Chaos und Unmut am Berchtesgadener Bahnhof 

"Do kimmt koana mehr"

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Berchtesgaden -  Wird der Bahnverkehr aufgrund von Bauarbeiten am Schienensystem unterbrochen, dann springt der Schienenersatzverkehr ein und befördert die Fahrgäste. Was aber wenn der Bus nicht kommt?

"Da kimmt koana mehr!" - Mit einem Achselzucken erklärt die Dame, die vergangenen Sonntag als Busbegleitung im Schienenersatzverkehr von Berchtesgaden nach Freilassing fahren sollte, den rund 20 wartenden Gästen die Panne.

Was ist geschehen?

Sonntagabend, "Tatort" Berchtesgaden Hauptbahnhof. Eigentlich sollte um 20:10 Uhr ein SEV (Schienenersatzverkehr)-Bus Zuggäste vom Hauptbahnhof Berchtesgaden nach Freilassing fahren

Doch die Leute warten vergeblich, denn es kommt kein Bus. Mehr als nur ärgerlich, denn viele von ihnen müssen nach München und haben dort noch weitere Anschlüsse. Etwa Hanna, die "heute noch nach Genf fahren muss". 

Weil es seitens der Bahngesellschaft keinerlei Informationen gibt, staut sich langsam die Wut. Laut Fahrplan fährt der nächste Bus um 21:55 Uhr. Keine wirklich Alternative, vor allem für diejenigen Passagiere, die von Freilassing eigentlich per Anschlusszug nach München wollen. Sie wären dann erst um 0:57 Uhr in München. Und wer kann hier vor Ort garantieren, dass nicht auch dieser Bus ausfällt?

Persönliches Engagement

Aber - es gibt ja glücklicherweise eine Retterin in der Not. Nämlich: Die Zugbegleiterin! Dank ihrem Engagement bekommen die Wartenden in ihrer Not immerhin die ein oder andere Information, da sie sich selber spontan ans Telefon hängt um Informationen einzuholen und die wartenden Fahrgäste informiert. Und das sogar in Deutsch und Englisch! Weshalb allerdings der Bus nicht gekommen, kann auch sie den Fahrgästen nicht erklären.

Unmut unter den Passagieren

„Das ist die zweite, ärgerliche Panne innerhalb von 5 Monaten, die ich erleben musste. Anfang April hat uns ein Busfahrer in Freilassing einfach stehen lassen, obschon wir ein Ticket für den Bus hatten. Grantig hat er uns des Busses verwiesen", so der Münchener Auto- und Reisejournalist Andreas Burkert.

"Ich musste dann in Freilassing mit meinem 12-Jährigen knapp 2 Stunden warten – auch weil ein planmäßig vorgesehener Bus nicht gekommen ist. Ich frage mich, wer organisiert das oder sparen sich die Busunternehmen einfach die Fahrt, weil es sich nicht lohnt? Dass es nun am Sonntag ohne Tumulte ablief, war im Übrigen nur der sehr kompetenten und engagierten Dame zu verdanken, die als Begleitung um 20:10 mitfahren sollte. Seitens des Bahnbetreibers gab es nämlich keine Auskunft

An dieser Stelle möchte ich übrigens meinen Ärger noch darüber kundtun, dass ich bis heute keine Entschädigung für das Sitzenlassen bekommen habe. Dabei hat die Bahn den Fehler eingestanden. Vielleicht liest ja der „gemeine“ Busfahrer, der uns sitzen hat lassen, diese Meldung und entschuldigt sich", so Burkert weiter.

Lösung auf vier Rädern

Endlich: Gegen 20:30 Uhr kommt ein Bus aus Freilassing nach Berchtesgaden und bringt Zuggäste zum Hauptbahnhof. Eigentlich soll er im Anschluss als sogenannte Leerfahrt ohne Passagiere nach Freilassing fahren. Dank der engagierten Zugbegleiterin lässt sich der Fahrer aber umstimmen und erklärt sich bereit, die Fahrgäste mitzunehmen

Und nicht nur das! Anstatt wie geplant erst nach 21:00 Uhr Berchtesgaden mit dem Ziel Freilassing zu verlassen, lässt er die Wartenden unverzüglich einsteigen und macht sich wieder auf nach Freilassing.Für die Fahrgäste, die in Freilassing den Anschlusszug nach München erwischen müssen ein wahrer Nervenkitzel, denn dieser soll in gerade einmal einer Dreiviertelstunde später den Bahnhof Freilassing verlassen. 

Und der Bus kann nicht direkt nach Freilassing durchfahren, da diverse Passagiere unterwegs noch an diversen Haltestellen aussteigen wollen.

Ende gut - (fast) alles gut

Zwei Minuten vor der geplanten Abfahrt des Zuges erreicht der Bus schließlich Freilassing. Nicht zuletzt durch das Engagement der Zugbegleiterin, die nicht nur dafür gesorgt hat, dass der Bus die Passagiere mitnimmt, sondern den Fahrer auf seinem Weg auch noch über diverse Schleichwege und Abkürzungen geschickt hat, um die Fahrtzeit zu verkürzen.

Und was war der Grund für die Unstimmigkeiten?

Nach Rücksprache mit Jürgen Wrab, dem Örtlichen Betriebsleiter der Berchtesgadener Landbahn, war der Grund für den Busausfall ein Fahrzeugdefekt. "Unsere Zugbegleiterin hat dann quasi in Absprache mit der RVO eine Ersatzfahrt für die Reisenden organisiert

Leider ist es schwierig für unser Personal verlässliche Informationen über Unregelmäßigkeiten im Schienenersatzverkehr-Betrieb zu erhalten", so der Betriebsleiter. "Im Zeitraum von 12.09.2016 bis 14.11.2016 hat die Berchtesgadener Land Bahn die RVO mit der kompletten Leistung des Schienenersatzverkehres beauftragt. Die RVO erbringt die Leistungen mit ihrem Fuhrpark und eigenem Personal. 

Im 'Normalbetrieb' mit den eigenen Zügen der BLB, erhalten die Personale die Informationen im Störungsfall über die Zugbeleitung der Salzburger Lokalbahn. Die BLB besetzt die Busse mit Zugbegleiter/innen um den Fahrscheinverkauf zu ermöglichen, Reisendeninformation durchzuführen und um im Bedarfsfall die Anschlusszüge für die Reisenden in Freilassing zu sichern. 

Hervorzuheben ist die Eigeninitiative und das Engagement der diensthabenden Zugbegleiterin, den dadurch konnten trotz der verspäteten Abfahrt die Anschlusszüge in Freilassing erreicht werden", ergänzt Wrab.

Rubriklistenbild: © RVO Berchtesgaden / Regionalverkehr Oberbaern

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