Tipps für Eltern

Kinder sollen fürs Leben gerüstet sein

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Bad Reichenhall - Gelungene Übergänge machen stark fürs Leben. Doch wie können Mütter und Väter ihre Kinder bei Veränderungen unterstützen? Dieser Frage ging das Familienbüro Berchtesgadener Land nach.

Zu Gast bei der Veranstaltung war neben der Leiterin des Familienbüros Berchtesgadener Land, Dipl. Pädagogin Katharina Theißig, auch Elke Huber-Haigermoser, geschulte Moderatorin des Projektes „Elterntalk“.

Die Gesprächsrunde wurde eröffnet durch Elke Huber-Haigermoser. Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und seit vier Jahren Moderatorin im Projekt „Elterntalk“. Wie Elke Huber-Haigermoser berichtete, wollen alle Eltern ihre Kinder gut durch das Leben begleiten. Sie möchten, dass sie glücklich sind, gesund aufwachsen und ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend gefördert werden. Sie sollen für das Leben gut gerüstet sein. Das sei in unserer heutigen Welt, die mehr denn je einem ständigen Wandel unterworfen ist, nicht immer einfach.

Von Kindheit an sei unser Leben durch Veränderungen geprägt. Kinder werden größer und kommen in eine Betreuungseinrichtung und später dann zur Schule. Ein großer und wichtiger Schritt – für das Kind, aber auch für die ganze Familie. Neue Abläufe werden erforderlich, Ängste und Unsicherheiten können auftreten. Dieser Schritt der Veränderung werde auch als Übergang bezeichnet.

Nicht immer bringe ein Übergang Probleme mit sich. Im Gegenteil: In vielen Fällen sollen diese Veränderungen automatisch gelingen, weil Eltern intuitiv ihre Kinder positiv begleiten und unterstützen. Jedoch können alle Familien in Situationen kommen, in denen sie sich von Problemen überfordert fühlen. Diese Situationen erschweren eine gute und gesunde Entwicklung der Kinder. Eltern haben dann oft viele Fragen zu den Veränderungen mit ihren Kindern und in der Familie oder kommen selbst an ihre Grenzen.

Eine unbestritten wichtige unterstützende Funktion komme hier der Eltern- und Familienbildung zu. Sie biete Eltern Unterstützung und Beratung an, bevor eine Überforderung entsteht und baut Unsicherheiten ab. Das Projekt "Elterntalk" ist ein solches Angebot, das es inzwischen seit vier Jahren im Landkreis Berchtesgadener Land gibt. 

Das Projekt „Elterntalk“ ist ein niederschwelliges Elternbildungsprojekt der Aktion Jugendschutz in Bayern. Die Gesprächsrunden befassen sich mit Themen rund um Erziehung und Familie und greifen Fragen zu den Bereichen Medien und Konsum auf.Nähere Informationen zum Projekt erteilt die Regionalbeauftragte Lilia Boxler, Tel. 08651/984202.

Als Tipps, wie Übergänge gut gelingen können, benannte Elke Huber-Haigermoser folgende Punkte: 

- Eltern sollten bei der Begleitung und Unterstützung ihrer Kinder auf ihre eigene Intuition vertrauen, sich selbst, ihr Kind und dessen Bedürfnisse und Signale gut im Blick haben. 

- Kinder müssen Sicherheit darüber gewinnen, dass Abschied die Beziehung zu ihren Eltern nicht verändert und die Eltern immer wieder zurückkommen. Sie müssen starke Emotionen wie Trennungsschmerz bewältigen, sich auf eine neue Umgebung und einen neuen Tagesablauf einstellen und neue, tragfähige Beziehungen zu ihren Bezugspersonen in der Kindergruppe aufbauen. 

-Eltern müssen sich vom Kind lösen, Vertrauen in die Einrichtung bzw. Tagesmutter gewinnen, die Beziehung zu ihrem Kind entwickeln und den eigenen Übergang - auch in Verbindung mit der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit – bewältigen. 

- Um einen Übergang ohne Brüche im Sinne der Kinder bewältigen zu können, brauche es eine Zusammenarbeit von Elternhaus, Kindertageseinrichtungen, Schulen und Vereinen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Kindern und Jugendlichen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

Interessant waren auch die Schilderungen der anwesenden Eltern, die über ihre Erfahrungen berichteten, ihre Kinder bei Übergängen zu begleiten und zu unterstützen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass es schon auf den ersten Übergang ankommt, da von seinem Gelingen die Bewältigung weiterer Übergänge abhängt. Es hat sich bewährt, die Verständigung zwischen Kindertagesstätte bzw. Tagesmutter und Familie bereits vor der Aufnahme des Kindes in die Einrichtung/ bei der Tagesmutter zu beginnen. Zudem ist es auch wichtig, dass Eltern vorab über die Veränderungen und Herausforderungen informiert werden, die sie und ihr Kind betreffen. Die Eltern sollten eine positive Grundeinstellung gegenüber der Einrichtung und den ErzieherInnen bzw. gegenüber der Tagesmutter entwickeln und diese dem Kind zeigen.

Als weitere wichtige Etappe im Leben von Kindern und ihren Familien benannten die anwesenden Eltern den Übergang vom Kindergarten in die Schule. Die meisten Eltern basteln Schultüten, besorgen einen Schulranzen, den sie mit allem füllen, was ihnen die Klassenlehrerin aufgetragen hat. Worauf allerdings viele Eltern oft nicht so gut vorbereitet sind, ist, dass sich mit dem Übergang vom Kindergarten in die Schule auch der familiäre Tagesablauf ändert, dass sich die Kinder in einer Klasse einfügen müssen, neue Freunde finden, dass sie sich an den Unterricht gewöhnen und nachmittags Hausaufgaben machen müssen. Oft müssen die Eltern darauf drängen, dass die Hausaufgaben gemacht werden, vielleicht auch helfen und fühlen sich selbst unter Druck. Die Eltern wünschten sich einen sanfteren Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Initiativen wie das Abhalten der Vorschulkurse von Grundschullehrern im Kindergarten, die Einladung der Kindergarten-Kinder zum Sommerfest der Grundschule oder Patenschaften älterer Schüler für Kindergarten-Kinder sollten nach Meinung der Eltern noch viel stärker forciert werden.

Nähere Informationen zu den regelmäßigen, öffentlich zugänglichen Veranstaltungen des Familienbüro und des Familiencafés sind erhältlich bei Katharina Theißig, Landratsamt Berchtesgadener Land, Amt für Kinder, Jugend und Familien, Abteilung Jugendarbeit / Prävention/ Familienförderung, Tel. 08651/773-495 bzw. per E-mail unter Katharina.theissig@lra-bgl.de.

Pressemittelung Landratsamt Berchtesgadener Land

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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