"100 Prozent Tochter des Landkreises"

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Berchtesgadener Land - Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft feierte ihr zehnjähriges Jubiläum. Man betrachtete Vergangenheit und Zukunft.

Landkreis-GmbH zur Unterstützung der heimischen Unternehmen

Nach intensiver Diskussion im Kreistag Berchtesgadener Land, beginnend im Jahr 1999 beschloss der Kreistag 2001 die Gründung der WFG als hundert-prozentige Tochter des Landkreises. Diese wurde dann in Form einer GmbH am 1. Oktober 2002 gegründet. Der Landkreis ist Gesellschafter der WFG und wird vertreten durch Landrat Georg Grabner. Das Ziel ist, die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landkreises zu unterstützen, für Unternehmen möglichst optimale Unterstützung bei Ansiedlung, Erweiterung, Investitionen und anderen Aktivitäten (Gründung, Nachfolge, Kontakte) zu bieten.

Strategische Ausrichtung Bestandspflege

Im Laufe der Jahre änderte sich die strategische Ausrichtung der WFG: Stand Anfangs neben der allgemeinen Beratungstätigkeiten und dem Aufbau einer funktionierenden Datenbank vor allem das Bemühen und Neuansiedlungen im Vordergrund, so veränderte sich der Schwerpunkt der Tätigkeiten ab 2006 hin zu einer starken Bestandspflege, also einer möglichst optimalen Betreuung der bestehenden einheimischen Betriebe. Dies setzten die WFG-Verantwortlichen durch intensive persönliche Betreuung der Unternehmen um. Vor allem ist es auch ein wichtiges Ziel, Unternehmen aus Branchen außerhalb der klassischen Tourismuswirtschaft zu unterstützen, die den weit größeren Teil der Wertschöpfung im Landkreis erbringen.

Finanzierung nicht nur durch den Landkreis

Neben der Finanzierung durch den Landkreis wurde die WFG von Anfang an durch die einheimischen Banken Sparkasse und Volks- und Raiffeisenbank Oberbayern Südost unterstützt. Seit 2009 ist die Sparkasse alleiniger Sponsor der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Mit Aufbau verschiedener Projekte und Netzwerke wird die WFG mittlerweile auch durch Drittmittel aus Förderprogrammen und Beiträge von Unternehmen (im Netzwerk Satellitennavigation) unterstützt. So setzt sich das jährliche Gesamtbudget von bis zu 0,5 Millionen Euro mittlerweile zu je einem Drittel aus den Betriebskosten durch den Landkreis, dem Sponsoring der Sparkasse Berchtesgadener Land und Drittmitteln zusammen.

Fachbeirat repräsentiert alle Branchen

In einem vom Kreistag berufenen Fachbeirat sitzen Vertreter aus mittelständischer Wirtschaft und Industrie, Handwerk, Handel, Gesundheitswirtschaft, Tourismus und Kommunen sowie ein Vertreter des Sponsors Sparkasse. Zusammen mit dem Fachbeirat entwickelt die Geschäftsführung die zu bearbeitenden Themen und Aufgabenfelder. Der Fachbeirat gibt entsprechende Empfehlungen an den Kreistag für die weitere Arbeit der WFG.

Das WFG-Team

Das Gründungsteam bestand aus Geschäftsführer Rudolf Röhrl und der Assistentin Gabriele Noreisch ab Mitte Oktober 2002. Die ersten Jahre waren von einer intensiven Aufbauarbeit und der Schaffung organisatorischer Strukturen und Netzwerke zu Unternehmen und Institutionen geprägt. Außerdem galt es, die WFG und ihr Angebot bei Unternehmen und Bevölkerung bekannt zu machen. Im Jahr 2005 erweiterte sich das Team mit Marion Waldmann im Sekretariat, um dem gesteigerten Arbeitsaufwand der zahlreichen Aufgabenfelder gerecht zu werden. Nach der erfolgreichen Aufbauarbeit durch Rudolf Röhrl wechselte die Geschäftsführung 2006: Als neuer Geschäftsführer übernahm Dr. Thomas Birner das Ruder der WFG. Mit dem Projektmanager Lars Holstein wurde das WFG-Team 2009 noch einmal erweitert. Sein Aufgabenfeld ist der Aufbau von Technologie-Kompetenzfeldern, insbesondere im Bereich der Satellitennavigation. Temporär wird die WFG auch durch MitarbeiterInnen unterstützt, die aus Projekten finanziert werden. Aktuell ist dies Michaela Brenninger.

Wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises positiv

In den zehn Jahren der Tätigkeit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft wurden viele der vorhandenen Gewerbeflächen meist durch einheimische, aber auch neue Unternehmen belegt. Die Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen im Landkreis haben sich von 12,2, Millionen Euro 2001 auf 35 Millionen Euro 2011 nahezu verdreifacht. Die Arbeitslosenquote halbierte sich von fast sieben Prozent 2005 auf 3,61 Prozent 2011. Die wirtschaftliche Struktur des Landkreises ist aufgrund ihrer Heterogenität sehr stabil und krisensicher. Der Tourismus spielt insbesondere im südlichen Landkreis und im Vergleich zu vielen anderen ländlichen Regionen eine große Rolle, ist aber nicht der dominierende Bereich. Die Wirtschaftskraft ist hauptsächlich bedingt durch eine stark mittelständische produktionsorientierte Kleinindustrie mit vielen weltweit tätigen Unternehmen und sog. „Hidden Champions“. Dies zeigt auch eindrücklich die aktuelle Leitbetriebsstudie der EuRegio. Ergänzt werden diese durch ein starkes Handwerk und Handel (vor allem Großhandel).

