Bad Reichenhaller Eltern fordern:

Kinderbetreuungsplätze: "Die Stadt muss handeln"

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Bad Reichenhall - Seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Trotzdem bangen einige Eltern in Bad Reichenhall darum. Wir haben nachgefragt:

Der einfache Satz: 'Gibt es hier vielleicht ein paar Eltern, die auch um einen Kindergartenplatz zittern?' hat bei Facebook in der Gruppe 'Du kommst aus Bad Reichenhall,...' eine lange Diskussion ausgelöst. Offenbar hängen einige Familien, was die Betreuung ihrer Kinder ab September 2016 betrifft, in der Luft. Kein neues Problem, wie aus den Kommentaren zu lesen ist: "Ich habe jetzt über 14 Monate auf einen Platz für meinen fast fünfjährigen Sohn gewartet, soll meine Tochter dann etwa genauso lange warten?" Oder "Ich musste vor acht Jahren schon auf einen Kindergarten Platz warten! Musste ihn dann sogar ein Jahr in Bayerisch Gmain in denn Kindergarten bringen!"

Ist sowas vom Gesetzgeber zumutbar? Ja, zumindest was den Fahrtweg in Nachbargemeinden betrifft. Bis zu 30 Minuten einfache Fahrt müssen die Eltern im Notfall auf sich nehmen. Dann, wenn die Stadt sagt, sie können nicht alle Kinder unterbringen, die Nachbargemeinde aber schon.

'Erzieherinnenmarkt ist abgegrast'

Der Pressesprecher der Stadt Bad Reichenhall, Robert Kern, bestätigte gegenüber BGLand24 das Problem. "Wir haben in Reichenhall Bedarf an mehr Kindergartenplätzen." Derzeit gebe es insgesamt 369 Kindergartenplätze und 52 Krippenplätze in der Stadt. Wie hoch die Zahl derer ist, die ab September einen Platz benötigen, konnte Kern zwar nicht genau sagen, aber er erklärte, dass die Stadt bereits Möglichkeiten für zusätzliche Plätze prüfe. "Ob wir dann neubauen, städtische Gebäude umwidmen, oder im schlimmsten Fall Container aufstellen, ist noch nicht klar." Auch mehr Personal müsste dann eingestellt werden. Ein weiteres Problem: "Der Erzieherinnenmarkt ist abgegrast", so Kern.

Vor allem, da auch Flüchtlingskinder, die nicht in einer Sammelunterkunft untergebracht sind, einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben. "Diese Zahl können wir noch gar nicht abschätzen, was da auf uns zukommt", gibt der Pressesprecher zu bedenken. Trotzdem betonte er noch einmal, dass die Stadt eine Lösung finden werde und ihrer Verpflichtung nachkommen werde.

Stadträte und Stadt wollen sich kümmern

Aussagen, die die betroffenen Eltern so nicht bekommen haben. "Bei der Stadt sagte man mir, man würde ja gerne mehr anbieten, aber sie können sich nun mal nix aus den Fingern saugen. Auch auf meine Nachfrage, ob denn gehandelt wird, wenn die endgültigen Zahlen da sind, wurde mir keine Hoffnung gemacht. Man lässt uns einfach im Regen stehen... nach uns die Sintflut", schreibt eine Mutter.

Das wollen auch die beiden Stadträte Christoph Lung (CSU) und Ulrich Derwart (SPD) verhindern. Sie haben die Diskussion mitverfolgt und versprochen, ihrerseits nachzuhaken. Robert Kern versprach BGLand24 außerdem, dass ein Bau, Umbau oder ähnliches in Sachen Kindergarten im Bauausschuss diskutiert werden müsse und somit auch schnellstmöglich an die Öffentlichkeit gelange, wenn es soweit ist.

Schnellstmöglich brauchen die Mütter auch Planungssicherheit. Denn sie geben ihre Kinder in die Betreuung, um wieder arbeiten zu können, in den meisten Fällen, weil sie wieder arbeiten müssen. "Wer kann es sich heute noch leisten, länger zuhause zu bleiben?" Diese Frage schwebt in der ganzen Diskussion über allem.

cz

Rubriklistenbild: © dpa - picture alliance/Symbolbild

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