Erdbebenkatastrophe in Italien

Internationale Rettungshundestaffeln nach Italien?

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Bayern - Ein starker Erdstoß hat in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch Zentralitalien erschüttert. Weit über 200 Todesopfer wurden bereits gefunden und noch immer werden Dutzende Menschen vermisst. Werden internationale Kräfte angefordert?

Zivilschutz, Feuerwehr und freiwillige Helfer suchen nach den Verschütteten und hoffen noch viele Lebende retten zu können. 

Aber wie wird bei solch einer Katastrophe überhaupt gesucht? Ein wichtiger verlässlicher Partner sind Rettungshundestaffeln, die auch in Italien bereits zahlreich im Einsatz sind. 

Wo bleiben die deutschen Retter?

Wir haben im Rahmen der aktuellen Berichterstattung von einigen Lesern die Anfrage bekommen, warum noch immer keine deutschen Rettungsstaffeln mit ihren Hunden dort im Einsatz sind

Aber wie wird solch eine Zusammenarbeit überhaupt gesteuert? Wer schickt wen wann wohin? 

So läuft die Alarmkette 

Geschieht in einem Land ein Notfall bzw. eine Katastrophe, dann kontaktieren Hilfsorganisationen das betroffene Ministerium des Landes an und bieten ihre Hilfe an

So auch in diesem Fall. Die Bundesregierung hat Italien die Hilfe von Experten des Technischen Hilfswerks (THW) bei der Bergung von Erdbeben-Verschütteten bereits angeboten.

 Das teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin mit. Nun müsse die italienische Regierung entscheiden, ob sie das Angebot annehme. Das Ministerium entscheidet dann vor Ort, ob die eigenen Kräfte selber mit der Situation fertig werden oder ob sie Hilfe von anderen Ländern benötigen. Entscheidet das betroffene Land, dass es keine Hilfe benötigt, dann passiert erst mal nichts. 

Entscheidet das betroffene Land, dass es Hilfe von Außen benötigt, dann geschieht das in der Regel durch den ein "Hilfeleistungsersuchen". In diesem Fall wird von oberster Stelle eine für solch einen Fall vorab festgelegte Alarmierungskette in Kraft gesetzt, bei der die jeweiligen Leitstellen und Hilfsorganisationen um Hilfe gebeten werden. 

Die Führungskräfte dieser Stellen entscheiden dann, ob sie Teams in die Notfallgebiete senden können, die eine dementsprechende Ausbildung haben oder nicht. 

Bitte keine Alleingänge 

Wichtig in dieser Abfolge ist, dass die Rettungskräfte, bzw. Rettungshundeführer nicht auf eigene Faust losziehen, weil ihnen zum Beispiel der Ablauf dieser Meldekette zu lange dauert und sie unnötige Opfer befürchten, weil sie auf offiziellem Weg zu spät gekommen wären. 

Denn, so Frank Gerhards, Trainer Safety Tour: "Viele Katastrophenfälle in der Vergangenheit haben gezeigt, dass eine durchstrukturierte Organisation, die über die Behörden sichergestellt wird, in der alle Rettungskräfte von einer zentralen Stelle organisiert, geführt werden wesentlich effektiver helfen kann, wie unzählige Einzelpersonen, die auf eigene Faust ins Gebiet kommen. Die Tsunami-Katastrophe 2004 im Indischen Ozean war so ein Fall. Hier konnten unzählige Helfer gar nicht gezielt eingesetzt werden, weil niemand von ihrer Anwesenheit wusste!"

So ist der Weg in Bayern

Wie solch ein Einsatz bei uns in Bayern abläuft, bzw. welche Wege durchlaufen werden müssen, hat BGLand24.de bei Armin Dlugosch, Landesfachdienstleister des Bayerischen Roten Kreuzes, Staffelleiter einer Rettungshundestaffel und Ausbilder für Rettungshundeführer nachgefragt.

Egal ob Erdbeben, Tsunami oder Hochwasser - Katastrophen sind immer schlimm. Wie wird so eine Lage vor Ort richtig eingeschätzt?

