl von Einsatzkräften", weiß der Kreisbrandrat. Es ist für die Gemeinden also auch ein Stück Sicherheit, einen Feuerwehrbedarfsplan aufzustellen.

Neben Ramsau, Laufen und Berchtesgaden ist auch die Gemeinde Schönau am Königssee fast fertig mit ihrem Feuerwehrbedarfsplan. "Derzeit kann man sagen, dass die Ausstattungen unserer Feuerwehren Schönau und Königssee nach der Bewertung des Fachbüros zur Aufgabenbewältigung angebracht und ausreichend sind", gibt Geschäftsleiter Andreas Huber einen Einblick. "Nachdem das alte Feuerwehrhaus der Königsseer Wehr nach heutigen Standards aber geräumiger ausfallen müsste, wird man dieser Wehr über kurz oder lang ein neues „Zuhause“ geben müssen; die Standortfrage ist aber noch nicht geklärt."

In Anger hat man die Grundlagenermittlung für den Feuerwehrbedarfsplan durchgeführt und beschlossen, eine Fachfirma mit der Ausarbeitung zu betrauen. In Bischofswiesen und Marktschellenberg ist man noch dabei. Auch in Schneizlreuth hat sich der Gemeinderat dafür entschieden, einen Bedarfsplan aufzustellen. Bayerisch Gmain will im kommenden Jahr darüber abstimmen. Saaldorf-Surheim, Teisendorf und Bad Reichenhall haben einen langfristigen Investitonsplan für die Feuerwehr und können deshalb auf einen Bedarfsplan verzichten, ebenso Freilassing und Ainring. In Piding sieht man derzeit keine Notwendigkeit, wird aber im kommenden Jahr erneut darüber diskutieren müssen.

Jeder Ortsteil hat seine eigene Feuerwehr: Ist das zu viel des Guten?

cz

Rubriklistenbild: © dpa - picture alliance/Symbolbild

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