Traunsteiner Spielbanküberfall-Prozess

Richterurteil: Acht Jahre Haftstrafe

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Bad Reichenhall - Ein 45-Jähriger geriet nach dem Raubüberfall auf die Spielbank in Bad Reichenhall im März recht schnell in das Visier der Ermittler. Am Montag wurde er am Landgericht verurteilt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im März eine Spielbank in Bad Reichenhall überfallen zu haben.
  • Der Täter gestand die Tat. Er habe das Geld für seine Spielsucht gebraucht.
  • Ein psychiatrischer Gutachter erzählte, im Gespräch mit dem Angeklagten habe dieser zugegeben, insgesamt in seinem ganzen Leben bereits etwa zwei Millionen Euro verspielt zu haben.
  • Ein Kripo-Beamter sagte aus, der Täter habe anonym eine E-Mail an den Sänger Hans Söllner geschickt, in der er Details zur Tat berichtete.
  • Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einer Schuldminderung aus und fordert Schuldspruch wegen schwerer räuberischer Erpressung in Höhe von elf Jahren Freiheitsstrafe. 
  • Der Anwalt fordert maximal sechs Jahre Haft. 
  • Der Richter erhebt ein Urteil von acht Jahren Haft. 

Update, 17.50 Uhr: Angeklagter will in Revision gehen

Der Angeklagte hat gegen das richterliche Urteil Revision eingelegt. Er hat nun eine Woche Bedenkzeit, ob er wirklich in Revision gehen möchte oder nicht.  

Update, 17.20 Uhr: Das Urteil des Richter

„Sie ziehen eine Waffe, die täuschend echt ausschaut und bedrohen alle Personen in Todesangst. Vorher haben Sie noch alle dafür getan, dass die Waffe täuschend echt wirkt", so der Richter. 

"Der Paragraph 21 liege nicht vor in dem Fall. Das pathologische Spielen liegt nicht vor. Sie frönen ihrer Spielleidenschaft seit Jahren. Sie haben seit Jahren die Einbußen in Kauf genommen. Wir folgen dem Sachverständigen, dass es keine Spontantat war, sie haben die Waffe präpariert, sie haben den Fluchtweg abgefahren, sie haben an eine Tüte für das Geld gedacht, es war alles von Anfang bis Ende alles geplant. Sie haben an dem Tattag lange gewartet auf den günstigsten Moment.

"Wir sind auch von einem Entzugsverhalten weit entfernt. Zum Paragraphen 64 kann man nur sagen, es gibt keine Maßnahmen, nicht weil die Kammer nicht will, sondern weil es das Gesetzbuch nicht zu läßt."

"Auf Ihr Plädoyer bezogen: Ich habe den Eindruck Sie haben immer noch nicht begriffen, dass sie selbst tätig werden müssen. Sie hätten zum Hausarzt gehen können, sie hätten sich Hilfe holen können, sie hätten sich stellen können. Darüber sollten Sie einmal nachdenken."

Das Gericht erhebt acht Jahre Haft für den Angeklagten. Eine Haftstrafe von früher wird angerechnet.

Update, 17.10 Uhr: Das Plädoyer des Anwalts

„Der Alkohol und die Spielsucht ziehen sich durch das Leben des Angeklagten. Schon seit seinem 21. Lebensjahr hat er immer wieder Freunde und Bekannte betrogen, um Geld für seine Spielsucht zu bekommen. Es ist doch offensichtlich, das in den Hirnwindungen etwas nicht funktionieren kann. Am dritten Tag sitzt er zunächst zwölf Stunden in der Spielbank und schaut sich alles an und beschließt dann, sich Geld zu besorgen um selber zu spielen. Hätte er die Tat langfristig geplant, dann wäre es sicherlich leichter gewesen, nur um ein Uhr nachts reinzugehen wenn keiner mehr da ist und das Geld zu erbeuten. Nein er saß stundenlang vorher da“ so der Anwalt weiter.

