Farbe bedeutet Emotion

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Hildenbrand (l.) sucht noch nach der richtigen Harmonie im Bild. Dozent Jerry Zeniuk (r.) kann helfen.

Bad Reichenhall – Die Kunstakademie Bad Reichenhall hat einen neuen Dozenten: den amerikanischen Künstler Jerry Zeniuk.

In seinem sechstägigen Seminar will er das fundamentale Prinzip erarbeitet, das einen tiefen Zugang zum Bild ermöglicht. Dabei soll Farbe so benutzt werden, dass ein expressiver Ausdruck entsteht. Den Teilnehmern steht es frei, mit Acryl oder Öl auf Leinen oder Papier unterschiedlicher Größe zu arbeiten. Hauptsache farbig.

Es ist früher Nachmittag und Jerry Zeniuk kommt gerade mit einigen seiner Schüler aus der benachbarten Alten Saline, sie haben eine Führung durch das Salzmuseum und den Quellenbau gemacht und stürzen sich jetzt wieder an ihre Leinwände. Rupert Hildenbrand aus Konstanz hat den Pinsel in der Hand und steht kritisch vor seinem Bild. Die Farbe sei gesetzt aber der Hintergrund passe noch nicht, sagt er. Vordergrund und Hintergrund müssen gleichwertig erscheinen, nichts darf die Harmonie stören, es komme auf die Balance zwischen Farbe und Form an. Jerry Zeniuk kann seinem Schüler den entscheidenden Tipp geben und so macht sich Hildenbrand wieder an die Arbeit. „Jeder der Teilnehmer hat seinen eigenen, ganz individuellen Stil, dem ich nichts überstülpen will“, erklärt der Dozent. „Es sind ja keine Anfänger, viele malen schon seit Jahren, haben Ausstellungen oder unterrichten selbst.“

Am Arbeitsplatz von Ekkehardt Hofmann geht es rot zu. Es sei die „erste Farbe“, sie stehe für Blut und damit für Leben. Zeniuk ist sehr zufrieden mit dem was er sieht. „Durch das Rot komme ein emotionaler Ausdruck ins Bild. Es ist abstrakt und harmonisch und weil es nicht komplett ausgemalt ist, empfindet man es als leicht.“ Seine Bedeutung erfahre das Bild durch die Farbe, man fühle sich an eine Blume erinnert, ohne dass es formal eine Blume ist. Sehr viel ruhiger und einfacher, trotzdem aber ausdrucksstark wirkt dagegen das Werk von Werner Maier daneben. „Wie ein Wandanstrich, aber trotzdem in Balance und voller Spannung“, sagt er selbst. Er spüre unterm Malen, ob die Flächen miteinander in Dialog treten. Auch Kursteilnehmerin Brigitte Siebeneichler reizt das Thema Farbe. „Ohne Hilfsmittel wie Linien oder Zeichnungen eine Perspektive und Tiefe ins Bild zu bringen, ist eine neue Herausforderung für mich“.

„Jerry Zeniuk ist ein hervorragender Pädagoge und Mensch und kein abgehobener Künstler“, schwärmt Akademiedirektor Rupert Fegg über seinen neuen Dozenten. Er finde genau den richtigen Draht zu den Kursteilnehmern und das sei für einen erfolgreichen Akademiebetrieb entscheidend. Jerry Zeniuk wurde 1945 als Sohn von Flüchtlingen aus der Ukraine in einem Übergangslager bei Lüneburg geboren. Die Familie emigrierte 1950 in die Vereinigten Staaten, wo Zeniuk in Boulder, Colorado, aufwuchs und seine Ausbildung erhielt. Ende der 60er Jahre zog er nach New York, in den Siebzigern hielt er sich länger in Hamburg und Berlin auf, wo er ein Stipendium des „Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)“ wahrnahm. Auch durch Ausstellungen fasste er in Europa früh Fuß. 1992 wurde er als Professor an die Münchner Akademie der Bildenden Künste berufen. Heute lebt und arbeitet Zeniuk abwechselnd in New York und München.

Den Unterschied an einer staatlichen Hochschule junge Leute zu unterrichten oder an einer Akademie Erwachsene, beschreibt der neue Reichenhaller Akademiedozent so: „Die Älteren sind hochmotiviert, denn im Unterschied zu den Studenten haben sie nur sechs Tage zur Verfügung, keine fünf Jahre. Die Zeit nutzen sie intensiv, fangen oft schon vor dem offiziellen Beginn um 10 Uhr an und malen selbst noch in den Abend hinein.“ Außerdem brächten die Akademieteilnehmer mehr Lebenserfahrung mit, könnten sich besser organisieren und würden viele Fragen stellen, die auch für ihn interessant seien. „Ich nehme selbst viel mit aus diesen Tagen in Reichenhall“.

Pressemitteilung Kunstakademie Bad Reichenhall

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