Weniger Arbeit für die PI Bad Reichenhall

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Bad Reichenhall - 2010 wurden weniger Straftaten bekannt als im Jahr zuvor. Bei Diebstählen und Straßenkriminalität gab es sogar einen noch deutlicheren Rückgang:

Die Polizeiinspektion Bad Reichenhall ist für die Sicherheit der Bürger in der Großen Kreisstadt Bad Reichenhall und den umliegenden Gemeinden Anger, Bayerisch Gmain, Piding und Schneizlreuth verantwortlich. In den fünf Kommunen leben etwas mehr als 31.000 Einwohner. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik des Bayerischen Landeskriminalamtes wurden im Jahr 2010 im Zuständigkeitsbereich der PI Bad Reichenhall – ohne die Zahlen der von der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität festgestellten Delikte – insgesamt 1.280 Straftaten registriert.

Im Vergleich zum Jahr 2009 mit 1.303 Straftaten ist die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten geringfügig um knapp zwei Prozent zurückgegangen. Aufgrund der Einwohnerzahl der Stadt Bad Reichenhall mit mehr als 17.000 Bürgern und der zentralen Bedeutung der Großen Kreisstadt für Wohnen, Arbeit, Schule und Ausbildung sowie Freizeitgestaltung liegt der Anteil der im Stadtgebiet begangenen Straftaten am registrierten Gesamtaufkommen zwangsläufig höher als in den umliegenden und überwiegend ländlich geprägten Gemeinden.

Die Kriminalitätsbelastung in den fünf Gemeinden liegt mit 41 Straftaten je 1.000 Einwohner rund ein Sechstel (16,33 Prozent) unter dem bayerischen Durchschnitt von 49 Straftaten. Geklärt werden konnten 712 von den letztes Jahr verübten 1.280 Delikten; dies ergibt eine Aufklärungsquote von 55,6 Prozent. Die Aufklärungsquote konnte im Jahresvergleich zu 2009 mit 53,3 Prozent etwas verbessert werden.

Weiterhin erfreulich rückläufig sind mit 10 Straftaten im Jahr 2010 im Vergleich zum Jahr 2009 mit 18 Delikten die bekannt gewordenen Vergehen nach dem Betäubungsmittelgesetz. Im Jahr 2008 waren noch 27 dieser Delikte polizeilich aufgenommen worden. Hervorzuheben ist bei der Analyse der Rauschgiftdelikte, dass in allen von der Polizeiinspektion Bad Reichenhall bearbeiteten Fällen nur sogenannte „weiche Drogen“ wie Marihuana und Haschisch festgestellt worden sind und es sich bei den angezeigten Personen im Regelfall um die Konsumenten illegaler Rauschmittel und nicht um Dealer gehandelt hat.

Es muss in diesem Zusammenhang allerdings auch darauf hingewiesen werden, dass die Beamten der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein im Rahmen ihrer Kontrollmaßnahmen im Grenzgebiet in Bad Reichenhall und den zum Zuständigkeitsbereich der PI Bad Reichenhall gehörenden Gemeinden 184 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgedeckt haben. Hierzu zählt in erster Linie grenzüberschreitender Rauschgiftschmuggel und -besitz, teils auch von ortsansässigen Personen.

Getrübt wird die Bilanz auch dadurch, dass im vergangenen Jahr eine 25-jährige Drogenkonsumentin an ihrer Sucht gestorben ist. Im Jahr 2009 waren zwei Personen an ihrer Drogenabhängigkeit gestorben, 2008 eine Person.

Die Diebstahlsdelikte stellen wie in den Jahren zuvor mit gut 35 Prozent den Löwenanteil an der Kriminalitätsbelastung. Sie sind aber mit 455 Delikten im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr mit 527 registrierten Delikten um ein gutes Siebtel (13,7 Prozent) zurückgegangen. Hier hat sich der in den Jahren zuvor dargestellte negative Trend nunmehr umgekehrt.

