Krakeleien sind keine Kunst

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Bad Reichenhall - Frisch gewählt hat der Jugendrat des Haus der Jugend in Bad Reichenhall am Freitag gleich eine Aktion gestartet - mit Oberbürgermeister Herbert Lackner.

"Wir übermalen heute die Graffitis in der Bahnunterführung beim Holzfeldweg, um das alles mal schöner zu gestalten und die Gerüchte gegenüber Jugendlichen zu beseitigen", erklärt Andreas Dörflinger. Der 18-jährige Kfz-Mechatroniker ist der Meinung, dass "die nicht wirklich gut ausschauen. Wenn man es drauf hat und es genehmigt wird, ist es meiner Meinung nach kein Problem, aber das ist irgendeine Krakelei, die schnell hingeschmiert worden ist und aus."

Der 15-jährige Jugendrat, Maximilian Wolf, sieht das ähnlich: "Nur Sprüche oder Parolen an die Wand zu sprühen ist keine Kunst." Auf seinem Schulweg zur HTL Itzling in Salzburg, wo er eine Ausbildung zum Elektrotechniker macht, sieht er täglich eine gesprayte Katze. "Die ist wirklich schön."

"Ich zeichne auch recht gut", verrät Andreas. "Aber sowas illegales mache ich nicht." Er kritisiert allerdings, dass die Plätze fehlen, wo die Jugendlichen sprühen dürfen. "Beim Haus der Jugend sind einige Graffitis, die mir gefallen, die sind zum Teil aber auch übermalt worden, was ich auch schade finde."

Jugendliche in Aktion

Genau diese Unterführung soll jetzt den Jugendlichen von der Stadt gezielt für Graffitis zur Verfügung gestellt werden. Auf der einen Seite soll das Thema Jugend behandelt werden, auf der anderen Seite das Thema Lebensmittel. "Wir haben Kontakt zu den Sprayern hergestellt und warten jetzt auf Vorschläge", so die Verantwortlichen. Bis zur Eröffnung der sanierten Sporthalle soll auch die Unterführung neu gestaltet sein.

Ganz neu erstrahlt auch die Bahnunterführung beim Holzfeldweg. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Herbert Lackner haben die Jugendlichen in nur einer halben Stunde alles weiß gestrichen. Die Farbe und das Material dazu hat die Stadt gestellt.

Genau die möchten die Jugendlichen auch weiter einbinden, um das Angebot für die Jugend in der Kurstadt zu verbessern. "Ich bin meistens im Proberaum vom Haus der Jugend und mach Musik mit meiner Band", erzählt Maximilian. "Man kann dort aber auch Billardspielen, Kickern, im Bistro was essen oder trinken, im Computerraum ins Internet oder die anderen vielen Möglichkeiten nutzen."

Die Jonathan Jugendhilfe hat also viel getan im Haus der Jugend, aber es gibt noch einige offene Wünsche: "Es wäre schön, wenn mehr für abends geboten wird, mehr Freizeitmöglichkeiten", wünscht sich Andreas. "Es ist nicht viel da in Bad Reichenhall. Wir haben nur das Haus der Jugend und den Skaterplatz." Deshalb sind Maximilian, Andreas und die anderen durchaus bereit, sich mit Politikern zusammenzusetzen. "Dann kann man gemeinsam überlegen, was noch gemacht werden könnte, was die Jugendlichen fordern und sich vorstellen."

Christine Zigon

Rubriklistenbild: © cz

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