Ich finde es auch befremdlich, dass in der Spielbank Personen sitzen, die wie Maschinen zuschauen, wie die Leute ihr Vermögen verspielen. Das prangert er hier zurecht an. Mein Mandant hat nicht abgestritten, die Tat begangen zu habe."

Es folgt eine kurze Beschreibung der Tat und der Unterstützung seitens des Angeklagten zur Auffindung der Waffe. Außerdem weist der Anwalt daraufhin, dass ein Suchtverhalten vorliege, genauso wie eine Persönlichkeitsstörung. Tatsache sei, dass der Angeklagte wegen schwerer räuberischer Erpressung zu verurteilen sei. Bei der Strafzumessung jedoch sei zu berücksichtigen

Positiv sei das vollumfängliche Geständnis „ich brauche hier nichts verheimlichen“ seitens des Angeklagten, die persönlichen Entschuldigungen und die Tatsache, dass die Waffe eine ungeladene Gaspistole war. Die Zeugen hätten keine bleibende Schäden, niemand müsste sich einer psychologischen langfristigen Behandlung unterziehen. "Wir haben zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Angeklagten um einen pathologischen Spieler handelt wie der psychiatrische Gutachter bereits erläuterte." Der Angeklagter sei therapiewillig, aber in der JVA gebe es leider keine Selbsthilfegruppen. 

"Die letzte Straftat vor der Tat war 2008, also schon sehr lange her. Unter der Berücksichtigung von Paragraph 21 sollte eine Freiheitsstrafe von maximal sechs Jahren erteilt werden wegen schwerer räuberischer Erpressung. Ein persönliches Wort von mir: das Beste wäre wenn er ab sofort eine langfristige Therapie antreten könnte und zwar nach Paragraph 64 (Spielsucht). Aber mir ist klar, dass wir hier nicht nur nach Paragraph 64 urteilen können“

Update, 16.20 Uhr: Das Plädoyer der Staatsanwältin

Laut Plädoyer der Staatsanwältin habe sich der Vorwurf wie in der Anklage bereits geschrieben, bestätigt. Der Angeklagte sei am Tattag gegen 16 Uhr in Spielbank hinein und hat dann die Tat in der Nacht begangen. „Mit der Waffe in der Hand hat er die Angestellten in Schach gehalten und gerufen, keiner drückt den Alarmknopf." 

Außerdem habe der Angeklagte den Tatverlauf genauso wie die Zeugen bestätigt. "Für mich steht der Sachverhalt fest", erklärt die Staatsanwältin. "Die Sache, dass wir die Waffe gefunden haben und nicht bestätigen können, dass sie nicht geladen war, können wir nachvollziehen. Ich beantrage den Angeklagten wegen schwerer räuberischer Erpressung schuldig zu sprechen." Es handele sich um Paragraph 250 Absatz 1, dieser gehe von drei bis 15 Jahren. 

Staatsanwältin: "Ich sehe hier keinen Paragraph 21. Da der Sachverständige keine Entzugserscheinungen erkennt, die Zeugen ebenfalls nichts bemerkt haben und der Angeklagte nur einen inneren Druck zur Tatzeit gespürt hat, liegt hier meiner Meinung nach nicht vor, dass der Angeklagte von schweren Entzugserscheinungen geplagt war." 

"Auch schwere Persönlichkeitsstörungen liegen nicht vor. Das soziales Umfeld war belastet. Er hatte seine Arbeit verloren, er war von innerer Unruhe eingenommen, aber das sind Persönlichkeitsveränderungen." Für den Paragraph 21 müssten schwerste Persönlichkeitsstörungen ersichtlich sein

Auch mache der Angeklagte hier bei der Verhandlung nicht den Eindruck, dass eine Schuldminderung vorliegt. Außerdem weise die Staatsanwältin auf das Foto hin, dass er in der Presse gepostet hat (BGLand24). "Auch der Alkohol hat meiner Meinung nach keinen Einfluss auf die Straftat. Und er hat in Kauf genommen, dass vorher bei zwei anderen Personen die Handschellen geklickt haben", so die Staatsanwältin. 