Die Zahl der Ladendiebstähle ging erfreulicherweise von 95 Vergehen im Jahr 2009 auf 76 Delikten im Jahr 2010 und damit um 19 Prozent zurück. Offensichtlich schrecken die Aufmerksamkeit des Personals und die Überwachung der Geschäfte mit Ladendetektiven Langfinger davon ab, Gegenstände in Diebstahlsabsicht an sich zu bringen.

Bei den die Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl der Bürger immer besonders beeinträchtigenden Einbruchsdiebstählen in Wohnhäuser und Wohnungen wurden im Jahr 2010 sieben Delikte angezeigt. 2009 waren es im Vergleich dazu acht. Mit lediglich einem halben Prozent stellen diese Wohnungseinbrüche jedoch einen verschwindend geringen Anteil an den insgesamt 455 polizeilich aufgenommenen Diebstahlsdelikten dar.

Die Zahl der Kraftfahrzeugdiebstähle ging von sechs im Vorjahr auf vier im Jahr 2010 zurück. Die Diebstähle aus Kraftfahrzeugen verringerten sich um mehr als die Hälfte von 28 Straftaten im Jahr 2009 auf nur noch 13 im vergangenen Jahr. Die polizeilichen Appelle zur Mitnahme von Wertgegenständen, Handtaschen, Kameras etc. beim Abstellen der Kraftfahrzeuge haben offenbar dazu geführt, dass der Diebstahlsanreiz auf diesem Deliktsfeld zurückgegangen ist.

Der seit mehreren Jahren festgestellte Trend zur Zunahme von Fahrraddiebstählen ist letztes Jahr umgekehrt worden. Wurden 2009 noch 159 Fahrräder entwendet, waren es 2010 nur noch 116. Dies bedeutet einen Rückgang des Fahrradklaus um 27 Prozent. Sorge bereitet jedoch nach wie vor die Tatsache, dass nur wenige dieser Straftaten aufgeklärt werden können. Die Aufklärungsquote bei dem Fahrraddiebstahl beträgt nur knapp sieben Prozent. Zur Erhöhung der Erfolgsrate bei der Deliktsklärung sollte vom jeweiligen Fahrradeigentümer immer eine freiwillige Fahrradregistrierung bei der Polizei erfolgen, um das Risiko für die Diebe wegen des durch die Aufnahme in die Fahrraddatei leichteren Erkennens von abhanden gekommenen Fahrrädern zu erhöhen.

Die Gewaltdelikte, hierzu zählen vor allem gefährliche und schwere Körperverletzung, stiegen von 28 derartigen Straftaten im Jahr 2009 auf 32 im letzten Jahr an. Allerdings ist die Aufklärungsquote auf diesem Deliktsfeld sehr hoch; 75 Prozent der angezeigten Delikte wurden durch Zeugenaussagen und die polizeiliche Ermittlungstätigkeit geklärt. Bei den Gewaltdelikten, aber auch bei den Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum, von denen im letzten Jahr 199 Delikte gezählt wurden und damit im Vergleich zum Jahr 2009 elf Vergehen weniger, ist die Polizei zur Klärung dieser Delikte, die nahezu ausschließlich im Schutz der Dunkelheit oder an schwer einzusehenden Örtlichkeiten verübt werden, in hohem Maße auf die Mithilfe der Bevölkerung durch Hinweisgebung und Zeugenangaben angewiesen.

Bei den Sachbeschädigungen liegt die Aufklärungsquote bei über 27 Prozent. Diese Zahl bedeutet, dass das Entdeckungsrisiko zwar nicht allzu hoch ist, aber jeder, der einer Sachbeschädigung überführt wird, jedoch neben den strafrechtlichen Konsequenzen auch zivilrechtlichen Forderungen nachkommen muss. Wie auch in den Jahren zuvor ließen bei den Vandalismusdelikten meist unbekannt gebliebene Rowdys ihre Zerstörungswut vor allem an Straßenlaternen, Parkbänken, Telefonzellen, Hauswänden und geparkten Kraftfahrzeugen aus.

