Wasserwacht-Nachwuchs kann nicht trainieren

Rettungsschwimmern fehlen Trainingsbahnen 

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Der Vorsitzende der BRK-Kreis-Wasserwacht, Rudi Schierghofer (links) zeichnete zusammen mit Ortsgruppenchef Siegi Hauber (rechts) insgesamt acht Mitglieder für langjährige Mitgliedschaft aus: Barbara Paul (30 Jahre, von links), Helga Winkler (40), Kerstin Nagel (20), Franzi Kornes (5), Elisabeth Bergner (5) und Alexander Schwarz (40).

Bad Reichenhall - Die Reichenhaller BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe ist sauer und enttäuscht zugleich über das Management der Rupertustherme. Trotz konkreter Zusagen Anfang 2015 fehlen noch immer weitere Bahnkapazitäten für das Nachwuchs- und Rettungsschwimmer-Training.

Über 12 Monate ist es mittlerweile her. Noch immer hat sich an der Situation für Nachwuchs- und Rettungsschwimmer-Training nichts geändert. Nicht mal eine zusätzliche Bahn, wurde der Rettungsorganisation seit dem zur Verfügung gestellt. 

Und das, obwohl sich die ehrenamtliche Rotkreuz-Gemeinschaft nach einer langen Durststrecke ohne Trainingsstätte mittlerweile wieder gut erholt hat und sich besonders über eine starke Jugendgruppe mit 76 Mitgliedern freuen kann. „Beim Konditions- und Techniktraining wird es mit bis zu 19 Buben und Mädchen auf einer Bahn deshalb richtig eng und unsere Ausbilder stoßen an ihre Grenzen“, bedauerte Ortsgruppenvorsitzender Siegfried Hauber bei der Jahreshauptversammlung im BRK-Haus.

„Wir bilden aber keine Sportler, sondern zukünftige, potenzielle Lebensretter aus!“, betonte Jugendleiterin Julia Wedel. Die Rettungsorganisation will sich deshalb im Wettstreit um die Bahnen auch nicht auf eine Ebene mit den Schwimmvereinen stellen lassen und hebt hervor, dass pro Jahr rund 6.000 Euro an Eintrittsgeldern an die Therme bezahlt werden. „Dafür, dass wir in der Regel nur eine Stunde lang eine Bahn nutzen, ist das ein stolzer Preis!“, meinte Kassenwart Albert Bruckner.


Leere Versprechungen

Dr. Lackner will den Teufelskreis durchbrechen. „Wir waren wegen des leeren Versprechens ohnehin schon deprimiert, als unsere bestehende Trainingszeit überraschend in den Ferien ohne Ankündigung einem Sportverein zugewiesen wurde, der sich intensiver auf einen Wettkampf vorbereiten wollte“, bedauerte Hauber, der sich ein ähnlich gutes Verhältnis wünscht, wie es die Berchtesgadener Wasserwacht seit Jahren mit dem Team der Watzmann-Therme genießt. 

Wedel sprach sogar von einem Teufelskreis, in dem sich die aktuell schwierige Lage immer mehr verschlimmern würde: „Aufgrund von Sernatingers Versprechen, dass wir zeitnah eine dritte Bahn bekommen, hatten wir 2015 viele neue Buben und Mädchen aufgenommen. Der konkret in Aussicht gestellte Belegungsplan der insgesamt sechs Bahnen wurde aber im Wettstreit zwischen Schwimmvereinen, Schulen, Wasserwacht, den Schwimmausbildern der Therme selbst und sonstigen Besuchern nicht zu unseren Gunsten umgesetzt. 

Wir müssen deshalb am Montag zwischen 17 und 19 Uhr mit wesentlich mehr Teilnehmern nach wie vor auf zwei statt der benötigten drei Bahnen trainieren, was für uns alle ziemlich stressig und belastend ist!“ Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner versprach, direkt mit Thermen-Manager Dirk Sasse zu sprechen und um eine konkrete Lösung zu bitten; denn die BRK-Wasserwacht habe auch immer wieder bei größeren Veranstaltungen in der Therme unentgeltlich und ehrenamtlich das knappe hauptamtliche Personal bei der Aufsichtspflicht unterstützt.

Jugendtraining ist Geburtsstätte der Wasserretter 

Die Jugendgruppe sei laut Hauber eine unverzichtbare Geburtsstätte für zukünftige, aktive Rettungsschwimmer und Wasserretter, da „Quereinsteiger mit 25 oder 30 Jahren bei der Wasserwacht eine absolute Ausnahme darstellen. Wir sind alle mit dem Jugendschwimmtraining groß geworden und dabei geblieben“, erinnert sich der Ortsgruppenchef.

Aktuell stehen noch immer viele Buben und Mädchen auf der Warteliste der BRK-Wasserwacht, die mit ihrer Präventionsarbeit durch Technik- und Ausdauertraining dem Ertrinkungstod bei Kindern vorbeugen will, aber einfach zu wenig Platz dafür hat. „Mit dem Anfänger-Schwimmkurs allein ist es nicht getan; wenn die Kinder nicht regelmäßig üben können und besser werden, können sie sich gerade mal so über Wasser halten“, bedauerte Wedel.

