Indianer treffen auf Transvestiten

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Berchtesgadener Land - Vor einer Woche haben die Grünen im Berchtesgadener Land ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Für BGLand24 blickte Gründungsmitglied Bartl Wimmer aus Berchtesgaden zurück.

Turnschuhe, Jeans und auf keinen Fall eine Krawatte - das Bild eines Joschka Fischer, der gerade vereidigt wird, prägte lange Jahre das Bild der Grünen nach außen. Nicht nur die Kleidung des ehemaligen Bundesaußenministers hat sich im Laufe der Jahre gewandelt, auch das Bild der Grünen.

"Zu unserer Gründungszeit waren wir geprägt von grundsätzlichen, globalen, phylosophischen Überlegungen", erinnert sich Wimmer. Der damals 17-Jährige Schüler wurde von Herbert Scholz angsprochen und von der Grünen-Idee überzeugt. "Es war für uns eine Ehre, dass Herbert Scholz uns dabei haben wollte."

Für Wimmer folgten also unzählige Parteitage auf denen er großen politischen Persönlichkeiten kennenlernte, aber auch skurile Dinge erlebte. "Da sind Indiander mit Transvestiten zusammen gekommen", lächelt er. "Wir haben jedem eine Plattform geboten, der sich engagieren wollte." Da sei es nicht verwunderlich gewesen, dass die Gründungsversammlung beinahe mit einer körperlichen Auseinandersetzung geendet habe. "Es war eine sehr lebendige Auseinandersetzung."

Bartl Wimmer blickt zurück...

Das ist auch bis heute ein Markenzeichen der Grünen geblieben. "Wir Bohren dicke Bretter, springen nicht auf Modetrends auf und verfolgen unsere Themen hartnäckig", erklärt der Berchtesgadener. Im Landkreis stand da zu Beginn der 80er bereits das Thema Olympia im Vordergrund. Berchtesgaden bewarb sich um die Olympischen Winterspiele 1992. Um das zu verhindern, versammelten sich die Grünen - während einer WM auf der Kunsteisbahn - auf der Insel Christlieger am Königssee. Von dort aus demonstrierten sie. "Das war die erste Inselbesetzung Deutschlands", schwelgt Wimmer in Erinnerungen. "Sie wußten nicht, wie sie uns von der Insel holen sollten, da der See teilweise zugefroren waren und keine Schiffe fahren konnten. Dass wir über einen anderen Weg gekommen sein könnten, auf die Idee kamen sie gar nicht."

Von dem Erfolg bei der Inselbesetzung beflügelt, packten die Grünen die Olympia-Gegner in einen Bus und fuhren zu der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees nach Lausanne. "Da wir uns rechtzeitig angemeldet hatten, durften wir auf das Gelände", grinst der Berchtesgadener. "Alle mussten an uns vorbei, auch der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß."

Ein weiteres Thema verfolgt die Grünen auch seit ihrer Gründerzeit - der Kirchholztunnel. Bis heute ist er nicht umgesetzt. Und auch im laufenden Planfeststellungsverfahren haben die Grünen bereits ihre Einwende eingereicht. Erfolg hatte die Partei beim Thema Müll. "Damals dachten noch alle, dass wir einfach alle drei Jahre eine neue Mülldeponie aufmachen", gibt der Kreistagsfraktionsvorsitzende noch heute zu bedenken. "Im Nachhinein sieht man bei vielen Themen, dass wir Recht hatten", sprach es und spielte auf das Thema Atomausstieg und Energiewende an. "Wir sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

Allerdings müssen auch die Grünen - wie jede Partei - um den Nachwuchs kämpfen. "Die Stimme bei einer Wahl abzugeben ist das eine, aber die wenigsten jungen Menschen wollen sich wirklich nachhaltig engagieren", bedauert Wimmer. "Da gibt es mittlerweile im Berchtesgadener Land und Traunstein überraschend positive Einflüße." Die gelte es, weiter zu fördern und dann das zweite große Ziel anzupacken: "Wir waren lange genug in der bayerischen Opposition. Wir sind soweit, die Bayerische Politik in der Regierung mitzugestalten."

cz

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