Zu den 712 im Jahr 2010 aufgeklärten Straftaten wurden 544 Tatverdächtige ermittelt (2009 zu 694 geklärten Straftaten 601 Tatverdächtige). 406 davon waren männlich, 138 weiblich und bei 104 von ihnen handelte es sich um Tatverdächtige ohne deutsche Staatsangehörigkeit; dies entspricht einem Ausländeranteil an der Gesamtzahl der überführten Täter von 19 Prozent.

Bei der Analyse der Zusammensetzung der Tatverdächtigen nach Altersgruppen fällt auf, dass Kinder, Jugendliche und Heranwachsende unter 21 Jahren mit insgesamt 121 Personen bei den 544 ermittelten Tatverdächtigen vertreten sind. Dies bedeutet einen prozentualen Anteil von gut 22 Prozent und damit um knapp drei Prozent weniger als 2009. Im einzelnen waren 26 Kinder, 39 Jugendliche, 56 Heranwachsende und 423 Erwachsene als Straftäter überführt worden.

Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an den ermittelten Tatverdächtigen ist vor allem bei den Gewaltdelikten (46 %), insbesondere bei den gefährlichen oder schweren Körperverletzungen (52 %), bei den Delikten der Straßenkriminalität (42%), bei den Ladendiebstählen (22 %) und bei den Sachbeschädigungen (49 %) leider sehr hoch. Zur Verringerung der Delinquenz von Personen aus dieser Altersgruppe und zur Vorbeugung von Straftaten im öffentlichen Raum werden die erkannten Brennpunkte und die jugendszenetypischen Aufenthaltsorte im polizeilichen Streifendienst sowohl mit uniformierten als auch mit zivilen Kräften eingehend überwacht.

Die strafunmündigen Kinder unter 14 Jahren sind vor allem bei den Ladendiebstählen (13 %), aber leider auch bei den Körperverletzungsdelikten (10 %) als Tatverdächtige aufgefallen. Zur sozialen und emotionalen Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen und zur Vermeidung von Straffälligkeit im zukünftigen Leben werden bei Straftaten von Jugendlichen die Behörden und gemeinnützigen Einrichtungen der Jugendhilfe jeweils in die polizeiliche Bearbeitung der Delikte eingebunden.

Hervorzuheben ist bei der Analyse der Kriminalstatistik im Zuständigkeitsbereich der PI Bad Reichenhall, dass, wie auch in den zurückliegenden Jahren, im Jahr 2010 viele der bedeutenden oder aufsehenerregenden Delikte geklärt werden konnten. Hierzu hat neben der zielgerichteten Fahndungs- und Ermittlungstätigkeit der Polizei sicherlich auch und vor allem die für die Aufklärung von schwerwiegenden Delikten nicht wegzudenkende Mitteilungsbereitschaft aus der Bevölkerung mit Hinweisen auf Tatumstände und tatverdächtige Personen beigetragen.

Positiv festzuhalten bleibt in der Rückschau, dass das vergangene Jahr großteils geprägt war von alltäglicher Kleinkriminalität und nur in geringem Ausmaß von mittlerer und schwerer Kriminalität. Weder versuchte noch vollendete Tötungsdelikte oder gravierende Sexualstraftaten mussten registriert werden. Allerdings sind die Raubdelikte von vier im Jahr 2009 auf fünf im Jahr 2010 angestiegen.

Beispielhaft sind im folgenden die herausragenden Fälle aus dem Kriminalitätsgeschehen in den verschiedenen Deliktsbereichen kurz angeführt:

Gefährliche Körperverletzungen im öffentlichen Raum

  • Im Februar bemerkten zwei 9-jährige Buben am Rathausplatz, dass ein Jugendlicher von einem Erwachsenen und einem zweiten Jugendlichen mehrfach geschlagen wurde. Auf dem Weg bis zum Spitalparkplatz gingen die Misshandlungen weiter. Die aufmerksamen Jungen verfolgten das Geschehen und konnten beobachten, wie der Jugendliche unter Dutzenden von Schlägen mit der Faust ins Gesicht in ein Auto gestoßen wurde. Nach dem Einschreiten eines Erwachsenen fuhren die Täter mit dem Geschädigten in dem Wagen davon. Dank der sehr guten Personenbeschreibung der Kinder konnte über einen Presseaufruf ein Hinweis auf einen Mann, der für die Tat in Frage kam, erhalten werden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass es sich bei dem brutalen Schläger im den leiblichen Vater des 16-jährigen gehandelt hat, der zusammen mit dem 18-jährigen Bruder dem Jugendlichen eine „Abreibung“ verpasst hatte. Beide Schläger wurden vom Amtsgericht Laufen zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt.

