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Berchtesgaden: Was machen eigentlich Nachtwächter?

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    • 13.06.12
    • Berchtesgaden
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Was machen eigentlich Nachtwächter?

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Berchtesgaden - Zehn Jahre lang ist Anna Glossner Berchtesgadens Nachtwächterin. Zum Jubiläum war auch ihr Kollege und Gildemeister Heinz Wellmann zu Besuch. Ein Interview:

© kp

Nachtwächter Heinz Wellmann.

Im Gespräch berichtet er über nicht vorhandene Nachwuchssorgen, stetig steigende Mitgliederzahlen in der Deutschen Gilde und beantwortet die Frage, ob er auf Glossners Berchtesgadener „Arbeitsplatz“ Neid empfindet.

Sie sind Gildemeister der "Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren e. V."? Für was stehen Sie, welche Interessen vertreten Sie?

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Heinz Wellmann: Die „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren hat sich zur Aufgabe gemacht, Traditionen zu bewahren und die Menschen damit vertraut zu machen und zu erfreuen. Nach der Gründung im Jahr 2004 haben ständig steigende Mitgliederzahlen die Richtigkeit der Idee bestätigt. Heute zählt der Verein über 100 Mitglieder. Die „Berufe“ waren seit jeher in den Städten und Gemeinden unverzichtbar. Die öffentliche Ordnung musste gewahrt werden, vor anrückenden Feinden musste gewarnt werden. All diese Aufgaben erfüllten unsere „Vorgänger“ mit großem Pflichtbewusstsein. In der heutigen Zeit scheint das alles überflüssig zu sein. Doch soll diese Tradition nicht vergessen werden. So kann man immer wieder mit den Mitgliedern der Gilde auf einen Rundgang durch die nächtliche Stadt gehen. Gibt es etwas Romantischeres als dem Nachtwächter bei seinen Geschichten zu lauschen?

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Sie sind selbst Nachtwächter im nordrhein-westfälischen Rees. Erzählen Sie d och mal...

Wellmann: Als gebürtiger Dinslakener, Jahrgang 1956, bin ich seit jeher mit dem Menschenschlag und der Landschaft des Niederrheins verwurzelt. 1996 habe ich mich mit meiner Frau in Rees in einem alten Bauernkotten niedergelassen und dort in der ältesten Stadt am Niederrhein eine neue Heimat gefunden. Da ich mich schon seit frühester Jugend für das Mittelalter interessiere, war der Schritt zum Nachtwächter nur eine Zeitfrage. 1996 durfte ich als Gastnachtwächter in Rothenburg ob der Tauber die Nachtwächter begleiten. Seitdem bin ich „infiziert“. Im August 2008 habe ich mit der Stadt Rees Kontakt aufgenommen und den Zuschlag als Nachtwächter bekommen. Die Arbeit als Nachtwächter macht mir sehr viel Freude. Das spüren auch die Gäste, die mich oft und zahlreich begleiten. Demnächst werde ich auch in der Stadt Emmerich am Rhein Führungen als Nachtwächter anbieten.

Ist das Nachtwächter-Dasein noch aktuell? Warum ist es wichtig, dass Ihre Zunft erhalten bleibt?

Wellmann: Wir sind in der Gilde vereint. Die Zunft ist eine Gemeinschaft auf europäischer Ebene, wir sind bundesweit aktiv. Nachtwächter- und Kostümführungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. So auch in Rees oder in Berchtesgaden, wo Anna Glosser seit 10 Jahren der Nachtwächterei alle Ehre macht. Die Tradition zu erhalten bedeutet nicht die Bewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

Wie schaut es in Sachen "Nachwuchs" aus? Wer kommt als Nachtwächter in Frage?

Wellmann: Nachtwächter sind in der Regel Stadtführer mit fundierten Ortskenntnissen. Dabei ist es uns gleich, ob Wächter oder Wächterin. Die Ernsthaftigkeit und die Verbundenheit zu dieser Aufgabe zählen. Im Osten gibt es einige Orte, die Jugendliche an die Nachtwächterei heranführen. Dennoch mache ich mir über Nachwuchs keine Sorgen. Es wird immer Menschen geben, die diese Aufgabe reizt. Wir haben auch recht junge Mitglieder in unseren Reihen.

Berchtesgaden ist ein schönes Plätzchen: Sind Sie Anna Glossner um Ihren Arbeitsplatz neidisch?

Wellmann: Berchtesgaden ist ein sehr schöner Ort mit viel Historie, der wunderbar in die Bergwelt eingebettet liegt. Rees kann man nicht mit Berchtesgaden vergleichen, aber als älteste Stadt am Niederrhein hat auch mein Heimatort viel zu bieten. Überhaupt habe ich bei meinen Reisen festgestellt, dass wir ein wunderbares Land mit viel bemerkenswerter Vergangenheit haben. Allerorts finden sich Schlösser, Bauwerke, Burgen, alte Städte und wunderbare Landschaften und Menschen. Wir alle können stolz auf unser Deutschland sein.

kp

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