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Freilassing: Familie verliert Wohnung nach Hallendach-Einsturz

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    • 18.07.12
    • Freilassing
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Seit Hallendach-Einsturz ohne Zuhause

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Freilassing – Verena und Björn Strömmer und ihre vier Söhne haben seit knapp drei Wochen kein eigenes Zuhause mehr. Sie fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen:

© bit

Verena und Björn Strömmer sind verzweifelt: Am 30. Juni verloren sie ihr Zuhause und leben jetzt mit ihren vier Söhnen in einem kleinen Zimmer.

Am 30. Juni krachte das Hallendach neben ihrer 200 Quadratmeter großen Wohnung in sich zusammen. Eine Nacht schliefen sie daraufhin noch in ihren gemieteten vier Wänden. Dann nahm Irene Wannersdorfer, die Mutter von Verena Strömmer, die sechsköpfige Familie in ihrem Haus in Freilassing auf. Sie schlafen jetzt im kleinen Wohnzimmer der liebevollen Oma. Insgesamt leben momentan elf Menschen auf engstem Raum zusammen, teilen sich rund 70 Quadratmeter - und nur eine Toilette.

„Unzumutbare Zustände für uns alle“, berichtet Irene Wannersdorfer mit Tränen in den Augen.

Video vom Dacheinsturz:

Ein paar Habseligkeiten konnten die Strömmers mitnehmen, der Großteil ist aber noch in ihrer Wohnung. Das gut 100 Jahre alte Haus in Privatbesitz, in dem sie rund ein Jahr lebten, grenzt direkt an die marode Sporthalle des TSV Freilassing, dessen Dach einstürzte. Seitdem drückt die Hallenwand und der Bauschutt dahinter gegen das bekannte blaue Haus in der Jahnstraße.

Strömmer: Behörden schieben Verantwortung ab

„Die Risse werden immer größer, das Fundament wölbt sich mittlerweile, Grundwasser steigt nach oben“, erzählt Verena Strömmer, die vor allem ihren vier Buben im Alter zwischen 3 und 10 Jahren ein schönes Zuhause bieten möchte. „Das ist derzeit nicht möglich“, ergänzt der arbeitssuchende Familienvater frustriert.

Er fühlt sich von den Behörden alleingelassen: „Überall wird die Verantwortung für diese Situation weitergeschoben, man wird immer nur vertröstet - und fühlt sich ganz schnell als Mensch zweiter Klasse“.

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Auch Schwiegermutter Irene regt sich auf: „Da heißt es immer im Fernsehen, dass Familien, die unverschuldet in Not geraten sind, geholfen wird - davon spüren wir hier bislang nichts“. Schwierig ist die Situation vor allem für die beiden bereits schulpflichtigen Buben. Für sie ist es so gut wie unmöglich, in Ruhe Hausaufgaben zu erledigen und zu lernen. Im September kommt der dritte Sohn in die Schule. „Bis dahin muss eine Lösung her“, so Björn Strömmer.

Ob seine Fische im Aquarium überleben, weiß er nicht. „Wir wissen ja nicht einmal, ob wir überhaupt noch einmal in unsere Wohnung dürfen, um die wichtigsten Sachen rauszuholen“.

Keine Schuldzuweisungen

Die Strömmers machen niemandem Vorwürfe, sprechen keine Schuldzuweisungen aus. „Was würde uns das bringen? Wir leben besser damit, jetzt nur noch nach vorn zu schauen“, so der 37-Jährige, der unterstreicht, durch die Ereignisse ganz einfache, kleine Dinge wieder weit mehr zu schätzen.

Seit dem 30. Juni sind sie auch sensibler für Geräusche im Haus geworden: „Bei jedem noch so harmlosen Knacksen schrecken wir hoch“, so Verena Strömmer.

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Den Einsturz selbst haben nur zwei der vier Kinder mitbekommen. Björn war mit drei Söhnen in der Wohnung, einer schlief. Die beiden anderen spürten die Erschütterung, weil sie auf dem Fußboden spielten. Er selbst hörte nichts, dann kamen die Söhne aufgeregt angerannt. „Schließlich klingelte auch schon die Vermieterin Sturm und ich wussste gar nicht, was eigentlich los ist. Wir liefen sofort auf die Straße“.

Es war ein 30 Grad heißer, herrlicher Tag, der das Leben der Strömmers komplett umkrempelte.

Großes Lob hat Björn Strömmer für die Betreuung unmittelbar nach dem Hallendach-Einsturz parat: „Polizei, Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz, Krisenstab, Katastrophenschutz – sie alle haben sich super um uns gekümmert“.

Es gibt nur einen Wunsch

Die Hoffnung, in ihre alte Wohnung irgendwann zurückkehren zu können, haben die Strömmers längst begraben. „Das ist abgehakt, wir suchen seit drei Wochen eine neue Bleibe. Aber sobald man sagt, dass man vier Kinder, aber keine Arbeit hat, ist das Gespräch meistens abrupt beendet“, sagt der Hesse mit erstickter Stimme. Er sucht einen Job als Altenpfleger oder Stahlbauschlosser.

Die Suche nach einer neuen Bleibe kostet viel Kraft: „Wir sind oft umgezogen, aber jetzt reicht es. Wir müssen endlich zur Ruhe kommen“, so Strömmers größter Wunsch.

Er möchte sich wieder als Mensch erster Klasse fühlen - so rasch wie möglich.

bit

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