Positiv sei hingegen hervorzuheben, der Angeklagte habe beim Waffenfund mitgeholfen, natürlich auch um sich zu entlasten. Er habe sich sowohl vorher per Brief wie auch persönlich bei der Verhandlung bei jedem entschuldigt und sei nun therapiebereit, habe vorher jedoch nicht wirklich Anzeichen in diese Richtung gemacht. Es könne von einem Alkoholiserungsgrad von circa 0,7 Promille ausgegangen werden, daher gebe es keine Schuldverminderung.

Negativ sei zugrundezulegen: Die Vorstrafen und Bewährungen des Angeklagten, die immense Schulden-Summe. Es gebe zudem eine gewisse negative Tendenz gegenüber Polizei und Zeugen, Einsicht des Angeklagten sei nur bedingt vorhanden. Die Verhandlung ist voll beim Angeklagten, er hat sich zwar sperren lassen, aber trotzdem mit gefälschtem Ausweis weitegespielt, es ist seine eigene Schuld, nicht die der Spielbankaufsicht die an seiner Situation schuld ist

Staatsanwaltschaft: "Für mich schlägt eine erhebliche kriminelle Energie zu Buche. Ich beantrage eine Freiheitsstrafe von elf Jahren." Die Kosten solle der Angeklagte tragen und die Haftstrafe aufrecht erhalten bleiben. 

Update, 15.30 Uhr: Die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters

Der Facharzt für Psychiatrie und Forensik untersuchte den Fall im Juni 2016: 

Mit Beginn der Spielsucht litt die Arbeit und die Motivation für den Job des Angeklagten. Nach den ersten Haftstrafen, die seine Spielsucht mit sich brachte, arbeitete der Angeklagte zunächst bei seinem Vater. Die finanzielle Situation des Angeklagten verschlechterte sich zunehmend. Sein Haus im Wert von 600.000 Euro hatte er bereits verzockt. Insgesamt hat der Angeklagte rund zwei Millionen Euro in seinem ganzen Leben verspielt. Sogar Fahrzeuge des Vaters hat er zum Verkauf angeboten, um seine Spielsucht weiter zu finanzieren. 

Laut dem psychiatrischen Gutachter habe der Angeklagte an den Tagen vor der Tat insgesamt acht Halbe Bier bis etwa 14 Uhr konsumiert. Es habe kein zusätzlicher Konsum von Tabletten stattgefunden. Der Angeklagte habe aber keine Gangunsicherheit in Folge des Alkoholkonsums gespürt. 

Die Tatwaffe sei im Auto versteckt gewesen, diese habe der Angeklagte gegen Mitternacht geholt. Ihm täte die Tat gegenüber den Angestellten leid, nach der Tat wollte er schnell flüchten, sei sogar gestolpert. Er wollte schnell über die Grenze nach Italien

Nach Einschätzung des Gutachters seien keine auffälligen Krankheitsbilder zu erkennen. Der Angeklagte wirkt ernst und leicht bedrückt, nicht depressiv, im Umgang freundlich zugewandt sowie zugänglich. Er sei ein Familienmensch. Er hatte eine unauffällige Kindheit und Jugend. In der Schule hatte er anfangs Schwierigkeiten, die sich im Laufe der Zeit aber legten. Der Täter hat einen qualifizierten Hauptschulabschluss. Er ist sportinteressiert. 

Inwiefern eine solche Spielsucht wie im vorliegenden Fall erkennbar wäre, sei laut dem psychiatrischen Gutachters von den Aspekten des inneren Erlebens abhängig. Dies seien Umstände, die für den neutralen Beobachter von außen schwer erkennbar seien. 

"Ich hege Zweifel an dem Paragraph 21 der verminderten Schuldfähigkeit", erklärt der Gutachter. Die Tatsachen ließen auf eine geplante Tat schließen. "Ich gehe von einer pathologischen Spielsucht mit gravierenden sozialen Auswirkungen sowie einer möglichen Diagnose der Alkoholabhängigkeit aus." 

