Jahresrückblick in Bad Reichenhall

Ein erfolgreiches Jahr für die Wasserwacht-Ortsgruppen

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Siegfried Hauber (Mitte) und Rudolf Schierghofer dankten Martin Planegger (links) und Franz Kurz (rechts) von der Ortsgruppe Berchtesgaden, die im gesamten Landkreis die Bestellung, den Einbau und die Schulung auf die neuen Digitalfunk-Geräte organisiert haben und beide als Multiplikatoren ihr Fachwissen an die Kameraden weitergeben.

Bad Reichenhall - Die Wasserwacht-Ortsgruppen des BRK blicken auf das Jahr 2015 zurück. Dieses war ebenso aufregend wie erfolgreich:

Die vier BRK-Wasserwacht-Ortsgruppen im Berchtesgadener Land waren 2015 bei insgesamt 45 Einsätzen ihrer mobilen Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) gefordert, davon allein 35 am Tourismus-Hotspot Königssee, wo das Motorrettungsboot bei medizinischen und sonstigen Notfällen vor allem während der Hochsaison im Sommer wertvolle Dienste erfüllt. Kreis-Wasserwacht-Vorsitzender Rudolf Schierghofer, der Technische Leiter Siegfried Hauber und Jugendleiterin Monika Reiner blickten bei der Jahreshauptversammlung im Reichenhaller BRK-Haus auf ein arbeitsreiches und auch schwieriges Jahr zurück, das vor allem durch die Flüchtlingshilfe der BRK-Wasserwacht, die beginnende Einführung des Digitalfunks und die mit der Zerstörung des Badylons fehlende Trainingsstätte der Ortsgruppe Freilassing geprägt war.

138 medizinische Hilfeleistungen

Die aktuell 153 aktiven Einsatzkräfte der vier Ortsgruppen haben vergangenes Jahr insgesamt 138 Mal medizinische Hilfe geleistet, davon 81 Mal an Seen und Flüssen und 57 Mal in Schwimmbädern. Sie waren bei vier Vermisstensuchen gefordert, mussten eine Totenbergung und zwei Sachbergungen durchführen, konnten zweimal ein Leben retten und zehnmal Hilfeleistungen an Wassersportlern durchführen. Von September bis einschließlich Februar leistete die BRK-Wasserwacht in der Halle an der Sägewerkstraße 2.367 Stunden bei der medizinischen Erstversorgung der ankommenden Flüchtlinge. „Der Einsatz war für uns alle ein Sprung ins kalte Wasser, hat aber Dank unkomplizierter und schneller Mitarbeit vieler Kameraden sehr gut geklappt. Die Motivation, den Dienstplan zu besetzen, war über Wochen hinweg ungebrochen groß!“, lobte Hauber.

Um für alle Einsatzfälle vorbereitet zu sein, verfügt die BRK-Wasserwacht über diverse Ausbilder in den eigenen Reihen, darunter 26 für Schwimmen und Rettungsschwimmen, sechs für Erste Hilfe, fünf für den Sanitätsdienst und fürs Tauchen sowie zwei Wasserretter-Ausbilder, die Grundausbildung für jede aktive Einsatzkraft. Von den 153 aktiven Wasserwacht-Mitgliedern sind 81 als Wasserretter ausgebildet, 37 Wach- und Einsatzleiter, 32 Leinenführer, 29 Rettungs- und Bergungstaucher, elf Einsatzleiter Wasserrettungsdienst, zehn Canyon-Retter, neun Rettungssanitäter, acht Rettungshelfer und sieben Rettungsassistenten. Sie betreiben in Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing und Laufen je eine mobile SEG sowie Wach- und Rettungsstationen am Thumsee, am Höglwörther See, am Königssee und am Abtsdorfer See und leisten zusätzlich Wachdienst in diversen Schwimmbädern.

Die Ortsgruppe Laufen ist formal betrachtet noch eine stationäre SEG mit einem Rettungsboot am Abtsee, verfügt aktuell über ein aus Spendengeldern der Laufener Bevölkerung finanziertes Fahrzeug und bekommt 2017 endlich ein eigenes, staatlich finanziertes Wasserrettungsfahrzeug, wodurch sie zur vollwertigen mobilen SEG wird. Für das Auto und die Einsatzkräfte ist bereits ein Platz im Feuerwehrhaus-Neubau vorgesehen. 2016 plant die BRK-Wasserwacht einen Wasserretter-Lehrgang im Landkreis, einen Kurs für Führen im Einsatz, einen Schwimmausbilder-Kurs, um die aktuell meist älteren Schwimmlehrer ein wenig zu entlasten und einen Zwölf-Stunden-Wasserrettungstag mit diversen Praxis-Übungen

Martin Planegger und Franz Kurz managen Digitalfunk-Einbau und Ausbildung

Siegfried Hauber und Rudolf Schierghofer dankten Martin Planegger und Franz Kurz von der Ortsgruppe Berchtesgaden, die im gesamten Landkreis die Bestellung, den Einbau und die Schulung auf die neuen Digitalfunk-Geräte organisiert haben und beide als Multiplikatoren ihr Fachwissen an die Kameraden weitergeben.