Armin Dlugosch: Die Einschätzung der Situation vor Ort, durch betroffene Bürger oder Rettungskräfte ist immer das eine, aber um richtig einschätzen zu können, wie viele Menschen betroffen sind oder betroffen sein könnten, sind Luftbildaufnahmen sehr hilfreich. Diese werden in der Regel entweder durch Hubschrauber geliefert oder durch zentrale Organisationen, die Luftbildaufnahmen per Satellit zur Verfügung stellen. Durch solche Bilder kann man in der Regel relativ sicher hochrechnen, wie viele Menschen wie stark betroffen sein könnten und welche Hilfskräfte man braucht. 

Wer kommt und hilft?

Armin Dlugosch: Eine sehr wichtige Funktion spielen nationale klassische Rettungsorganisationen wie das Rote Kreuz, das weltweit vertreten und auch untereinander vernetzt ist. Rot Kreuz Einsätze in anderen Ländern werden über das Internationale Rote Kreuz mit Sitz in Genf koordiniert. In Italien ist das Ministerium für Zivilschutz für die Bewertung und Abarbeitung von solchen Schadenslagen zuständig. Auf internationaler Ebene ist OCHA in Wien (eine Abteilung der UNO) für die Koordinierung von Auslandshilfeleistungen sowie die EU zuständig.

Der Einsatz von Rettungshunden - wie funktioniert das?

Armin Dlugosch: Rettungshunde müssen genau wie ihre Führer eine umfangreiche Ausbildung absolvieren, bevor sie in Einsätze starten dürfen. 

In Bayern wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass ein Hund zunächst einmal 2,3 Jahre als Flächenhund arbeitet. Hierbei werden die Hunde darauf trainiert Menschen zu finden, die sich einem vordefinierten Gebiet aufhalten. Funktioniert das erfolgreich, dann kann die Ausbildung zum Trümmerhund erfolgen. Diese dauert je nach Hund weitere 1 - 1,5 Jahre. Das bedeutet ein Rettungshunde ist mit circa 4-5 Jahren einsatzbereit. Der Hund hat dann aber in der Regel auch nur eine mögliche Einsatzphase von durchschnittlich 3-4 Jahren, da Hunde mit 8,9 Jahren meist ihren Dienst quittieren.

Werden bestimmte Rassen bevorzugt?

Armin Dlugosch: Nein, die Erfahrung zeigt, dass durchschnittlich 50% Mischlingshunde und 50% Rassehunde als Rettungshund arbeiten.

Wann geht es nach Italien?

Neben dem Bayerischen Roten Kreuz gibt es noch viele andere qualifizierte Rettungsorganisationen, die mit Rettungshunden in solche Katastrophengebiete gerufen werden können. 

Auf die Frage, wie der aktuelle Stand in Italien ist, haben wir von Denn Stübling, Ingenieur für Gefahrenabwehr und IRO Einsatzreferent ein kurzes Feedback bekommen:" Die IRO als weltweiter Dachverband für 116 Rettungshundeorganisationen aus 41 Ländern steht für höchste Standards bei der Ausbildung und Zertifizierung von Rettungshunden. 

IRO-DOGS aus Salzburg

Als Kooperationspartner der UNO arbeitet die IRO nach den INSARAG Guidelines (Internationale Search and Rescue Advisory Group), welche neben Standards für die Qualifizierung der Such- und Rettungsteams auch die Such- und Rettungsmannschaften in dem betroffenen Land koordiniert

Die IRO steht derzeit in engem Kontakt zur UNO sowie den Behörden vor Ort in Italien. Auch de r Einsatz der IRO mit international zertifizierten Rettungshunden erfolgt immer als eine Antwort auf ein Hilfeersuchen des betroffenen Landes

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat Italien keine internationalen Hilfskräfte durch die UNO oder die EU angefordert. Derzeit sind aber mehrere international zertifizierte IRO Rettungshunde aus Italien im Einsatz. In Italien gibt es 7 IRO NRO´s, mit denen das IRO Büro in Salzburg in engem Kontakt steht".

Rubriklistenbild: © dpd

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