Die beginnende Alkoholabhängigkeit beeinträchtige zudem die körperlichen Reaktionen und fördere die Spielsucht. Der psychiatrische Gutachter empfielt die "Anonymen Spieler" neben einer stationären Aufnahme in eine Spiele-Klinik. Die Tat sei jedoch nicht unter dem Eindruck massiver Entzugserscheinungen erfolgt. Laut Zeugenaussagen sei der Täter sehr nervös gewesen. 

Update, 13.45 Uhr: Die Aussagen der Spielbankmitarbeiter

Nach dem KriPo-Beamten werden mehrere Angestellte des Spielcasinos befragt. Alle Zeugen bestätigen, dass der Angeklagte trotz des starken Alkoholkonsums nie übermäßig alkoholisiert gewirkt hätte. Er sei ein sehr angenehmer und ruhiger Gast gewesen. Genau wie jeder andere hätte er bei hohen Verlusten schlechte Laune gehabt und bei Gewinnen gute Laune. Die Frage, ob es seitens des Arbeitgebers Auflagen gibt, bei solchen hohen Verlusten nicht einzuschreiten, wurde verneint. „Auffallend war lediglich, dass er beim Spielen ständig rein- und rausgelaufen sei, aber das war immer schon so bei, nicht nur am Tatabend", berichtete einer der Angestellten. Spieltechnisch sei er eher ein nervöser Spieler. Außerdem sei auffallend gewesen, dass er viel geraucht habe. "Häufig machte er nur ein paar Züge und hat dann die Zigarette wieder hingelegt." Auch diese Aussage bestätigen alle Spielbankmitarbeiter.

Der Angeklagte sei bis zum Schluss geblieben und als letztes an die Kasse gegangen. "Aber wenn man ihn kennt, dann denkt man sich erstmal nichts Böses“, so der Kassierer des Casinos. „ Er hat die Tüte rübergeworfen und gesagt er hätte alles verloren. Seine Frau, sein Geschäft und dass wir ihn verstehen müssen", berichtet der zeuge, "Außerdem täte ihm das alles sehr leid. Dann ist er auf den Tresen gesprungen und hat uns alle mit der Waffe bedroht."

"I kimm dann nimma"

Auch der Kassierer und die Rezeptionistin beschreiben den Angekla"gten als eher angenehmen Spielbankgast. „I kimm dann nimma` sagte er zu mir beim Gehen“ so die Rezeptionistin. „ Ich habe mir da erst garnichts bei gedacht, denn es war ja bereits zwei Uhr morgens. Als mein Kollege dann kam und meinte ich solle alles schließen, da wir überfallen worden sind habe ich immer noch nicht verstanden was passiert ist, denn es ist ja niemand reingekommen. Sondern nur raus. Ich wäre nie darauf gekommen, dass er der Täter ist.“

Zu der Frage, ob es auffallend gewesen wäre, dass der Angeklagte in den Tagen vor dem Überfall nicht gespielt habe sondern nur zugeschaut habe lautet das einhellige Urteil: „Das machen viele Leute, denn man muss ja im Casino nicht immer nur spielen, sondern viele Leute kommen einfach nur zum amüsieren ins Casino.

320.000 Euro in der Spielbank verspielt

Um die 320.000 Euro soll der Angeklagte im Laufe der Zeit verspielt haben. „Anfangs hat der Angeklagte meist mit 20er oder 50er Jetons gespielt. Zum Schluss dann eher mit 2er oder 5ern“. Keiner der Zeugen ist davon ausgegangen, dass er in finanziellen Schwierigkeiten sein könnte. Denn wenn sie so etwas merken, „dann müssen wir natürlich schon eingreifen und ein Spielbankverbot aussprechen“. „Unterhalten Sie sich denn nicht über die Leute die so hohe Summen verlieren?“, erkundigen sich Richter und Staatsanwaltschaft immer wieder. Auch der Anwalt des Angeklagten hakt zwischendurch immer wieder diesbezüglich ein. Kopfschütteln, Verneinen, „das ist Aufgabe des Saalchefs“.