Sechs SEG-Einsätze, 97 medizinische Hilfeleistungen 

Die mobile Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) der Reichenhaller Wasserwacht war 2015 bei nur sechs Einsätzen gefordert, allerdings mussten die Einsatzkräfte bei fast 1.900 Wachstunden am Thumsee, am Höglwörther See und im Aufhamer Staufenbad insgesamt 97 mal medizinische Erste Hilfe leisten und viermal am Thumsee rettungsdienstliche Erstversorgungen übernehmen, wobei auch zweimal das Boot aufgrund der vielen Besucher und wegen des allgemeinen Parkchaos mit blockierten Rettungswegen im Einsatz war, um Notarzt und Patienten direkt über den See zu fahren.

Die SEG war bei einer Totenbergung, zwei Vermisstensuchen, einer Sachbergung, einer Hilfe für Wassersportler und einem Canyon-Einsatz sowie mehreren Sicherheitsabstellungen an Gewässern, wie beim Thumsee-Open-Air gefordert. Wer gut und professionell helfen will, muss stets vorbereitet sein: Über 1.000 Stunden investierten die Wasserretter in Ausbildung und Übung, fast 1.000 Stunden ins Schwimmtraining, über 800 Stunden in die Jugendarbeit und fast 300 Stunden in Wartung und Instandhaltung von Geräten und Material. 

Umfangreich ausgebildet

Die Reichenhaller Einsatzkräfte verfügen über zahlreiche Spezial-Qualifikationen wie Rettungstaucher, Bootsführer oder Canyon-Retter und eigene Ausbilder in ihren Reihen, wobei vergangenes Jahr Julia Gierl, Matthias Eisenschink, Lukas Moltke und Andreas Wedel ihre Sanitätsausbildung erfolgreich abgeschlossen und damit die wichtigsten Grundlagen zur Lebensrettung gelernt haben. 

Darüber hinaus stehen in Zukunft auch Michael Berger und Daisy Frank als neue Rettungsschwimmausbilder zur Verfügung; 2015 wurden auch ein Lehrgang Rettungsschwimmen in der Breitenausbildung,erstmals ein Schwimmtraining für die Lebenshilfe und ein Schwimmkurs für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge angeboten, wobei die Ausbilder Rudi Schierghofer und Albert Bruckner die jugendlichen Asylbewerber auch gleich beim Wasserwacht-Fußballtraining (Konditionshallentraining) integriert haben. 

„Wir mussten handeln, da im Sommer in ganz Bayern auffällig viele Ertrinkungsunfälle mit Flüchtlingen passiert sind, die alle aus Wüstenregionen ohne Wasser kommen und deshalb nie schwimmen gelernt haben; der Kurs klappte überraschend gut; schwierig ist nur, dass wir keine wirkliche Kontinuität im Training haben, da die Kinder teilweise an andere Orte in Deutschland weitergeschickt werden“, bedauerte Schierghofer.

Digitalfunk-Einführung und Flüchtlingshilfe 

Neben ihren beiden Hauptaufgaben in der Schwimmausbildung und im Wasserrettungsdienst war die Wasserwacht 2015 vor allem mit der Einführung, den Tests und den Schulungen für den neuen Digitalfunk und dem Sanitätseinsatz in der Flüchtlingshalle in Freilassing gefordert. 

BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter bedankte sich in seinem Grußwort für die spontane Hilfe der Wasserwacht, die mit ihren eigenen Sanitätern ganze Schichten in der Sägewerkstraße übernommen hatte und damit den Ehrenamtlichen der Bereitschaften gerade in den ersten Wochen wichtige Verschnaufpausen ermöglichte.„Das Rote Kreuz ist seit September 2015 ununterbrochen rund um die Uhr im Schichtdienst in der Halle gefordert, wobei kaum einer weiß, dass auch die BRK-Wasserwacht einen enormen Beitrag leistet!“, lobte Halter.

Kurse für Anfänger

Erstmals wieder Anfänger-Schwimmkurse 2015 hatte die BRK-Wasserwacht erstmals seit dem Abriss des alten Sportbads an der Münchner Allee auch wieder Anfänger-Schwimmkurse angeboten und damit ein wichtiges Tätigkeitsfeld in ihrer Präventionsarbeit wiederbelebt, wobei die Kurse aber aufgrund von zu wenig Werbung zunächst nur zögerlich angenommen wurden. 

Mit vier und acht Kindern konnten die Ausbilder wieder erste Erfahrungen in der Freischwimmer-Ausbildung sammeln. Aktuell läuft ein dritter Kurs mit mittlerweile zehn Buben und Mädchen. 2015 wurden 15 Seepferdchen, 20 Jugendschwimmabzeichen und zehn Rettungsschwimmabzeichen verliehen.