Die Geräte für die Wasserwacht wurden komplett staatlich finanziert, wobei rund 30.000 Euro an Kosten anfielen; weitere Geräte und Zubehör für zusätzliche Fahrzeuge und Einsatzkräfte konnte die Wasserwacht mit Spenden finanzieren und auch bereits bestellen. Der Einbau in alle Fahrzeuge ist ab kommender Woche mit dem Rettungsboot am Königssee komplett abgeschlossen und auch alle Endanwender-Schulungen haben bereits stattgefunden. „Wir sind damit im Probebetrieb, haben bereits sehr gute Erfahrungen mit der neuen Technik gemacht und hoffen, dass bald der Echtbetrieb starten kann“, freute sich Hauber.

Auch in Zukunft kein direkter Funkverkehr zwischen Salzburg und Bayern

Der Präsident der Österreichischen Wasserrettung (ÖWR), Heinrich Brandner bedauerte in seinem Grußwort, dass trotz der modernen Digitalfunk-Technik und fehlender Sprachbarrieren auch in Zukunft kein direkter Funkkontakt zwischen Deutschland und Österreich möglich sein wird, obwohl regelmäßig grenzüberschreitende Einsätze wie an der Saalach und Salzach oder 2015 an der Königsseer Ache bei der Suche nach einem vermissten Mädchen stattfinden. „Die Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Bayern funktioniert abgesehen davon aber hervorragend!“, lobte der Präsident.

Bis 2017 werden auch alle Wasserrettungsfahrzeuge der 23 Ortsstellen im Land Salzburg für insgesamt rund 80.000 Euro rein durch Spenden finanziert mit Digitalfunk ausgestattet, allerdings verwenden die Österreicher keine Verschlüsselung und können deshalb nicht direkt mit den verschlüsselten Geräten in Bayern funken. Das Problem werde aber wie bisher schon durch Austausch von Funkgeräten unkompliziert gelöst.

Bis zu 185 Kinder und Jugendliche trainieren landkreisweit bei der BRK-Wasserwacht

Jugendleiterin Monika Reiner

Jugendleiterin Monika Reiner berichtete von den Schwimmkursen und vom Kinder- und Jugendtraining, das wöchentlich in den Ortsgruppen stattfindet, wobei die Teilnehmerzahlen stark variieren. Reichenhall hat derzeit zehn Schwimmkurs-Kinder, 30 Kinder und 36 Jugendliche im Training, Laufen hat neun Jugendliche und in Berchtesgaden schwanken die Zahlen von Woche zu Woche zwischen 60 und 100. In Freilassing wechselten die letzten Jugendlichen zu den aktiven Einsatzkräften – weiterer Nachwuchs ist wegen der nach wie vor fehlenden Trainingsstätte mit dem Wegfall des Badylons bisher nicht in Sicht, weshalb sich die Ortsgruppe bereits Sorgen um ihre Zukunft macht.

Die Kinder von heute sind die Einsatzkräfte von morgen – uns geht es vor allem darum, die Kinder und Jugendlichen mit einem abwechslungsreichen und spannenden Programm über Jahre hinweg zu motivieren und im Idealfall bis ins Erwachsenenalter an die Organisation zu binden“, erklärt Reiner. 2015 war viel geboten, darunter erstmals auch ein fünftätiges Zeltlager der Kreis-Wasserwacht am Waginger See, Erste-Hilfe-Ausbildungen, Funkübungen, Besichtigungen der Rettungswache, der Bergwacht und des Rettungshubschraubers sowie diverse Gaudi-Ausflüge und Feiern.

In Freilassing fehlt das Badylon

Während die Ortsgruppe Bad Reichenhall ihren anhaltenden Engpass bei der Bahnen-Belegung in der Rupertustherme bei einem sehr konstruktiven Gespräch mit Geschäftsführer Dirk Sasse und TSV-Vertreter Ferdl Kern rasch lösen konnte (wir berichteten) und nun entspannter und effizienter trainieren kann, drückt die Ortsgruppe Freilassing-Ainring seit dem Hochwasser-Schaden im Badylon massiv der Schuh, da nach wie vor eine Trainingsstätte fehlt und keine Kinder mehr zu Freischwimmern ausgebildet werden können. „Ich kann nur hoffen, dass in Freilassing rasch Entscheidungen fürs neue Bad getroffen werden, denn Schwimmtraining ist die Grundlage unserer Arbeit; ohne Bad zerbricht langfristig die Gemeinschaft und der Nachwuchs fehlt“, bedauerte Hauber, der daran erinnerte, wie lang es in Bad Reichenhall nach dem Abriss des Bads an der Münchner Allee und der Eröffnung des neuen Bads an der Therme gedauert hatte, bis die Jugendarbeit wieder richtig funktionierte: „Wir hatten 2011 mit einer Handvoll Kinder einen Neuanfang gewagt und waren erst nach rund fünf Jahren mit derzeit 76 Kindern wieder gut im Geschäft!“

 „Wir wurden als Rettungsorganisation bei den Planungen für den Neubau des Paracelsus-Bads nicht ein einziges Mal befragt und können nur hoffen, dass in Zukunft außer lauter Rutschen auch noch Schwimmbecken vorgesehen sind“, sagte Brandner, der hofft, auch das neue Badylon in Freilassing mitbenutzen zu können.