 „Ich bin nur ein Croupier, der seine acht Stunden arbeitet. Aber nicht immer nur an einem Tisch. Wir wechseln von Tisch zu Tisch und haben keinen Überblick über die Gesamtsummen, die jemand am Abend verliert“, so einer der Angestellte, „das bekommen wir alles gar nicht so mit“, die verneinen die Spielbankmitarbeiter mit bekommen zu haben, wie es wirklich um die finanzielle Situation des Angeklagten gestanden haben soll.

"Ich hatte Todesangst"

Wie geht es den Mitarbeitern heute? „Ich hatte Todesangst! für mich war das bereits der zweite Überfall, beim ersten Mal wurde sogar geschossen. Dieses Mal habe ich mich ein wenig beruhigt, als er zu uns sagte, er wolle uns nichts tun. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen am Spieltisch, wo man unruhig wird“, so einer der Croupiers. „Wenn ich abends rausgehe habe ich schon ein mulmiges Gefühl“, meint ein anderer Spielbankmitarbeiter. In psychologische Betreuung hat sich aber langfristig keiner der Mitarbeiter begeben. „Die hatten wir nur am Abend des Überfalls.“

Der Besitzer des Personalausweises wird noch befragt. Er bestätigt, dass er dem Angeklagten seinen Ausweis für ein paar Tage geliehen hätte, um Autos an- oder abzumelden. Auf Nachfrage bestätigte er auch. dass der Ausweis für den Sperrmüll notwendig gewesen sei. 

Nach einer Pause wird der Prozess fortgesetzt.

Update, 13.25: Die Aussagen des Kripobeamten

Nach einer kurzen Pause wird die Verhandlung mit weitern Zeugenaussagen fortgesetzt. Zunächst wird ein Beamter der Kripo Traunstein befragt. "Der Angeklagte hat mir berichtet, dass er alles verloren hätte. Sein Haus, seine Familie, seine Werkstatt". Außerdem habe der 46-Jährige in der Vernehmung bestätigt, dass er beim Überfall die Waffe auf die Angestellten gehalten hätte. Sowohl im Kassenbereich als auch Richtung der Angestellten im Spielraumbereich. "Die Flucht ist dann über den Ausgang Bad Reichenhall, Richtung Wittelsbacherbrücke über die Außentreppe erfolgt."

Im Rahmen der Fahndung habe man sich auf Grund des falschen Ausweises zunächst auf eine Person aus Rosenheim konzentriert. Als deren Unschuld klar wurde, konzentrierte sich die Fahndung dann recht schnell auf den Tatverdächtigen. Nach Auswertung der Videoaufzeichnungen aus der Tiefgarage sei außerdem zunächst eine Person verhaftet worden, deren Nummernschild aufgezeichnet wurde. "Allerdings wurde diese ebenfalls recht schnell wieder freigelassen." Auch hier handelte es sich um einen Spielbankbesucher, der unter falschem Namen in der Spielbank war. In diesem Fall mit dem Ausweis seines Bruders. Es folgten verschiedene Hausdurchsuchungen im Haus des Angeklagten. Dabei wurden Aufzeichnungen gefunden, in denen er die Tat plante.

Bilder zum Prozess um Überfall auf Spielbank in Bad Reichenhall

Mail an Hans Söllner

"Nach einiger Zeit bekam der Sänger Hans Söllner eine Mail von einem Absender namens "Matthias Kneissl"", erzählt der Beamte weiter. Mathias Kneiß, genannt Kneißl Hias, Räuber Kneißl oder auch Schachenmüller-Hiasl, war ein bayerischer Räuber, der um die Wende zum 20. Jahrhundert tätig war. Der Absender machte Angaben zu der Tat, die nur der Täter selber wissen konnte. Die IP-Adresse ergab, dass die Mail aus einem Hotel in Monaco kam. Dort war der Angeklagte unter falschem Namen abgestiegen. 