Erfolgreich betreute Unternehmen

Während der zehnjährigen Arbeit wurden durch die WFG zirka 1.500 Unternehmen und Gründer betreut. Das Spektrum reicht von der Unterstützung bei Expansionen einheimischer Betriebe und Neuansiedlungen, über Fördermittelunterstützung bis hin zur Begleitung von Gründern und Unternehmensnachfolgen. Mittlerweile wurden von der WFG fast alle Unternehmen über 25 Mitarbeiter im Landkreis persönlich betreut oder es besteht Kontakt. Zwischen 0,5 und 1,5 Millionen Euro Fördermittel für kleine und mittelständische Betriebe werden pro Jahr von der WFG vermittelt. Diese induzieren entsprechend fünf bis 15 Millionen Euro an Investitionen bei diesen Betrieben. In über 180 Vorträgen und Seminaren wurden Unternehmer und Gründer über wichtige Aspekte des Geschäftslebens informiert. 

Projekte und Netzwerke zur Weiterentwicklung des Landkreises Neben der Betreuung von Unternehmen hat die WFG auch zahlreiche Projektaktivitäten im Sinne einer positiven Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Situation des Landkreises Berchtesgadener Land. So nahmen an der landkreisweiten Qualitätsoffensive mittlerweile 520 Unternehmen teil. Davon wurden bisher 110 Unternehmen von Landrat Grabner mit dem goldenen Qualitätssiegel des Landkreises ausgezeichnet. Unternehmer können über einen Stromeinkaufsring gemeinsam Strom günstiger einkaufen, sich in der Online-Gewerbedatenbank über freie Gewerbeflächen informieren oder in der PR-Offensive optimale Strategien zur Vermarktung erlernen. Mit Hilfe der nexxt-Nachfolgebörse der IHK können Unternehmer auch im Berchtesgadener Land Nachfolger suchen. Dem zentralen Problemthema Fachkräftemangel widmet sich die WFG seit Jahren zusammen mit Partnern im Rahmen von Berufs- und Ausbildungsmessen, der Berufsinformationsmesse, der Aktion Wege ins Berufleben und dem Ausbildungsatlas. Der Verbesserung der Logistikinfrastrukturen dienten Projekte wie InnoVerSys, RegioNet und EuRegio-Terminal. Aber auch bei vielen Netzwerk- und Entwicklungsthemen, wie in den Branchen Holz, IT, Ernährung oder bei Entwicklungskonzepten für die Region 18, der Region Salzburg oder für die Hotelentwicklung und Breitbanderschließung im Berchtesgadener Land war die WFG beteiligt und Mitgestalter. Auch das wichtige Themenfeld der energetischen Sanierung und Nutzung regenerativer Energien stehen mit der Etablierung eines kompetenten Handwerkernetzwerkes ganz oben auf der Agenda.

Kompetenzfeld High-Tech

Ein extrem wichtiges Feld für die WFG ist die Entwicklung von Technologie-Kompetenzfeldern. Vorzeigeprojekt ist die international erfolgreiche Initiative Satellitennavigation Berchtesgadener Land, einem Netzwerk aus regionalen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen im Themenfeld Satellitennavigation. Dieses Netzwerk ist in Europa fest verankert. Mit drei neuen Unternehmensgründungen in diesem Jahr und einer Außenstelle der Europäischen Raumfahrtagentur ist man hier auf einem sehr guten Weg.

Ausblick

Neben der Verbesserung der Infrastruktur und der Sicherung von Gewerbeflächen für die Unternehmen der Region stehen Bemühungen um eine bessere Versorgung unserer Unternehmen mit Fachkräften im Vordergrund. Die für das Berchtesgadener Land wichtige Gesundheitswirtschaft, genauso wie der Grad der energetischen Sanierung und Nutzung regenerativer Energien sollen weiter ausgebaut werden. Zur vermehrten Nutzung regenerativer Energien wird neben der baulichen Neuausrichtung auf kommunaler Planungsebene das Thema der energetischen Sanierung der bestehenden Bebauung sowie weitere nachhaltige Energiesparprojekte forciert. Aber auch der weitere Ausbau der Breitbandinfrastruktur ist ein wichtiges strategisches Ziel der Standortentwicklung. Genauso wie eine weitere gemeinsame Vermarktung des Wirtschaftsstandortes Europaregion Salzburg. Die aufgebauten guten Kontakte zu den umliegenden Hochschulen, allen voran die Technische Universität München und die Universität Salzburg sollen weiter intensiviert werden. Ziel ist, weitere Aktivitäten bei Forschung, Entwicklung und Technologie in den Landkreis zu holen. Als Einrichtung des Landkreises bietet die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ihre Leistungen mit Unterstützung der Sparkasse Berchtesgadener Land kostenlos an. Weitere Informationen unter www.wfg-bgl.info, www.satnav-bgl.eu.

Pressemitteilung Wirtschaftsförderungsgesellschaft

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