Die Probleme dies- und jenseits der Grenze sind gleich: Noch dramatischer als in Freilassing sieht die Bäder-Situation aber im Land Salzburg aus: 23 Ortsstellen der Wasserrettung müssen sich zwei Hallenbäder (Aya und Paracelsus) teilen und können dort am Montag und Mittwoch für nur jeweils zwei Stunden trainieren. 270 Kinder stehen auf der Warteliste und wollen Schwimmen lernen. „Wir wurden als Rettungsorganisation bei den Planungen für den Neubau des Paracelsus-Bads nicht ein einziges Mal befragt und können nur hoffen, dass in Zukunft außer lauter Rutschen auch noch Schwimmbecken vorgesehen sind“, sagte Brandner, der hofft, auch das neue Badylon in Freilassing mitbenutzen zu können.

Durch Ausbildung den Ertrinkungstod bekämpfen

In seinem Jahresrückblich ging Schierghofer besonders auf die Wasserwacht-Kernaufgabe „Kampf dem Ertrinkungstod“ und die damit verbundenen Maßnahmen ein. Im Rahmen der Breitenausbildung wurden wieder zahlreiche Schwimmkurse für Kinder und auch Kurse zum Erwerb des Rettungsschwimmabzeichens durchgeführt. Seit 27 Jahren organisiert Schierghofer auch eine landkreisinterne Siegerehrung beim Schulschwimmwettbewerb – und das mit großem Motivationserfolg, denn über die Hälfte aller bayernweit teilnehmenden Klassen kamen im Schuljahr 2014/2015 wieder aus dem Landkreis.

Die diesjährige Siegerehrung zum Endspurt des Schuljahrs fand im Beisein zahlreicher Ehrengste in Aula der Berchtesgadener Grundschule statt. Die erfolgreichsten Klassen kamen aus Bayerisch Gmain, Schönau, Bad Reichenhall, Bischofswiesen und Berchtesgaden. Schierghofers Idee einer zusätzlichen, landkreisinternen Siegerehrung trug erneut Früchte, denn im Schuljahr 2014/2015 kamen mit 74 Klassen und 1.470 Kindern und Jugendlichen wieder über die Hälfte aller Teilnehmer auf Landesebene aus dem Berchtesgadener Land.

Das Motiv, warum die BRK-Wasserwacht so viel Aufwand betreibt und den Wettbewerb seit über einem halben Jahrhundert organisiert, ist einfach: „Je mehr Kinder gut schwimmen können, desto weniger passiert an den Gewässern; Prävention ist eine unserer wichtigsten Aufgaben“, erklärte der Wasserwacht-Vorsitzende, der zugleicht hofft, dass der ein oder andere auch in Zukunft als aktive Einsatzkraft in der Wasserwacht mitmachen wird. Landesweit haben im vergangenen Schuljahr 141 Klassen mit 2.822 Schülern am Wettbewerb teilgenommen. „Ohne ein Hallenbad sind gute Erfolge aber kaum möglich, denn die Freibad-Saison ist allgemein zu kurz“, bedauerte der Wasserwacht-Chef mit Blick auf Freilassing und die Nachbar-Gemeinden, die ohne das Badylon kein Schwimmtraining mehr durchführen können.

Andreas Leder für 15 Jahre geehrt

Manfres Hofmeister dankte der BRK-Wasserwacht.

Schierghofer zeichnete Andreas Leder von der Ortsgruppe Freilassing-Ainring für 15 Jahre aktive Mitgliedschaft in der BRK-Wasserwacht aus. Zahlreiche Ehrengäste dankten der BRK-Wasserwacht mit ihrem Grußwort und im persönlichen Gespräch für den ehrenamtlichen Einsatz und die gute Zusammenarbeit, darunter die zweiten Bürgermeister von Bad Reichenhall und Marktschellenberg, Manfred Hofmeister und Volkhard Geiger, der dritte Bürgermeister von Saaldorf-Surheim, Franz Hagenauer, Reichenhalls Polizeichef Wilhelm Bertlein und sein Kollege Peter Hußl aus Freilassing, Kreisbrandrat Josef Kaltner, ÖWR-Präsident Heinrich Brandner, der Ortsvorsitzende der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Teisendorf, Gustl Hacker, Dr. Thomas Wellenhofer vom Technischen Hilfswerk (THW), BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger, Kreisbereitschaftsarzt Dr. Rüttger Clasen und der Ehrenvorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Alfons Kandler.

Pressemitteilung Kreisverband Berchtesgadener Land

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