Nach der Verhaftung im April kam dann eine Mitteilung über den Verteidiger an die Kripo. "Der Angeklagte wollte mit jemandem von der Kripo Traunstein sprechen, um zu helfen, das Versteck der Waffe wiederzufinden." Er sei dann mit dem Angeklagten nach Schneizlreuth gefahren. Es habe an jenem Tag furchtbar geregnet. „Wir haben viel Glück gehabt, dass wir Waffe überhaupt gefunden haben. Alles war sehr schlammig." Es habe sich um eine Schreckschusswaffe mit eingeführtem Magazin, ohne Patronen im Lager gehandelt. Die Waffe sei nicht geladen gewesen. 

"Der Angeklagter erzählte, dass er auf der Flucht in Venedig 24.000 Euro verspielt hat." Der Kripobeamte weiß nicht zu sagen, dass der Angeklagte irgendwelche Angaben über Alkohol oder Tablettenkonsum gemacht hätte.Laut der Aussage einer Angestellten hatte er an jenem Tag sechs Weissbier, 4 Kaffee plus Espresso getrunken. Außerdem habe er erzählt, dass er den Überfall schon mehrere Mal vorgehabt hätte, sich aber nie traute. 

Update, 11.30 Uhr: Die Aussagen des Angeklagten

Zunächst wird die Aussagen des Angeklagte durch den vorsitzenden Richter gehört. Der 46-jährige KfZ-Meister berichtet, seine Spielsucht verfolge ihn schon lange. Etwa zwei Millionen Euro habe er nach seiner Schätzung verspielt. Um an Geld dafür zu kommen, habe er sich bereits mehrfach in Fällen von Unterschlagung schuldig gemacht. Vor elf Jahren habe er deswegen auch eine längere Haftstrafe abbüßen müssen. In Bad Reichenhall sei er auch eigentlich bereits seit zwanzig Jahren gesperrt. Zuletzt sei er nach Tschechien ausgewichen, da er auch in anderen Spielbanken gesperrt gewesen sei.

Vor kurzem sei er dann aber wieder als Spieler in Bad Reichenhall reingekommen. Dazu habe er den Ausweis eines Mitarbeiters entwendet, den dieser vergessen hatte. Er beschuldigte dann die Spielbank, ihm wieder Zugang gegeben zu haben. "Eines Tages wurde ich am Empfang nach meinem Ausweis gefragt und sie wollten mich nicht reinlassen", berichtete er dem Richter "Dann kam jemand, der mich kann und wusste, dass ich hoch spiele. Er ließ mich rein und gab mir eine goldene VIP-Karte mit frei essen und frei trinken." Weitere Anschuldigungen des Angeklagten gegen die Spielbank, diese würde auch anderen Spielsüchtigen wider besseren Wissens Zugang gewähren unterbrach der Richter und mahnte, wieder zu der ihm vorgeworfenen Tat zurückzukommen.

"Wenn die Kugel gelaufen ist, dann war ich beruhigt"

"Wenn die Kugel gelaufen ist, dann war ich beruhigt", immer wieder sei er sogar nur zum Zuschauen ins Kasino gegangen. Auf Nachfrage des  Staatsanwalts räumte er allerdings ein, "Der Kick ist das Gewinnen." Zusätzlich habe er auch stark getrunken."Viereinhalb Flaschen Whisky pro Woche." Wochenlang habe er nur zugeschaut, schließlich sei der Suchtdruck immer stärker geworden, "Im März war dann alles komplett aus. Ich bin komplett zusammengebrochen."

Damit kam die Sprache auf den Überfall an sich. Die Waffe, eine Schreckschusspistole, habe er von einem Bekannten, dem er einmal ein Auto gerichtet habe. "Der hat das bis heute nicht geschnallt!" Am Tag des Überfalls habe er zunächst an der Bar gesessen, sich Mut angetrunken und Tabletten eingenommen, "um chilliger zu werden." Er habe sich mit den Angestellten, die er kurz darauf mit der Waffe bedrohen würde "noch total nett unterhalten."  Schließlich habe er die in seiner Unterhose versteckte Pistole gezückt. "Wenn Du die Waffe gezogen hast, kommst' nicht mehr zurück!" 