Eigentumsdelikte/Betrugsdelikte

Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten

Raubüberfälle im Stadtgebiet

Sprengstoffexplosion in der Kurfürstenstraße in Bad Reichenhall

  • Drogenexperimente führten im Mai zu einer Explosion in einer Dachgeschosswohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Kurfürstenstraße. Drei Bekannte der 19-jährigen Mieterin hatten mit Gas aus Feuerzeugkartuschen vorher aufgekochtes Marihuana extrahieren und dadurch den Wirkstoff konzentrieren wollen. Wegen einer Gasübersättigung der Luft in der Wohnung war es zusammen mit einer bis jetzt unbekannt gebliebenen Zündquelle zu der folgenschweren Explosion gekommen. Die Druckwelle drückte die Fenster der Wohnung nach außen, hob die Balkendecke an und ließ eine Zwischenmauer in der Wohnung einstürzen. Die bei der Explosion aufgetretene Stichflamme verletzte die drei Männer im Alter zwischen 20 und 22 Jahren so schwer, dass sie mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen werden mussten. Die Mieterin, die bei dem gefährlichen Hantieren ihrer Bekannten abseits gestanden war, wurde nur leicht verletzt. Am Gebäude und an einem im Hof geparkten Pkw entstand Sachschaden in Höhe von 30.000 Euro. Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot gefordert, das gesamte Haus musste vorübergehend evakuiert werden. Wegen der fahrlässigen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und unerlaubten Umgangs mit Betäubungsmitteln wurden die drei jungen Männer und deren Bekannte nach ihrer Genesung im Januar 2011 vom Amtsgericht Laufen zu Freiheitsstrafen zwischen zehn Monaten und einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Alle vier Verurteilten sind arbeitslos und seit vielen Jahren drogenabhängig.

Das Straftatenaufkommen ist in den fünf durch die Polizeiinspektion Bad Reichenhall betreuten Gemeinden im Vergleich zur Kriminalitätsbelastungsquote im gesamten Freistaat Bayern mit der statistischen Kriminalitätsbelastung von 41 zu 49, gerechnet jeweils auf 1.000 Einwohner, merklich niedriger. Dies ist neben den bei den einzelnen Deliktsbereichen bereits erläuterten Faktoren sicherlich auch auf die noch weitgehend funktionierende soziale Kontrolle im kleinstädtischen und ländlichen Raum zurückzuführen. Daneben dürfte die Aufklärung vieler Delikte vor allem auch einem intakten Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und ihrer Polizei mit der daraus resultierenden Bereitschaft der Bürger zur Hinweisgebung zu verdanken sein.

Die Polizeiinspektion Bad Reichenhall wird, wie bisher, auch künftig mit allen zur Verfügung stehenden Kräften dafür sorgen, das Sicherheitsniveau auf dem gegenwärtigen hohen Stand zu halten und nach Möglichkeit weiter zu verbessern, begangene Straftaten durch intensive Fahndungs- und Ermittlungstätigkeit aufzuklären und festgestellte Tatverdächtige beweiskräftig einer wirksamen Strafverfolgung zuzuführen.

Die polizeilichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Straftaten und zur wirksamen Aufklärung begangener Delikte stehen immer unter der Prämisse einer bestmöglichen Sicherheit für die Bürger der Stadt Bad Reichenhall und der durch die Polizeiinspektion Bad Reichenhall betreuten umliegenden vier Gemeinden und einem sich daraus ergebenden positiven Sicherheitsgefühl des Einzelnen.

Pressebericht PI Bad Reichenhall

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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