Kinderschwimmkurse

Von 16.45 bis 18 Uhr findet am Montag für 30 Kinder ein Schwimmtraining statt, parallel dazu ein Anfänger-Schwimmkurs mit zehn weiteren Kindern; eine Stunde danach trainieren die 36 Jugendlichen der Jugendgruppe und die aktiven Wasserretter, wobei Barbara Paul, Grit Schulz, Günter Eisenschink, Julia Gierl, Franzi Kornes, Michael Berger, Elisabeth Bergner, Flora Dietlinger, Christian Wedel, Lukas Moltke, Doris Kögelsperger, Alexandra Eisenschink und Alexandra Hausmann mit viel Geduld und Nerven wertvolle Dienste als Ausbilder und Helfer leisten – vergangenes Jahr rund 500 zusätzliche Stunden beim Training und 150 Stunden bei Jugend-Ausbildungen.

Die Kinder und Jugendlichen trafen sich auch regelmäßig zur Fortbildung, wobei Wiederbelebungsmaßnahmen, Knotenkunde, die Theorie fürs Rettungsschwimmabzeichen und die Eisrettung und eine Funkübung auf dem Programm standen. 

Trau-Dich-Kurs

Rund die Hälfte der Kinder kommen aus Reichenhall, 24 Prozent aus Piding, weitere 18 Prozent aus Aufham und Anger. Rettungsassistentin Alexandra Eisenschink hatte 2015 monatlich für sie einen Trau-Dich-Kurs durchgeführt, bei dem sie nach dem Motto „keiner ist zu klein, um Helfer zu sein!“ die Grundlagen der ersten Hilfe lernten.

Neben belastenden Einsätzen und Diensten kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz: Die Wasserwacht stellte bei der alpinen Skimeisterschaft im Unkener Heutal zweimal hintereinander den Stadtmeister, traf sich zum Luftgewehrschießen bei den Karlsteiner Schützen und feierte ihren Jahresabschluss besinnlich im Mauthausener Kircherl. Die Jugend war beim Kegeln, besichtigte Bergwacht und Feuerwehr, sammelte Müll am Thumsee, fuhr ins Zeltlager an den Waginger See, übernachtete in der Wachstation am Thumsee und organisierte eine eigene Weihnachtsfeier mit Nikolaus und Kramperl.

Gut gewirtschaftet, aber nach wie vor im Minus 

Dank zahlreicher Spenden und mit Zuschüssen konnte die Wasserwacht für rund 6.000 Euro vier Überlebensanzüge für Einsätze im Eiswasser kaufen, da die bisherigen nicht mehr dicht waren und ausgetauscht werden mussten; 1.500 Euro kamen von der Sparda-Bank, weitere 1.200 Euro von der Stadt Bad Reichenhall. Kassenwart Albert Bruckner berichtete von Einnahmen in Höhe von knapp 20.000 Euro, wobei rund 4.000 Euro aus Mitgliedsbeiträgen, über 1.000 Euro aus Erstattungen für Einsätze, 4.500 Euro aus Spenden und rund 3.000 Euro aus eigener Mittelbeschaffung wie bei der Bewirtung am Stadtfest und beim Pidinger Rupertimarkt bestehen. 

Dem gegenüber stehen Ausgaben von rund 17.000 Euro, darunter als größte Posten die Thermen-Eintritte der Jugend (rund 4.000 Euro) und die Überlebensanzüge (rund 6.000 Euro). „Dadurch ergibt sich nach einer jahrelangen Durststrecke ein Überschuss von etwa 2.600 Euro; dennoch sind wir nach wie vor rund 1.500 Euro im Minus, da wir mit über 4.000 Euro Defizit ins neue Jahr gestartet waren. Nur mit den Mitgliedsbeiträgen und Einsatzentgelten würden wir nie über die Runden kommen; Spenden sind unverzichtbar für uns!“, betonte Bruckner.

Langjährige Mitglieder geehrt 

Im Jahresrückblick gedachte die BRK-Wasserwacht der Eishallenopfer vor genau zehn Jahren und des 2015 völlig unerwartet verstorbenen Rotkreuzlers Herbert Kolodzie, der die neue Einsatzhalle in der Frühlingstraße möglich gemacht und einen Löwenanteil der Arbeit gestemmt hatte. Der Vorsitzende der BRK-Kreis-Wasserwacht, Rudi Schierghofer zeichnete zusammen mit Ortsgruppenchef Siegi Hauber insgesamt sechs Mitglieder für langjährige Mitgliedschaft aus: Elisabeth Bergner (5 Jahre), Franzi Kornes (5), Kerstin Nagel (20), Barbara Paul (30), Alexander Schwarz (40) und Helga Winkler (40). 

Katja Sedlmeier (10), Sabine Standl (20) und Siglinde Abel (30) konnten an der Jahreshauptversammlung nicht teilnehmen. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter, Polizeichef Willi Bertlein und Wasserwacht-Kreisvorsitzender Rudi Schierghofer lobten die Ehrenamtlichen in ihren Grußworten für die geleistete Arbeit und wünschten ihnen ein unfallfreies Einsatzjahr.

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