Er sei auf den Tisch gesprungen, um das Hochfahren einer Sicherheitswand durch den Angestellten zu verhindern. "Wenn der auf den Alarmknopf gedrückt hätte, hätte ich keine Chance gehabt."  Er habe gewusst, dass noch mehr Geld in der Spielbank vorhanden gewesen sei, als er erbeutete, aber "mir hat das Geld gelangt damit ich wieder spielen kann", erklärte er dem Richter. Mit dem geraubten Geld sei er dann von einem Kasino zum anderen gewechselt und habe zum Schluß nur noch 500 Euro übrig gehabt. 

Richter und Anklage geht es dann sehr um die Frage, wie sehr die Tat geplant war. Der Angeklagte beteuerte, es sei alles vollkommen spontan gewesen. Richter und Staatsanwaltschaft wiesen dagegen darauf hin, dass er auch einen Beutel für die Beute dabeihatte, seine Fluchtroute plante und außerdem die Pistole umlackierte um zu verschleiern, dass es sich um eine Schreckschußwaffe handelte. Der Vernehmung des Angeklagten folgte eine kurze Verhandlungspause.

Der Vorbericht:

Gegen 1.50 Uhr zog der Täter im Casino in Bad Reichenhall seine Schusswaffe und bedrohte eine Angestellte. Er forderte die Herausgabe von Bargeld und flüchtete anschließend mit einer größeren Summe Bargeld. 

Unmittelbar nach der Alarmauslösung wurde direkt eine Großfahndung eingeleitet, die aber zunächst nicht zum Erfolg führte.

Grossfahndung der Kripo

Nach dem Spielbank-Überfall in Bad Reichenhall, gab es in der ganzen Region gleich mehrere SEK-Einsätze.

Unter der Leitung der Kripo Traunstein und mit Unterstützung der Kripo Rosenheim, der Polizeiinspektion Rosenheim sowie der Operativen Ergänzungsdienste kam es direkt am Tattag noch zu einer Vielzahl an Überprüfungen. Neben der sofortigen Überprüfung der Wohnung des Tatverdächtigen, fanden diese zunächst im Traunsteiner und Rosenheimer Bereich statt.  Da davon auszugehen war, dass der Täter seine Schusswaffe zum Einsatz bringen würde, waren auch Beamte eines Spezialeinsatzkommandos beteiligt

Da der Täter auf der Flucht war und davon ausgegangen werden konnte, dass er sich ins Ausland abgesetzt hatte, wurde auch mit internationalem Haftbefehl nach ihm gesucht. Zielfahnder des Bayerischen Landeskriminalamtes hefteten sich bald an seine Fersen. Italienische Polizeibeamte nahmen den Gesuchten schließlich in Brescia/Italien fest, der anschließend an die Staatsanwaltschaft Traunstein ausgeliefert wurde.

Verhandlung vor dem Landgericht

Für heute ist der Verhandlungstag am Landgericht Traunstein angesetzt. Da nur ein Verhandlungstag festgesetzt wurde, ist davon auszugehen, dass für heute auch direkt ein Urteil zu erwarten ist. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Verdächtigen vor, die Spielbank in Bad Reichenhall am 10.03.2016 ausgeraubt zu haben. Der Verdächtige soll den Geschädigten mit einer Schreckschusspistole Walther P22, Kaliber 9mm bedroht und 55.600,- Euro Bargeld erbeutet haben. Mit gezogener Waffe wurde der Geschädigte bedroht und ihm verboten den Alarmknopf zu drücken. Außerdem hieß es bei dem Überfall, dass der Verdächtige niemandem etwas tun und er nur das Geld wolle, da er all sein Geld und sein Haus verloren habe. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten räuberische Erpressung vor.

BGLand24.de berichtet direkt aus dem Gerichtssaal.

Aus dem Archiv:

SEK-Einsatz in Lauterbach bei Rohrdorf

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bad Reichenhall

Petra Sobinger

Petra Sobinger

Google+

Marina Birkhof

Marina Birkhof

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser